W I L L   S O H L

 

Weitere Werke von Will Sohl

 

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Darstellung eines Mannes mit zwei Frauen

Tusche und Aquarell auf sandfarbenem Ingrespapier
nicht datiert

Blattgrösse: 69,8×50,4cm

u.r. in Blei signiert „Will Sohl“
nicht betitelt

€ 380,-

 

 

           

 

Zustand
durchgehend Druckstellen im Blatt; oberer und unterer Blattrand mit mehreren kleinen Knickspuren, kleineren Einrissen und Quetschungen; im rechten Blattbereich durchgehende leicht diagonale Knickspur; am oberen Blattrand mittig Einriss (Länge etwa 2,5cm); u.r. (wohl vom Künstler) in Blei undeutl. bez.; Ecken mit leichten Knickspuren; verso im rechten Blattbereich etwas farbfleckig

 

 

Vor einem, durch Mauerwerk und wohl eine Gasse dezent angedeuteten, städtischen Hintergrund befindet sich zentral im Bild eine Trias aus zwei Frauen und einem Mann. Ob die drei zusammengehören, oder ob sie zufällig so beisammen stehen bleibt offen. Zumindest scheint kein direkter Kontakt zu bestehen und auch nicht angestrebt zu sein, wenn man die jeweils von den anderen abgewandte Körperhaltung in diesem Sinne deutet.
Die Frau links erscheint am wenigsten formuliert, nur durch ihre Haare, ihr Gesicht und den nur leicht angedeuteten weiblichen Körper wird sie erkennbar. Die mittig stehende junge Frau blickt uns als Betrachter frontal an. Die Hände locker in den Hosentaschen, die Jacke ist über der gepunkteten Bluse offen. Eine Kette und ein Haarband trägt sie als Schmuck. Trotz dieser modischen Attribute wirkt ihr Gesicht erstaunlich ausdruckslos und leer. Aus dem leicht geneigten Kopf, der sich beinahe unheilvoll zur Hälfte in Schatten legt, vermeint uns gar die Büste einer antiken Statue anzublicken. Gänzlich unbeeindruckt wirkt der Mann, der angestrengt und wohl auch in Eile auf seine Uhr schaut.
Zweifelsohne hat diese großformatige Zeichnung einen skizzenhaften, unvollendeten Charakter. Doch werden in diesem schnell zu Papier gebrachten Entstehungsprozess auch die Momente deutlich, die Sohl bei dieser figürlichen Komposition als Rahmensetzung und als Ausschmückung (v.a. die in Blau gesetzten Details) betrachtete, so dass man einen kleinen Blick über die Schulter des Künstlers erhaschen kann.

 

 

Zu Will Sohl (17.06.1906 Ludwigshafen – 11.09.1969 Heidelberg):
Maler, Zeichner, Grafiker; wächst in Mannheim auf; 1924 verlässt er das Lessing-Realgymnasium und will Künstler werden; der Vater besteht auf einem Studium der Architektur, so dass er hierfür nach Düsseldorf geht; kurze Zeit später wechselt er zur Malerei; 1928 Meisterschüler bei Heinrich Nauen; 1928 erste Ausstellung im Mannheimer Kunstverein; nach seinem Studium mehrere Reisen (Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien und ins Baltikum); dazwischen ist er als Bühnenbildner am Schauspielhaus Zürich, sowie als Gastbühnenbildner am Nationaltheater Mannheim tätig; 1932 Heirat mit Ruth, geb. von Davans; 1935 erster Aufenthalt auf Sylt, was ihn sehr beeindruckte und Grund für zahlreiche weitere Aufenthalte war; 1936 Umzug mit der Familie nach Heidelberg-Ziegelhausen und fortan doch ansässig; am 28.08.1937 werden zwei Gemälde bei der Aktion „Entartete Kunst“ aus der Kunsthalle Mannheim beschlagnahmt („Segelschiffe“ und „Hafenbild“); 1946 Gründungsmitglied der „Pfälzischen Sezession“; 1947 Gründung der „Freien Gruppe“ (zusammen mit Joachim Lutz); ab 1950 Zusammenarbeit mit dem Architekten Otto Bartning (1883-1959), dessen Kirchengebäude er mit Wandbildern und Glasfenstern ausstattet; 1968 Hans-Thoma-Staatspreis des Landes Baden-Württemberg

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 517
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 306
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 447 – Internetseite der „Künstlernachlässe Mannheim“ [kuenstlernachlaesse-mannheim.de]