H A N N S   H A G E N A U E R

 

Weitere Werke von Hanns Hagenauer

 

Bild1
(Wohl) Darstellung aus Ischia

Öl auf Leinwand; auf Keilrahmen; gerahmt
nicht datiert, wohl um 1950-60

Rahmengrösse: 78,3×73,5cm
Bildgrösse: 70x65cm

u.r. signiert „H. Hag.“
nicht betitelt, wohl Darstellung aus Ischia

€1.500,-

 

 

 

ZUSTAND
Bildränder aufgrund der Rahmung wenig berieben; am Keilrahmen oben zwei kleine Etikettaufkleber von „Rahmen Nairz / Garmisch-Partenkirchen“; am Keilrahmen oben violetter Stempel (wohl frühere Besitzer)

 

Hagenauer zeigt in dem vorliegenden Gemälde einen menschenleeren Momenteinfang aus Forio d´Ischia. Die Boote liegen beinahe wie verwaist vor den Häusern und als einziges Indiz für Menschenleben erkennt der Betrachter die von Fenster zu Fenster gespannten Wäscheleinen. Die satte Farb- und strenge Formgebung zeigen die Ausgereiftheit im künstlerischen Schaffen. Bei Rudolf Härtl heißt es hierzu: „Ebenso wie die Urlandschaft des Hochgebirges entsprach Hagenauers letztlich nach bildnerischer Ordnung sich sehnendem künsterlischen Temperament nämlich die mediterrane Landschaft mit der ruhigen Tektonik ihrer lagernden Formen. Vor allem auf der Insel Ischia und an der jugoslawischen Adriaküste fand Hagenauer, was er mit seinen Augen und seiner Seele suchte, nämlich die Einheit von Naturformen und Menschenwerk angesichts der sich an die Berghänge schmiegenden Dörfer mit der Architektur ihrer kubistischen Häuser, deren strahlendes Weiß die Farben der Umgebung zurücktreten lässt“ (Rudolf Härtl (1990): Der Maler Hanns Hagenauer, in: Galerie Norbert Blaeser: Hanns Hagenauer. Wiederentdeckung eines Expressionisten [Ausstellung vom 4. Mai bis 2. Juni 1990], Düsseldorf, unpag. [S. 2-3]). Meisterhafte Komposition!

 

 

Zu Hanns Hagenauer (8.8.1896 Lindenberg – 7.9.1975 Oberammergau):
Maler, Zeichner und Graphiker; geboren in Nadenberg (bei Lindenberg, Allgäu); Ausbildung zum Buchdrucker (1914 Abschluss als Geselle); ab 1914 Kriegsdienst; 1916 schwere Verwundung und Entlassung aus dem Militär; Entschulss Maler zu werden; 1918-22 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei Christian Landenberger, Robert Poetzelberger, Arnold Waldschmidt); 1925-32 freischaffender Maler in Dornbirn (Vorarlberg) und Lech am Arlberg (Österreich); ab 1933 in Gießen/Lahn ansässig; 1943 Gründungsmitglied des Oberhessischen Künstlerbundes (OKB) „als Kampfbund gegen die vom NS-Regime propagierte Kunstrichtung, nachdem es mit dem Gauleiter von Hessen anläßlich einer nicht regimekonformen Kunstausstellung in Gießen zu einem Zerwürfnis gekommen war“ (Härtl 1990: unpag. [S.2]); 06. Dezember 1944 Zerstörung des Ateliers bei einem Bombenangriff auf Gießen; 1945 Oberhessischer Künstlerbund erhält von amerikanischen Besatzertruppen als erste Vereinigung die Lizenz zur Neugründung; bis 1952 bleibt Hagenauer Vorsitzender des OKB; 1952 Übersiedlung nach Oberau im Loisachtal, kurz darauf nach Garmisch-Partenkirchen; zahlreiche Studienreisen, insbesondere nach Frankreich, Italien (Ischia), Jugoslawien, Schweiz, Ungarn, Tschechoslowakei; 1975 Übersiedlung nach Oberammergau

Literatur
HÄRTL, Rudolf (1990): Der Maler Hanns Hagenauer, in: Galerie Norbert Blaeser: Hanns Hagenauer. Wiederentdeckung eines Expressionisten [Ausstellung vom 4. Mai bis 2. Juni 1990], Düsseldorf
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 487