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Wolfgang Willrich

 

„Krieger und Tod“

Aquarell und Tuschfeder, auf leicht strukturiertem Karton
u.r. in Schwarz datiert „22.9.1918“

Grösse: 24×29,1cm

u.r. in Schwarz das damalige Signum Willrichs, sowie verso o.l. (wohl) vom Künstler in Blei bez. „Vfw [Vizefeldwebel] Wolf Willrich / PG 391 / Dépot Chateau d`Oleron / Charente inférieure”
verso mittig links in Blei betitelt „Krieger und Tod“; das Werk wird in das von Uwe Berg bearbeitete Werkverzeichnis aufgenommen

€ 2.600,-

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Zustand
partiell leichte Druckstellen; Ecken leicht bestoßen; Ecke u.r. mit minimalem Papierverlust; Papier insgesamt sehr schwach nachgedunkelt; im Bereich o.l. schwache Quetschung; verso o.l. in Blei nummer. „14“, sowie verso mittig links (unterhalb des Titels) in Rot nummer. „83“, sowie verso u.r. in Rot nummer. „433“; verso u.l. etwas undeutlich in Blei bez. „Aus […gands?] Nachlaß“

 

 

Nach seinem Abitur am Göttinger Gymnasium besuchte Wolfgang Willrich nur kurzzeitig von Oktober 1915 bis Februar 1916 die Staatliche Kunstschule in Berlin. Der Erste Weltkrieg unterbrach zunächst die weitere künstlerische Ausbildung und Willrich wurde mit dem Infanterieregiment 251 in Russland, Flandern und Frankreich eingesetzt.
„Ende März 1918 geriet der inzwischen mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnete und zum Vizefeldwebel beförderte Wolfgang Willrich in französische Gefangenschaft. Im Lager Orleans/Frankreich nutzte er jede Gelegenheit, um seine Umwelt, seine Mitgefangenen und die ihm sichtbare Landschaft zu zeichnen. In jedem Brief, den er an sein Elternhaus schickte, bat er um Zeichenmaterial. Noch waren seine Skizen grob und unfertig, auch war sein Signum noch völlig anders als das von 1939, doch das zeichnerische Talent sowie seine Beobachtungsgabe waren zu spüren. Seine wohl erste Veröffentlichung eines ‚Ex Libris‘-Entwurfes wurde übrigens im Februar 1919 in einer vom internationalen Roten Kreuz herausgegebenen Kriegsgefangenenzeitschrift veröffentlicht. 1920 wurde Willrich aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Ein wichtiger und für den Zeichner Willrich prägender Lebensabschnitt war beendet“ (Klaus J. Peters (1990): Wolfgang Willrich. War Artist – Kriegszeichner; R. James Bender; San Jose (CA); S. 17f.).
Das vorliegende, in Aquarellfarben und Tuschfeder ausgeführte Werk „Krieger und Tod“ datiert exakt auf den 22. September 1918 und entstand damit etwa nach dem ersten halben Jahr seiner Gefangenschaft in Frankreich.

 

 

Zu Wolfgang Willrich (31.03.1897 Göttingen – 18.10.1948 ebd.):
Maler, Zeichner; Sohn des Gymnasiallehrers Dr. Hugo Willrich und dessen Frau Laura, geb. Jacoby; schon als Kind hatte er künstlerische, sowie handwerkliche Talente (musizieren, malen, zeichnen, schnitzen, meisseln); 1915 Abituar am Staatlichen Gymnasium zu Göttingen; Oktober 1915 bis Februar 1916 Besuch der Staatlichen Kunstschule zu Berlin; danach Kriegsdienst als Soldat im Infanterieregiment 251 (eingesetzt in Russland, sowie in Flandern und Frankreich); Verleihung des Eisernen Kreuzes; 1917 während der Stellungskämpfe zeichnet Willrich die ersten Skizzen und Porträts seiner Kameraden; Ende März 1918 bis 1920 französische Kriegsgefangenschaft im Chateau Oléron; 1919 nimmt Willrich an einem Wettbewerb zur Exlibris-Gestaltung, ausgeschrieben von der „Deutschen Kriegsgefangenenfürsorge – Bern“ teil, bei dem er einen Anerkennungspreis erhält; 1920-27 Studium an der Kunstakademie Dresden (bei Richard Müller, Hermann Dittrich, Georg Lühring), das er mit Staatsexamen abschließt; während dieser Zeit Studienreisen durch Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich; 18.04.1923 Weihe der Ehrentafel im Göttinger Gymnasium, zu der Willrich ein großes Triptychon (7,10 x 3 m) geschaffen hat; 1927-30 Mitglied im „Tannenbergbund“; 1927-31 Ausbildung zum Zeichenlehrer wissenschaftlicher Richtung, was ein Studium der Biologie, Philosophie und Pädagogik an der Universität Dresden verlangte; 29.12.1931 Heirat mit Charlotte, geb. Herber; 1932 Asessorenexamen, sowie kurze Zeit Lehrer an einer privaten Kunstschule und an einem Gymnasium in Dresden; 1933-34 tätig für das Reichskulturministerium; 12.05.1934 wird er von Reichsbauernführer und Reichsminister Richard Walther Darré als „freier Mitarbeiter“ nach Berlin berufen, um für diesen Ausstellungen zu organisieren, Referate zu halten und zu zeichnen; Willrich war nie Mitglied der NSDAP oder ihrer Gliederungen; 1934-39 förderndes Mitglied der SS; einen von Himmler angebotenen hohen Ehrenrang innerhalb der SS lehnte Willrich ab; 17.08.1934 Geburt des Sohnes Walter; 1934-38 regelmäßiger Referent in der HJ-Reichsführerschule Potsdam; 1937 erschien Willrichs anti-modernistische Schrift „Säuberung des Kunsttempels“ (München: Lehmann); Willrich ist zudem in dieser Zeit beteiligt an den Beschlagnahmen und Ausstellungen im Rahmen der „Entarteten Kunst“-Aktion; 22.01.1937 Geburt der Tochter Gerda; 1937-42 Beteiligungen mit insgesamt 30 Werken an den „Großen deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der deutschen Kunst, München); 29.04.1938 Geburt der Tochter Thora; 1939 seine Meldung als Kriegsfreiwilliger wird aus Altersgründen abgewiesen; 1939 erhält Willrich die Erlaubnis Soldaten der U-Boot-Streitkräfte zu zeichnen; Jan.-Febr. 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Polenfeldzug und U-Boot-Krieg in Bildern und Bildnissen“; durch diese Ausstellung wird die Wehrmacht auf Willrich aufmerksam und zieht ihn als Feldwebel ein; ab 29.07.1942 Zuteilung zur „Staffel der bildenden Künstler“; zahlreiche Porträtarbeiten Willrichs finden als Postkartenmotive weite Verbreitung; Anfang 1945 verzog Willrich von Berlin nach Göttingen, wohin bereits seine Familie aufgrund erhöhter Bombenangriffe auf Berlin geflüchtet war; ab 14.04.1945 amerikanische Kriegsgefangenschaft aus der er am 28.01.1946 schwerkrank vorzeitig entlassen wird; Rückkehr nach Göttingen

Literatur / Quellen
Klee, Ernst (2009): Kulturlexikon zum Dritten Reich; Fischer; Frankfurt a.M.; S. 600
PETERS, Klaus J. (1990): Wolfgang Willrich. War Artist – Kriegszeichner; R. James Bender; San Jose (CA)
ROH, Franz (1962): „Entartete“ Kunst. Kunstbarbarei im Dritten Reich; Fackelträger-Verlag; Hannover; S. 77-79
VELTZKE, Veit (2005): Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Kerber; Bielefeld; S. 255
Internetseite zum Künstler [wolfgang-willrich.de]