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Weitere Werke von Hanns Hagenauer

 

Hanns Hagenauer: Porträt eines Mannes
Porträt eines Mannes mittleren Alters, u.U. ein Bildnis von Hellmuth Mueller-Leutert (1892-1973)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
o.r. datiert „[19]35“

Rahmengrösse: 78,7×63,7cm
Leinwandgrösse: 70,2×55,4cm

o.r. signiert „H. Hag.“
nicht betitelt

€ 1.600,-

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Zustand
mitunter leicht beschmutzt; Rahmen an Ecken/Kanten partiell leicht berieben

 

 

Nachdem Hanns Hagenauer aus dem Ersten Weltkrieg mit einer schweren Verletzung heimkehrte, studierte er von 1918 bis 1922 an der Kunstakademie Stuttgart. Seine damaligen Lehrer waren Christian Landenberger, Robert Poetzelberger, Arnold Waldschmidt. „Von 1925 bis 1932 hatte er seinen Wohnsitz in Dornbirn/Vorarlberg und Lech am Arlberg, aber schon bald führten ihn verschiedene Aufträge nach Deutschland, und im Jahre 1933 ließ er sich dann in Gießen/Lahn nieder“ (Härtl, Rudolf (1990): Der Maler Hanns Hagenauer, in: Galerie Norbert Blaeser: Hanns Hagenauer. Wiederentdeckung eines Expressionisten [Ausstellung vom 4. Mai bis 2. Juni 1990], Düsseldorf, unpag. [S. 2]). In Gießen blieb er bis 1952 wohnhaft. Während dieser Zeit war er 1943 Mitbegründer des Oberhessischen Künstlerbundes, den er bis zu seinem Fortzug nach Oberau auch leitete. Zwischen 1933 und 1945 wird Hagenauer allenfalls eine marginale Ausstellungstätigkeit gehabt haben, welche sich zudem wohl auf nur regionale Veranstaltungen erstreckte, war er doch bei allen größeren, maßgeblichen Ausstellungen nicht vertreten.
Das vorliegende Gemälde aus dem Jahr 1935 entstand wenige Jahre nach seinem Umzug nach Gießen und zeigt das Bruststück eines Mannes. Vielleicht handelt es sich bei diesem ernst, bestimmend und vielleicht auch sorgenvoll kritisch blickenden Mann um einen Künstlerkollegen aus Hagenauers damaligem Umfeld. Für eine ‚bloße‘ Auftragsarbeit mag das Bildnis als zu individuell, zu ‚lebendig‘ in seiner Darstellung erscheinen. – Der geschickt angewinkelte, aber nicht ganz sichtbare linke Arm, die wirr gelockten Haare und nicht zuletzt das so kantige, neusachliche Tendenzen zeigende Gesicht verschaffen dem Dargestellten eine durchaus anziehende Eigenart.
Dezidiert lassen sich bei der Darstellung des Gesichts Ähnlichkeiten zu dem Maler Hellmuth Mueller-Leutert (1892 Gießen – 1973 ebd.) erkennen. Hagenauer und Mueller-Leutert waren 1943 Gründungsmitglieder des Oberhessischen Künstlerbundes (OKB) und sicherlich wird es zwischen beiden auch einen engen Kontakt gegeben haben. Gut vorstellbar ist es daher, dass Hagenauer seinen damals im 43. Lebensjahr stehenden Kollegen auf diese treffliche Weise festhielt.
Da das Gemälde (spätestens) Ende 1944 wohl nicht mehr im Besitz des Künstlers war, fiel es auch der Atelierzerstörung in Folge eines Bombenangriffs auf Gießen am 6. Dezember 1944 nicht zum Opfer, was dem Werk neben der rein malerischen auch eine werksbiografische Bedeutung verleiht.

aus: Friedhelm Häring (1993): Hellmuth Mueller-Leutert, 1892-1973; Gießen

aus: Peter Petersen (1967): Dem Maler und Freund zum 75. Geburtstag; Brühlscher Verlag

 

 

Zu Hanns Hagenauer (8.8.1896 Lindenberg – 7.9.1975 Oberammergau):
Maler, Zeichner und Graphiker; geboren in Nadenberg (bei Lindenberg, Allgäu); Ausbildung zum Buchdrucker (1914 Abschluss als Geselle); ab 1914 Kriegsdienst; 1916 schwere Verwundung und Entlassung aus dem Militär; Entschulss Maler zu werden; 1918-22 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei Christian Landenberger, Robert Poetzelberger, Arnold Waldschmidt); 1925-32 freischaffender Maler in Dornbirn (Vorarlberg) und Lech am Arlberg (Österreich); ab 1933 in Gießen/Lahn ansässig; 1943 Gründungsmitglied des Oberhessischen Künstlerbundes (OKB) „als Kampfbund gegen die vom NS-Regime propagierte Kunstrichtung, nachdem es mit dem Gauleiter von Hessen anläßlich einer nicht regimekonformen Kunstausstellung in Gießen zu einem Zerwürfnis gekommen war“ (Härtl 1990: unpag. [S.2]); 06. Dezember 1944 Zerstörung des Ateliers bei einem Bombenangriff auf Gießen; 1945 Oberhessischer Künstlerbund erhält von amerikanischen Besatzertruppen als erste Vereinigung die Lizenz zur Neugründung; bis 1952 bleibt Hagenauer Vorsitzender des OKB; 1952 Übersiedlung nach Oberau im Loisachtal, kurz darauf nach Garmisch-Partenkirchen; zahlreiche Studienreisen, insbesondere nach Frankreich, Italien (Ischia), Jugoslawien, Schweiz, Ungarn, Tschechoslowakei; 1975 Übersiedlung nach Oberammergau

Literatur
HÄRTL, Rudolf (1990): Der Maler Hanns Hagenauer, in: Galerie Norbert Blaeser: Hanns Hagenauer. Wiederentdeckung eines Expressionisten [Ausstellung vom 4. Mai bis 2. Juni 1990], Düsseldorf
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 487