C U R T   W I T T E N B E C H E R

 

Weitere Werke von Curt Wittenbecher

 

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Darstellung eines kahlen, dürren Baumes

Aquarell, Tusche auf sandfarbenem Karton
u.r. in Schwarz datiert „[19]42“

Blattgrösse: 24×49,2cm

u.r. in Schwarz monogrammiert „CW“
nicht betitelt

€ 420,-

 

 

 

 

        

 

Zustand
insgesamt leicht nachgedunkelt; vereinzelt sehr leicht fleckig; verso an den Rändern umlaufend braunes Klebeband; verso u.r. kleiner Aufkleber mit handschriftl. Nummerierung „1“

 

 

Bei einem Luftangriff auf Magdeburg wurde die Wohnung Curt Wittenbechers und damit auch ein großer Teil seines damaligen Schaffens zerstört. Der Künstler selbst übersiedelte 1944 nach Hindelang im Allgäu, blieb dort etwa fünf Jahre, bevor er nach Norddeutschland, zuerst nach Worpswede später nach Bremen, verzog.
Die expressiv-realistische Malweise tritt bei Wittenbecher deutlich erst in seiner Zeit in Norddeutschland auf. Insbesondere sind es hierbei Aquarelle, aber auch Gemälden bei denen er vor allem Portraits, Landschaften und Stillleben schuf. Doch auch schon vor dem Umzug nach Worpswede 1949 gibt es künstlerische Zeugnisse Wittenbechers, die auf ein Suchen, ein Austesten neuer Ausdrucksformen verweisen.
Das vorliegende, vielleicht als Vorarbeit dienende, Werk ist mit seiner Datierung auf 1942 in diese Phase einzuordnen. Wittenbecher war zu dieser Zeit in Magdeburg und von Hindelang war noch keine Rede. In schnellen schwarz-braunen Pinselstrichen entwirft er die Konturen eines kahlen Baumes. Die für Wittenbecher im Späteren so typische Aquarelltechnik setzt er bereits hier herausragend ein und erzeugt, trotz des Einsatzes von nur einer Farbe für den Baum, eine beachtlich fein herausgearbeitete Vielseitigkeit des Stammes, der Äste und der Zweige. Den Hintergrund aus grünen Nadelbäumen deutet der Künstler nur in wenigen Zügen und Strichen.
Für die Interpretation bleibt es offen, ob die Wahl dieses kahlen, dürren Baumes als eine künstlerische Reaktion auf die damalige Situation von Krieg, Zerstörung, Resignation und Leid gesehen werden kann. Wie man dies auch sehen mag, so ist zweifelsohne diese Darstellung eine frühe, expressiv-realistische Komposition und, wenn man den kriegsbedingten Verlust des künstlerischen Werks mitbedenkt, auch eine werksbiografisch bedeutsame Arbeit im Schaffen Wittenbechers

 

 

Zu Curt Wittenbecher (01.08.1901 Magdeburg – 02.01.1978 Bremen):
während der Schuljahre bis zum Abitur Halbtagsschüler der Kunstgewerbeschule Magdeburg; 1921-24 Studium an der Privatschule für graphische Künste (bei Moritz Heymann und Walter Thor); danach Studium an der Städtischen Kunstgewerbeschule (Berlin-Charlottenburg) bei Harold Bengen und an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule (Magdeburg) bei Ernst Hoffmann und Richard Winckel; anfangs Dozent für Laienzeichnen und Kunstbetrachtung an der Volkshochschule Charlottenburg; ab 1928 freischaffender Maler und Graphiker in Magdeburg; 1934 Ausstellung im Kaiser-Friedrich-Museum (Magdeburg) in Gemeinschaft mit Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff; Aufnahme in den Künstlerverein -Börde-; 1939-40 Mitglied und Leiter der -Künstlerkameradschaft Magdeburg-; gemeinsam mit Friedrich Einhoff, dem Zerbster Maler Paul Jünemann u. a. war er ab 1939 in den Kriegsjahren zuständig für die jährlichen Magdeburger Kunstausstellungen; 1942 Verleihung des Kunstpreises der Stadt Magdeburg; 1944 Übersiedlung nach Hindeland im Allgäu, nach dem Totalverlust seiner Wohnung durch Kriegseinwirkung; 1949 Übersiedlung nach Worpswede; 1953 Gründungsmitglied des „Neuen Forum“ (Bremen); seit 1955 freischaffender Maler in Bremen; zahlreiche öffentliche Aufträge, sowie Lehrtätigkeiten; Motive waren häufig Naturdarstellungen und Stilleben

Literatur
LIEBSCHER, Sabine: Curt Wittenbecher; in: Magdeburger Biographisches Lexikon
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 353
Kunstverein Bremen (Hrsg.): Katalog -Curt Wittenbecher. Ausstellung 1959/60. Kunsthalle Bremen