H A N S   G U T G E S E L L

 

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hans-gutgesell

 

Abstrakte Komposition

Aquarell, Goldfarbe über leichten Bleistiftvorzeichnungen, partiell mit Deckweiß gehöht, auf Aquarellkarton
o.l. in Schwarz datiert „[19]67“

Grösse: 29,5×45,6cm

o.l. in Schwarz signiert „Gutgesell“
nicht betitelt

€ 420,-

 

 

 

 

            

 

Zustand
Ecke u.l. mit minimalem Papierverlust; verso in den vier Ecken Papier leicht aufgeraut; verso u.m. von fremder Hand in Blei bez. „-ohne Titel- Aquarell Gutgesell“

 

 

Der Offenbacher Johannes (Hans) Gutgesell war als Gebrauchsgrafiker ausgebildet und ab 1928 in diesem Bereich auch freischaffend in seiner Heimatstadt tätig. Daneben entstanden auch Malereien, Aquarelle und Druckgrafiken, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg einem höheren Grad der Abstraktion zuwandten.
Das vorliegende Werk entstand 1967 und damit zu einer eher späten Schaffensphase Gutgesells.
Verschiedenste Blautöne bilden die nuancenreiche Grundlage. Im oberen rechten Bereich erscheint gar ein Violett, wird in der Blattmitte zu einem Blaugrün und unten links zu einem klaren Blau. Durch diese zarten, sich vermengenden Farbübergänge wird ein weiter, nicht definierbarer Raum erzeugt, vor dem Gutgesell die farblichen Konturen in Weiß, Schwarz, Rot, Braun und Gold anordnet. Unweigerlich mag man bei der weißen Struktur an ein Lebewesen, wenn nicht gar an einen Menschen, denken. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, da wir als Betrachter die beiden kreisförmigen Strukturen im mittleren Bildbereich sofort als Augen kategorisieren. Die farblichen Balken in Violett, Hellbraun, Dunkelblau lockern die sonst ruhig kühle Stimmung der blauen bzw. blaugrünen Grundfläche auf und erzeugen zusammen mit den schnell ausgeführten, dünnen Strichen in Schwarz eine gewisse bildimmanente Bewegung.
Die gesamte Komposition wirkt wie ein beruhigendes, traumhaft metaphysisches Abbild, dessen ‚Sprache‘ Gutgesell hier in Symbole, Chiffren und vor allem in Farbe übersetzt.

 

 

Zu (Johannes) Hans Gutgesell (09.01.1902 Offenbach am Main – 02.10.1974 ebd.):
Maler, Gebrauchsgrafiker; Bruder des Schriftkünstlers Fritz Gutgesell (1910-1946); 1916-20 Lehre als Chemigraph bei der Firma Gebrüder Klingspor (Offenbach); 1920-22 Besuch der Kunstgewerbeschule Offenbach (Klasse für Gebrauchsgraphik bei Ludwig Enders und Rudolf Koch); im Anschluss daran Anstellungen bei der Firma Frieich Schömbs (Offenbach) und beim „Kottbuser Zeitungsverlag“; ab 1928 freischaffend in Offenbach tätig; im April 1930 Aufnahme in den Bund Offenbacher Künstler; (spätestens) 1935 wohnhaft in der Gabelsbergerstraße 29 in Offenbach; im Zweiten Weltkrieg Kriegsdienst; nach dem Zweiten Weltkrieg Zuwendung zur Abstraktion; 23. November 1952 bis 21. Dezember 1952 Beteiligung an der „Weihnachts-Verkaufs-Ausstellung“ des Kunstvereins Wiesbaden; 1972 Ausstellung „Malerei, Grafik“ im Kunstkabinett Behr & Tretz (Offenbach); 08.01.-05.02.2012 „Gedächtnisausstellung der Brüder Hans und Fritz Gutgesell – Zwei Künstlerschicksale und ihr Lebenswerk“ (Haus der Stadtgeschichte (Offenbach)); Werke befinden sich u.a. im Besitz des Klingspor-Museums (Offenbach) als auch des Hauses der Stadtgeschichte (Offenbach)