H A N S   O R L O W S K I

 

Weitere Werke von Hans Orlowski

 

 

recto: abstrahiertes Bildnis
verso: Blick in kargen Wald

recto: Collage aus (teilweise farbigen) Papier-, Kartonstücken mit blauer Tusche auf leichtem Karton (wohl verworfene Zeichnung)
verso: Kohle

recto: nicht datiert, (wohl) um 1960
verso: (wohl) u.r. datiert „2/[19]50“

nicht signiert, verso o.m. Nachlassstempel
nicht betitelt

€ 210,-

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Grösse
Grösse: 53,7×41,4cm

Zustand
Blattränder mit Beschädigungen (kleine Einrisse, kleine Papierausrisse, Ecken mit Knickspuren); am unteren Blattrand länglicher Papierausriss (nicht in Collage übergehend); partiell leicht fleckig; verso leicht fleckig

Provenienz
Hans-Werner Schwarzenberger (1943-2015, Sohn von Fritz Schwarzenberger (Bearbeiter des Werkverzeichnisses zu Hans Orlowski), (Werbe-)Grafiker, Kunstsammler)

 

 

Die vorliegende Collage setzte Hans Orlowski aus teilweise farbigen Papier- und Kartonstücken zusammen, welche sich von links nach rechts in einen roten, schwarzen und grünen Bereich anordnen. In der herausgehobenen Mitte lässt sich in den Freiflächen ein in Blau ausgeführtes Bildnis erkennen. Augen, Ohren, Haare, Mund werden jeweils in länglichen, schmalen Strichen umrissen und zeigen wohl das Gesicht eines Mannes, wobei man bei den leeren Augen unter Umständen an einen Blinden denken mag.
Die Ausführung in Form kleiner Farbflächen aus welchen sich die Komposition und deren Wirkkraft bilden, findet sich im malerischen Schaffen Orlowskis in der Zeit um 1960 (vgl. hierzu im Werkverzeichnis (1972) u.a. die dort abgebildeten Werke „Mädchenbildnis“ (WV 189), „Verwitternde Steine“ (WV 191)), so dass auch vorliegende Collage in diesen Entstehungszeitraum eingeordnet werden darf. Der karge Wald auf der Rückseite des Blattes dürfte wohl eine frühere, vom Künstler im Späteren verworfene Zeichnung sein. Dass die Nachlassverwalter dieser ‚Wertung‘ folgten, zeigt auch die dortige Anbringung des Nachlassstempels, wodurch diese durchaus schöne und dichte Arbeit gegenüber der Vorderseite als eher untergeordnet erscheint.

 

 

Zu Hans Orlowski (01.03.1894 Insterburg / Ostpreußen – 03.05.1967 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; Sohn eines Schneiders; 1899 Umzug der Familie nach Königsberg; 1905 Umzug der Familie nach Potsdam und später nach Charlottenburg; 1911-15 Besuch der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg (bei Harold Bengen, Edmund Schaefer); 1914 zum Kriegsdienst eingezogen und Soldat in Serbien; 1915 aufgrund einer Verwundung Einsatz als Zeichner im Kriegsministerium; zu dieser Zeit entstehen erste Linol- und kurze Zeit später erste Holzschnitte; 1918 erste Ausstellungsbeteiligung bei der Berliner Sezession; 1918-19 Besuch der Staatlichen Kunstschule Berlin (bei Philipp Franck); 1919 Abschluss des Studiums mit dem Diplom als Kunsterzieher; 1921-45 Lehrer an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg; 1924 Reise nach Paris und Abkehr vom Expressionismus; Orlowski selbst zerstörte ein Großteil seines bis dahin entstandenen Werks; 1931 Ernennung zum Professor; es entstehen zahlreiche Holzschnitte und Illustrationsfolgen; 1934 erste Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt (Berlin); 1935, 1937, 1939 Beteiligungen an der Ausstellung „Ostpreussenkunst. Kunstausstellung des Kunstvereins Königsberg“ (Kunsthalle am Wrangelturm, Königsberg); 1936 Beteiligungen an der Ausstellung „Deutsche Graphik-Schau“ (Museum der bildenden Künste, Leipzig); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ sieben Werke Orlowskis beschlagnahmt; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Graphik und Kleinplastik“ (Haus der Kunst, Berlin); 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Graphik“ (Kunstverein Hamburg); 1943 Kollektivausstellung mit Otto Niemeyer-Holstein, Otto Manigk, Arno König und Anny Schröder (Anhaltischer Kunstverein, Dessau); Orlowskis Atelier in der Kunstgewerbeschule wird ausgebombt, wobei alle Holzstöcke, sowie 65 Gemälde vernichtet werden; 1945 wird seine Wohnung durch Bombenangriff zerstört; nach 1945 zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen; 1945 Leiter einer Klasse für Wand- und Glasmalerei an der Hochschule für bildende Künste Berlin; 1953 Wahl zum Mitglied der Königlich Flämischen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste, Brüssel; 1954 Kunstpreis der Stadt Berlin (West); 1959 Gründung des Hans-Orlowski-Kreises durch Fritz Schwarzenberger (Berlin); 1962 Ernennung zum Offizier im Orden Leopold II von Belgien; 1962 Verleihung der Ehrenmedaille des Ministeriums für nationale Erziehung und Kultur von Belgien; 1963 Verleihung des Kulturpreises für Bildende Kunst der Landsmannschaft Ostpreußen; 1964 Ernennung zum Ehrenmitglied der Accademia delle Arte del Disegno von Florenz; die Witwe Orlowskis vermachte den Nachlass dem Freilichtmuseum Bokrijk bei Hasselt; Orlowski schuf Illustrationen zu über 120 Büchern (u.a. zu Werken von Heine, Hölderlin, Rilke, Schiller)

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 507
OSMAN, Silke: Dem Alltäglichen enthoben. Gedenken an den Graphiker Hans Orlowski aus Insterburg, in: „Das Ostpreußenblatt“ (v. 27.02.1999)
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 427
Hans-Orlowski-Kreis (Hrsg.) (1965-72): Werkverzeichnis Hans Orlowski (6 Bände, bearb. V. Fritz Schwarzenberger); Berlin