W I L L I   G E I G E R

 

Weitere Werke von Willi Geiger

 

Willi Geiger: Mein Sohn

 

„Mein Sohn“

Bleistift, partiell mit Kohle auf Papier, verso am oberen Rand durch zwei kleine Klebestreifen auf leichten Karton befestigt, dieser verso durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt
u.r. auf dem Blatt in Kohle, sowie u.r. auf dem unterlegten Karton in Blei lokalisiert & datiert „Florenz 1910“

Passepartoutgrösse: 32x48cm
Blattgrösse: 18,9×19,1cm

auf dem Blat u.r. in Kohle monogrammiert „W.G.“, sowie u.r. auf dem unterlegten Karton in Blei signiert „Willi Geiger“, sowie im Stempel im Passepartout handschriftlich mit Künstlername bez.
„Mein Sohn“, Studie, Vorarbeit zur so betitelten Radierung aus dem IV. Band der Radierungen, welche zwischen Februar und Juli 1910 in Florenz entstanden

verkauft

 

                  

 

Zustand
Blatt verso am oberen Rand durch zwei kleine Klebestreifen auf leichten Karton befestigt, dieser verso durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt; Blatt mit vertikaler und horizontaler Knickspur; partiell etwas fleckig (im linken Randbereich etwas braunfleckig); verso wohl verworfene/geschwärzte Zeichnung; Blatt mit leichten Druckstellen; unterlegter Karton an Ecke o.r. mit kleiner Knickspur; unterlegter Karton verso o.l. mit (wohl vom Vorbesitzer stammenden) Bleistiftbezeichnungen, die mit dem Datum „28.8.[19]33“ versehen sind; Passepartout an Ecken minimal bestoßen

Provenienz
Dr. Friedrich Wilhelm Denzel (München) [hierzu im Passepartout u.l. dunkelvioletter Stempel; weiterhin verso auf unterlegtem Karton u.l. kleiner blauer Stempel „G+W D“ [(wohl) Georg + Wilhelm Denzel; Georg Denzel (1873-1959 war der Vater von F. W.)]]

 

 

Nach seinem Kunststudium 1905 erhielt Willi Geiger ein zweijähriges Reisestipendium für Italien und Spanien. Gegen Jahresende erreichten Geiger und ein paar Freunde Rom. Als Anfang 1906 der Vesuv ausbrach reiste die Gruppe sofort nach Neapel, um das Geschehen mit zu erleben. Im Anschluss daran bereisten sie Süditalien und Sizilien und kamen schließlich – wohl im März 1906 – auch nach Tunis. „Die Überfahrt von Trapani (Sizilien) aus war äußerst unangenehm, denn es war stürmisch, und die Freunde befanden sich auf einem kleinen Dampfer. Die frische Luft an Land und die Souks von Tunis wirkten Wunder“ (Karl-Ludwig Barkhausen (2010): Reiseberichte aus Tunesien; Norderstedt; S. 40). Die vorliegende seltene, pikant sarkastische Arbeit entstand unter den Eindrücken dieses Geschehens und des dort Erlebten!

 

 

 

Zu Willi Geiger (27.8.1878 Schönbrunn – 11.2.1971 München):
1897 Abitur an der Realschule in Landshut; 1897-1901 Studium an der Kunstgewerbeschule München; 1901 Zeichenlehrerexamen an der Technischen Hochschule München; 1901 Aufnahme in die Akademie der Bildenden Künste (München) durch Franz von Lenbach und Franz von Stuck; 1902 Eintritt in die Malklasse von F.v.Stuck und die Radierklasse von Peter Halm); Bekanntschaft mkt Jules Pascin, Rudolf Levy, Hans Purrmann; 1903 Silberne Akademie-Medaille für die Radierung „Der Durst“; 1905 Graf-Schack-Preis für die Mappe „Liebe“ (zehn Strichätzungen) und das Gemälde „Der Schimmel“; Reise nach Italien und Tunis; 1907 Rückkehr nach München; Heirat mit Klara Weiß; erste „Stierkampf“-Mappe; 1908 Geburt des Sohnes Rupprecht; 1910 Villa-Romana-Preis für einjährigen Studienaufenthalt in Florenz; 1911 Übersiedlung der Familie nach Berlin; drei Stierkampf-Mappen erscheinen bei Paul Cassirer und Fritz Gurlitt; 1914-18 Kriegseinsatz als Beobachter im Fesselballon (Mazedonien, Frankreich); 1919-23 Professor der Altklasse an der Münchener Kunstgewerbeschule; Radierzyklen zu u.a. Dostojewski, Tolstoi; 1923-25 Aufenthalt in Spanien, Marokko und auf den Kanarischen Inseln; 1926 Rückkehr nach München; 1928-33 Leiter einer Malklasse an der Staatlichen Akademie für Graphik und Buchkunst (Leipzig); 1932 Kauf eines alten Bauernhauses (sog. „Bax“) in Übersee; 1933 fristlose Entlassung aus dem Lehramt aufgrund politischer Denunziation (Geiger nannte Hitler den „größten Desperado des Jahrhunderts“); 1933-45 ansässig in München und v.a. Feldwies (Chiemgau); mehrere Spanienreisen; 1937 werden bei der Aktion -Entartete Kunst- 29 Arbeiten Geigers beschlagnahmt; 1946-51 Leiter einer Malklasse an der Kunstakademie München; 1948 Ehrenbürger von Landshut; 1951 Kulturpreis der Stadt München; Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste (München); Ehrenbürger von Schönbrunn; 1961 Tod der Frau

Literatur
PETZET, Wolfgang (1960): Willi Geiger. Der Maler und Graphiker; Bruckmann; München
LÜDECKE, Heinz (Hrsg.) (1959): Willi Geiger (Einleitung von Richard Hiepe) [Künstler der Gegenwart 10]; VDK; Dresden
Internetseite des Archivs Geiger (archiv-geiger.de)