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Weitere Werke von Will Sohl
Zum Themenflyer ‚Einsamkeit in der Kunst‘

 

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Küstenlandschaft auf Sylt mit Leuchtturm

Lithographie auf hellbräunlichem Velinpapier
nicht datiert

u.r. in Blei signiert „Will Sohl“, sowie verso u.m. in Blei von fremder Hand mit dem Künstlernamen bez.
nicht betitelt

€ 160,-

 

 

              

 

Blattgrösse: 40,9×25,7cm
Auflage: u.l. in Blei nummer. „9/30“

Zustand
in den Randbereichen schwach nachgedunkelt; am oberen Rand mittig kleiner Einriss (Länge etwa 1,3cm); Ecke o.l. minimal bestoßen; partiell leichte Druckstellen; verso o.l. und o.r. in Blei nummer.; verso leichte Lagerspuren (schwach fleckig)

 

 

„Schnee liegt auf der Heide, auf den Dünen, und das Meer schickt große Wellen auf den weißen Strand. Es ist eine große, unendliche Einsamkeit – Maßstäbe für Raum und Entfernung gibt es nicht mehr“ (zitiert nach: Rudolf Hagelstange (1974): Will Sohl und die Insel Sylt; Balser Verlag; Stuttgart; S.11).
So beschreibt Will Sohl seine Sylter Eindrücke von einem Märztag des Jahres 1937. Nachdem er zwei Jahre zuvor das erste Mal auf die Insel kam, zog es ihn fortan immer wieder dorthin. Es entstanden zahlreiche Werke der Landschaft, des Meeres, der Tiere. In einem Brief an seine Frau Ruth schildert er seine gefundenen Motive folgendermaßen: „Denk mal fest an mich, dann siehst du mich glücklich im Schnee hocken, neben mir mein Malzeug, und braun, und gute Bilder, also alles vereinigt… Ich bringe alles Vorgenommene zu Euch. Samstag Meerstudien, Sonntag Arbeit an einigen Blättern, Montag Morsum, Dienstag und Mittwoch will ich Schafe und Vögel zeichnen. Donnerstag Abfahrt. Ich muß Personenzug fahren, aber das tut nichts. Ich nehme gern langsam Abschied von meinem geliebten Land“ (zitiert nach: Rudolf Hagelstange (1974): Will Sohl und die Insel Sylt; Balser Verlag; Stuttgart; S.11).
Die von Sohl beschriebene Empfindung der ‚unendlichen Einsamkeit‘ tritt uns in dieser Ansicht Sylts auf eine ganz eigentümliche Manier entgegen. Wir stehen auf einer Düne; und allem Anschein nach sind wir hier allein. Vor uns erheben sich vereinzelt stehende Strandhaferpflanzen, die durch ihre in Teilen etwas kräftigere Konturensetzung zuerst ins Auge fallen. Zum Strand hin fällt die Landschaft etwas ab und im Hintergrund erkennt man einen Leuchtturm mit einem nebenstehenden kleinen Haus bzw. einer Hütte.
Der wolkenverhangene Himmel wird von Sohl, ebenso wie der Strand, nur in wenigen flächigen Linien angedeutet. Dadurch dass es keine Hinweise auf die Lichtquelle gibt – scheint noch die Sonne oder vielleicht doch bereits der Mond? -, bekommt die gezeigte Landschaft einen entrückten, um nicht zu sagen: irrealen Charakter. Mit diesen vagen Lichtverhältnissen und der deutlich expressiv-realistischen Ausführung gelingt es Sohl ein tief persönliches Erleben der Landschaft auf eine eindrückliche Weise künstlerisch umzusetzen.

 

 

Zu Will Sohl (17.06.1906 Ludwigshafen – 11.09.1969 Heidelberg):
Maler, Zeichner, Grafiker; wächst in Mannheim auf; 1924 verlässt er das Lessing-Realgymnasium und will Künstler werden; der Vater besteht auf einem Studium der Architektur, so dass er hierfür nach Düsseldorf geht; kurze Zeit später wechselt er zur Malerei; 1928 Meisterschüler bei Heinrich Nauen; 1928 erste Ausstellung im Mannheimer Kunstverein; nach seinem Studium mehrere Reisen (Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien und ins Baltikum); dazwischen ist er als Bühnenbildner am Schauspielhaus Zürich, sowie als Gastbühnenbildner am Nationaltheater Mannheim tätig; 1932 Heirat mit Ruth, geb. von Davans; 1935 erster Aufenthalt auf Sylt, was ihn sehr beeindruckte und Grund für zahlreiche weitere Aufenthalte war; 1936 Umzug mit der Familie nach Heidelberg-Ziegelhausen und fortan doch ansässig; am 28.08.1937 werden zwei Gemälde bei der Aktion „Entartete Kunst“ aus der Kunsthalle Mannheim beschlagnahmt („Segelschiffe“ und „Hafenbild“); 1946 Gründungsmitglied der „Pfälzischen Sezession“; 1947 Gründung der „Freien Gruppe“ (zusammen mit Joachim Lutz); ab 1950 Zusammenarbeit mit dem Architekten Otto Bartning (1883-1959), dessen Kirchengebäude er mit Wandbildern und Glasfenstern ausstattet; 1968 Hans-Thoma-Staatspreis des Landes Baden-Württemberg

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 517
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 306
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 447 – Internetseite der „Künstlernachlässe Mannheim“ [kuenstlernachlaesse-mannheim.de]