E R I C H   F R A A ß

 

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Erich Fraaß

 

„Weite Flur“

Aquarell und Bleistift auf Velinpapier, verso am oberen Rand durch Klebestreifen in Passepartout gesetzt
nicht datiert, wohl um 1950-55

u.r. in Blei signiert „E. Fraaß“
verso u.r. in Blei betitelt „Weite Flur“; unter diesem Namen nicht im Werkverzeichnis (Hebecker/Kühne (1996)

€ 1.200,-

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Passepartoutgrösse: 90,1×70,1cm
Blattgrösse: 74,9×53,9cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 73,5×51,7cm

Zustand
Blatt verso am oberen Rand durch Klebestreifen in Passepartout gesetzt; im Eckbereich o.r. Papierverlust (Umfang etwa 6×1,5cm; unter Passepartout nicht sichtbar); am unteren Rand mittig kleiner hinterlegter Einriss (Länge etwa 1,5cm); am oberen Rand links kleiner hinterlegter Einriss (Länge etwa 0,6cm); die seitlichen Blattränder mitunter sehr schwach uneben beschnitten; verso an den Blatträndern umlaufend braunes Klebeband; verso schwach (stock-)fleckig

 

 

Zu dem Schaffen von Erich Fraaß nach dem Zweiten Weltkrieg schreibt Gert Claußnitzer: „Neben großformatigen Gemälden entstehen in den späten vierziger und in den fünfziger Jahren eine Fülle an Landschaftszeichnungen, auch Aquarelle der engeren und weiteren Umgebung Dresdens. […] [Er] greift die Themen vergangener Jahre auf, aktiviert die Emotionen von damals und verwirklicht sich in einem zwingenden, komprimierten System von Form, Farbe und Komposition. Unmittelbarer allerdings in diesem Spätwerk sind die Zeichnungen von Landschaften bei Moritzburg, der Sächsischen Schweiz oder aus dem Zittauer Gebirge. Seine Skizzen von Naturlandschaften spiegeln aber nicht nur den Fleiß und die ursprüngliche zeichnerische Begabung, sie enthalten auch die Impulse, die Fraaß immer wieder aufs Neue aus dem Feld seiner geistigen Anreger zieht“ (Gert Claußnitzer (1996): Erich Fraaß – Schönheit des Elementaren, in: Galerie & Kunsthaus Hebecker (Hrsg.): Erich Fraaß 1893-1974; Kunstverlag Gotha; Wechmar; unpag. [S. 6-25, hier: S. 24]).
Das vorliegende großformatige Aquarell dürfte aus dieser Schaffensphase um 1950-55 stammen, zeigt es doch von der Darstellungsweise und dem Motiv deutliche Ähnlichkeiten zum Gemälde „Weg nach Postelwitz“ (1953/54, WVZ 677). Womöglich fand Fraaß auch das Motiv dieses Aquarells in der Umgebung der, in der Sächsischen Schweiz gelegenen, Ortschaft Bad Schandau, von der Postelwitz ein Ortsteil ist.
In beiden Werken führen geschwungene Acker- und Weideflächen das Auge des Betrachters in das Bild hinein. Die sommerliche Landschaft wird nur sporadisch durch einzelne Bäume oder kleinere Baumgruppenaufgelockert und endet im Horizont jeweils in einer entfernt liegenden, bläulich ausgeführten Hügelkette. Zum Hintergrund hin werden die einzelnen braunen Acker- und grünen Weideflächen kürzer und kleiner dargestellt, wodurch Fraaß eine beachtliche Bildtiefe erzeugt. Diese wird in der oberen Hälfte durch die locker gemalten Wolken unterstützt, welche sich ebenso nach Hinten hin verdichten.
Wunderschön stimmungsvolle Landschaftskomposition!

 

 

Zu Erich Fraaß (14.04.1893 Glauchau – 08.01.1974 Dresden):
Maler, Zeichner; viertes Kind des Webermeisters Ernst Richard Fraaß (1859-1939) und dessen Frau Clara Anna, geb. Rößler (1867-1938); 1899-1907 Besuch der Lehngrundschule in Glauchau; 1907-10 Lithografenlehre in der Glauchauer Ratsdruckerei Dulce; 1910-13 Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden (bei Paul Hermann, Carl Rade); 1913-14 Studium an der Kunstakademie Dresden (bei Richard Müller, Oskar Zwintscher); 1914-18 Kriegsdienst als Freiwilliger; nach seiner Rückkehr tritt Fraaß der Studenten-Spartakusgruppe bei und wird deren Wortführer; ab 1918 wohnt Fraaß zusammen mit Bernhard Kretzschmar in Gostritz (Friebelstraße) in einem Haus; 1919-22 Fortsetzung des Studiums an der Kunstakademie Dresden (zuletzt als Meisterschüler von Robert Sterl); 15.09.1919 Heirat mit Margarete Lehmann; 1920 vierwöchige Studienreise in die Niederlande; Mitglied des Vorstands des „Künstlerrats“ in Dresden; 04.05.1921 Geburt der Tochter Maja; 1921 Gründungsmitglied der Künstlervereinigung „Die Schaffenden“; 1921 Jubiläumsstiftung der Stadt Dresden und Verleihung des Großen Staatspreises; 1924 Studienreise zusammen mit Otto Meister, Georb Siebert, Otto Schubert und E.A. Mühler in den Böhmerwald; 1925 Reise nach Spanien; 1926 durch Förderung von Walter Flemming (später Oberbürgermeister) kann Fraaß nach Tirol reisen; 1926 Beteiligung an der Internationalen Kunstausstellung Dresden; 1927-29 auf Einladung seines Freundes Oskar Schulze, des damaligen II. Bürgermeisters von Leipzig, hält sich Fraaß mehrmals in Leipzig auf; 1932 Mitbegründer der Neuen Dresdner Sezession; 13.09.1937 Geburt des Sohnes Jobst; 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ 14 Werke beschlagnahmt; 1941 Reise in die Untersteiermark; 1942 zusammen mit Bernhard Ketzschmar und Edmund Kesting reist Fraaß in die Karpaten und nach Galizien; 1944 eingezogen zum Luftschutz-Sanitätsdienst; im Februar 1945 Zerstörung des Dresdner Ateliers durch Bombenangriff; kurz nach Ende des Kriegs ist Fraaß bei der Organisierung des Verbandes Bildender Künstler, sowie im Vorstand des Vertrauensrates Bildender Künstler aktiv; ab 1947 Dozent an der Hochschule für bildende Künste Dresden; 1953 Ernennung zum Professor; Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen der DDR; 1959 Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden; 1958 Vaterländischer Verdienstorden; 1958 Emeritierung aus dem Lehrdienst; 1959-61 Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler im Bezirk Dresden

Literatur
HEINZ, Hellmuth (1973): Erich Fraaß [Maler und Werk. Kunstheftreihe]; VEB Verlag; Dresden
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 483
ZIMMERMANN; Rainer (1980): Die Kunst der verschollenen Generation; Econ-Verlag; Düsseldorf – Wien; S. 371
Galerie & Kunsthaus Hebecker (Hrsg.) (1996): Erich Fraaß 1893-1974; Kunstverlag Gotha; Wechmar