W I L L Y   G R A B A

 

 

Willy Graba

 

„Cairo – Am Nil“

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
datiert „1924“, sowie verso o.l. nochmals dat.

u.l. signiert „W. Graba“, sowie verso o.l. nochmals sign.
verso auf der Leinwand o.l. in Schwarz betitelt: „Cairo – Am Nil“

€ 1.500,-

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Rahmengrösse: 84,5×65,5cm
Sichtgrösse: 76,5×57,5cm

Zustand
partiell leicht fleckig; im Bereich o.l. kleiner, restaurierter Leinwandschaden; im Bereich o.m. kleiner, restaurierter Leinwandschaden; Leinwand in den vier Ecken jeweils mit mehreren kleinen Einstichlöchern; Leinwand verso etwas fleckig; Rahmen mit Gebrauchsspuren (etwas berieben, leicht beschmutzt)

 

 

Der aus einer dithmarschen Bauernfamilie stammende Wilhelm Georg (Willy) Graba hatte nach dem Besuch der Husumer Realschule den Wunsch Seemann zu werden. Hierzu heuerte er ab 1913 als Schiffsjunge auf Großseglern an und bereiste mit diesen die Welt. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach war er auf einem englischen Segler, der von Brasilien aus nach Australien fuhr. Über Nacht wurden aus den englische Arbeitgebern und dem deutschen Teil der Besatzung Feinde und Graba wurde mit anderen deutschen Matrosen in ein australisches Gefangenenlager gebracht. Dort blieb er bis zum Ende des Krieges.
In diesem Lager wurde von Gefangenen eine eigene Kunstschule etabliert. „Auch Willy Graba besuchte diese Schule und dort wurde offensichtlich […], daß im Semann Graba ein Maler steckte […]. Grabas autodidaktischen[sic] Übungen wurden ergänzt durch Anleitung und Gespräch mit den anderen Schülern“ (Frank Trende (1994): Will Graba 181894-1973) – ein Malerleben, in: Nordfriesisches Museum Nissenhaus (Hrsg.): Willy Graba – Maler in fünf Kontinenten; Breklumer Druckerei; S. 6-10 [hier: S. 6]).
1919 kehrte er nach Deutschland zurück und besuchte ganz seiner neuen Leidenschaft folgend die Kunstakademie Berlin, sowie die Kunstgewerbeschule in Hamburg. „Nach der Hamburger Zeit packte ihn wieder das Fernweh, machte er Besuche in Berlin, in Weimar […], es schließen sich die ersten Studienreisen an nach Dalmatien (1922), Ägypten (1924), Griechenland (1925), er lebte ein halbes Jahr auf Kreta, reiste nach 1925 nach Süd-Italien und London. In der folgenden Zeit besuchte er Südfrankreich und Tunis (1926), Weimar (1927), Dalmatien und Bosnien (1928)“ (ebd.).
Das vorliegende Gemälde entstand während dieser frühen Studienreise nach Ägypten im Jahr 1924.
Der titelgebende Nil nimmt neben dem Himmel den Großteil der Fläche ein. Aus dem Vordergrund erstreckt sich der Fluss in seiner Breite über beinahe das ganze Bild. Das Wasser lässt Graba in einer Melange aus leichtem Blau, Gelb und einem dezenten Violett erscheinen, wobei die verschiedenen Nuancen des Gelbs deutlich obwiegen und der Ansicht dadurch eine vom Licht durchflutete Stimmung verleihen. Im mittleren Bildbereich setzt Graba an die Flussränder links und rechts für den Betrachter farbliche ‚Ankerpunkte‘ Kairos. Im linken Bereich liegen mehrere kleine Boote und Einsegler am Ufer und dahinter zeichnen sich bereits Gebäude der Stadt ab. Sowohl die Gebäude als auch die Boote sind vornehmlich in Violett mitunter leicht pastos ausgeführt. An der gegenüberliegenden Uferseite erblicken wir nur einen kleinen, sattgrünen Uferstreifen mit den Ausläufern eines scheinbar durchaus prunkvollen Gebäudes in warmen Rotorangetönen. Als ein sehr schönes farbliches Detail wiederholt sich das Grün dieser rechten Uferseite in der im Vordergrund gelegenen unteren Ecke. Obgleich demnach der Großteil des Bildes aus ruhigen, matten Tönen im Himmels- und Flussbereich besteht, erhält die Ansicht durch die satten, markanten Farbakzente in den Randbereichen doch zugleich auch eine überaus lebendige, warme Stimmung.
Wunderschöne Komposition aus dem verhältnismäßig frühen Schaffen Willy Grabas!

 

 

Zu Willy Graba (17.11.1894 Wesselburen / Dithmarschen – 26.12.1973 Langeneß):
Maler, Zeichner, Grafiker; wächst als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie auf einem Hof in Wesselburen auf; Besuch der Schulen in Wesselburen und Zennhusen, sowie der Realschule in Husum; nach dem Schulbesuch wollte er Seemann werden; ab 1913 fuhr er als Schiffsjunge auf Großseglern mit und umrundete so auch Kap Horn; 1914 erlebte er den Ausbruch des Ersten Weltkriegs während einer Fahrt auf einem englischen Segler von Brasilien nach Australien; seine englischen Arbeitgeber brachten Graba und andere Deutsche in ein Internierungslager in Australien; während der Lagerzeit besuchte Graba eine von Gefangenen eingerichtete Kunstschule; 1919 Rückkehr nach Deutschland; Graba setzte seine künstlerische Studien an der Kunstakademie Berlin und der Hamburger Kunstgewerbeschule fort; 1922 Reise nach Dalmatien; 1924 Ägyptenreise; 1925 Griechenland- und Italienreise; Oktober 1925 Beteiligung an der ersten Ausstellung des Dithmarschen Kunstvereins; 1926 Beteiligung an der „Großen Herbstausstellung Schleswig-Holsteinischer Künstler“; 1926 Reise nach Südfrankreich und Tunis; Mitglied der Künstlergruppe „De Warft“ und im April 1927 Beteiligung an der ersten Ausstellung der Gruppe; 1927 Aufenthalt in Weimar; 1928 Reise nach Dalmatien und Bosnien; 1930 Heirat mit Helene Tabor; das Paar zog in ein Haus in Heide; 1934 Reisen auf die Kanarischen Inseln, nach Teneriffa und ins Allgäu; 1937 reiste er mit dem Auto quer durch Deutschland; 1937 wurde bei der Aktion „Entartete Kunst“ das Aquarell „Bazar in Tetuan“ aus der Kunsthalle Kiel beschlagnahmt; 1934-43 bereiste er die Kurische Nehrung; auf Langeneß freundete er sich mit Kurt Löwengard an und malte mit diesem zusammen auf den Halligen; die letzten Kriegsjahre wurde Graba als Kriegsberichterstatter in Russland eingesetzt; nach dem Zweiten Weltkrieg reiste Graba erneut viel (u.a. Griechenland, Algerien, Türkei, Spanien, Mexiko, Kuba, Marokko, Spanien); 1957-64 war Graba jeweils sieben Monate auf Ibiza; ab 1965 auf der nordfriesischen Hallig Langeneß ansässig

Literatur
Nordfriesisches Museum Nissenhaus (Hrsg.) (1994): Willy Graba – Maler in fünf Kontinenten; Breklumer Druckerei