E R N S T   W A N N E R

 

Weitere schwäbische Künstler

 

ernst-wanner

 

(wohl) Ansicht auf eine Stadt im Nahen Osten

Aquarell & Gouache auf leichtem Karton
u.l. in Rotbraun datiert „[19]63“

Grösse: 42,9x61cm

u.l. in Rotbraun monogrammiert „EW“
nicht betitelt

€ 520,-

 

 

 

 

                    

 

Zustand
Farben im Bereich des früheren Passepartoutausschnitts aufgehellt; in den vier Ecken, sowie in den Randbereichen mittig kleine Einstichlöcher; in den Randbereichen mitunter leicht wellig; partiell leichte Druckstellen; verso am oberen Rand braunes Klebeband

 

 

„Bis 1955 beschränkt sich der Künstler darauf, einer Landschaft, einem Bildnis oder einer themagebundenen figürlichen Komposition durch die Hervorhebung charakteristischer Stimmungswerte oder Merkmale Ausdruckskraft zu geben. […] Das änderte sich auffallend, als dem Künstler weite Reisen möglich wurden. Vor allem die um 1961 entstandenen spanischen Gouachen wie ‚Toledo‘ oder Ölbilder wie ‚Aschermittwoch‘ verraten einen gesteigerten Drang, das Erlebnis in gleichnisstarke Bildwelten parallel zur Natur zu verwandeln.
Einen […] letztlich wohl entscheidend gewordenen Schub lösten dann die Reisen der späten sechziger und der siebziger Jahre aus: Begegnungen mit Israel, den arabischen Ländern, der Armut der Dritten Welt, den Widersprüchen Indiens dem Dreck der Bazare, dem Talmi der Lebewelt“ (Hermann Baumhauer (1987): Ernst Wanner; Theiss; Stuttgart; S. 12).
Das vorliegende Werk Ernst Wanners aus dem Jahr 1963 ist in diese Phase einzuordnen.
Von einem erhöhten Standpunkt blicken wir auf eine Stadt, die wohl in den Nahen Osten bzw. auf die Arabische Halbinsel verortet werden kann. Eine von reicher Vegetation begleitete Straße führt aus dem Vordergrund zur Bildmitte zu einer Kreuzung. Im mittleren Bildbereich zieht sich von links nach rechts eine mächtige Stadtmauer. Im Hintergrund erstreckt sich eine grüne Landschaft mit vereinzelt stehenden Zypressen und Palmen. Weiterhin erhebt sich im hinteren rechten Bereich, etwas verdeckt von Palmen ein Turm oder eine Zitadelle.
Deutlich wird die Ansicht bestimmt von der Farbgebung, die Wanner in schnellen durchaus auch flächigen Strichen ausführt. Das Orange und das Grün prägen den ersten Eindruck und erst danach erkennt man die farbliche Mannigfaltigkeit, die sich insbesondere im vorderen Bereich in Form der verschiedenen Pflanzen zeigt. Wie kleine, scheinbar unbedeutende Zusätze wirken die Menschen die Wanner in die Ansicht einbaut. – Im vorderen Bereich sitzt jemand auf einer Bank und im mittleren Bereich sieht man drei Spaziergänger. Durch dieses Einfügen von Menschen lockert sich der Blick auf und vermittelt dem Betrachter zugleich einen gänzlich zufälligen Charakter des festgehaltenen Moments.
Sehr schöne Reiseimpression Ernst Wanners!

 

 

Zu Ernst Wanner (04.01.1917 Stuttgart – 20.02.2002 Aalen):
Maler, Grafiker; Sohn des Mathematiklehrers und Oberstudienrats Karl Wanner; 1936 Abitur in Heilbronn; anschließend Arbeitsdienst und Militärzeit; zwei Jahre Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei Hans Spiegel, Heinrich Kissling, Hermann Mayrhofer, Anton Kolig); durch Einberufung zum Kriegsdienst wurde sein Studium unterbrochen; 1941 schwere Kieferverwundung in Russland, die einen längeren Lazarettaufenthalt nach sich zog; zugleich ermöglichte die Lazarettzeit auch ein Gastsemester an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig (bei Alois Kolb); 1942 Rückkehr zum Kriegsdienst, noch im selben Jahr trat eine Lungentuberkulose auf, einen 14monatigen Lazarettaufenthalt nötig machte; 1944 Entlassung aus dem Militärdienst; August 1944 Heirat; das Paar und der Vater Wanners verzogen zu der Familie nach Aalen; anfangs wohnhaft in Steinenkirch und ab 1946 dauerhaft ansässig in Aalen; 1946-50 Meisterschüler bei Heinrich Kübler (Stuttgart); Mitglied des Verbandes bildender Künstler Württembergs; Wanner schuf auch Kunst am Bau (u.a. Naturstein-Mosaik „Vogelnest“ im Ostalbklinikum, Aalen; 1968 Sonnenuhr am Rathausplatz in Oberkochen), sowie sakrale Kunst (u.a. 1967 das umlaufende Fensterband (120qm) in der Markuskirche, Aalen); zahlreichen Reisen nach Frankreich, in die Niederlande, nach Spanien, Jugoslawien, Italien, Griechenland, Marokko, Ägypten, Indien-Nepal, Finnland, Israel, Sizilien; 05.09.-03.10.2007 Ausstellung zum 90. Geburtstag Ernst Wanners (Rathausgalerie, Aalen); zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen

Literatur
BAUMHAUER, Hermann (Mitarb.) (1987): Ernst Wanner; Theiss; Stuttgart
NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 124
SCHLUDI, Hermann (Einf.) / WANNER, Ernst (Bildtexte) (1996): Ernst Wanner. Kunst und Leben; Theiss; Stuttgart