W I L H E L M   V O N   H I L L E R N – F L I N S C H

Wilhelm von Hillern-Flinsch (Großbild)

Weitere Werke von Wilhelm von Hillern-Flinsch
Weitere Künstler des Expressiven Realismus

Wilhelm von Hillern-Flinsch

 

„Schafweide, Gastein“

Öl auf Platte, gerahmt
so auf der Platte verso rechts vom Künstler in Schwarz datiert: „1942“

Rahmengrösse: 83,9×64,3cm
Plattengrösse: 70x50cm

€ 3.400,-

 

 

u.l. in Schwarz monogrammiert, sowie verso am Rahmen oben auf Etiketten mit Künstlername und Lebensdaten bez.
auf der Platte verso rechts vom Künstler in Schwarz betitelt: „Schafweide, Gastein“, sowie darüber in Schwarz mit der Werknummer versehen „B I / 140“

Zustand
Plattenränder und -ecken mitunter etwas bestoßen; am unteren Rand rechts kleine Druckstelle; in den vier Ecken kleine Einstichlöcher; partiell sehr leichte Verluste der Farbschicht; Platte verso etwas (farb-)fleckig, sowie u.r. mit Größenangaben bez.; Platte verso am oberen Rand links und mittig mit je einem Etikett mit Angaben zum Künstler und Bild

 

 

Ab 1926 hatte der ‚künstlerisch Spätberufene‘ Wilhelm von Hillern-Flinsch ein Atelier in der Münchner Ohmstraße. Er war Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft und betätigte sich als Porträtist. Bis 1936 war er in der bayrischen Landeshauptstadt ansässig und verzog dann nach Berlin. „Ich wußte die Akademie in der Hardenbergstraße, ihre Ägide in Bruno Pauls bewährter Hand. Da konnte ich lernen, nach Herzenslust Aktzeichnen. Ich war auf 2 Jahre Schüler bei Prof. W. Tank, Anatomie. […] Paradigma des Fleißes, eine selten gewordene Arbeitsfreudigkeit am Rande des ‚Kunstbetriebs‘. München lag hinter mir. Die Übersiedlung nach Berlin war dem Kunstgeschehen förderlich“ (Wilhelm v. Hillern-Flinsch (1983): Wilhelm von Hillern-Flinsch; Liebl; München; S. 22). 1943 verließ er Berlin gänzlich und verzog zusammen mit seiner Frau, die dritte Heirat erfolgte kurz zuvor in Salzburg, nach Kärnten und später nach Gastein. Im selben Jahr wurden durch Bombenangriffe sowohl das Berliner als auch das Münchener Atelier vernichtet.
Das vorliegende Gemälde entstand noch kurz vor diesen biografisch prägenden Ereignissen des Jahres 1943. Hillern-Flinsch war auch zuvor immer wieder in der Gasteiner Gegend und so wird er auch das Motiv dieser ‚Schafweide‘ bei einem solchen Aufenthalt gefunden haben.
Die expressive und durchaus freie Farb- und Formgebung verleihen der Ansicht eine künstlerische Ungezwungenheit, die nicht zuletzt unter Berücksichtigung des Entstehungsjahrs beeindruckend ist. In Grün- und Brauntönen wird die Weide in kräftigen, flächigen Strichen umrissen. Teils dick in Schwarz ausgeführte Konturen verstärken die farbliche Wirkung und lassen die Bäume und Sträucher in ihrer Expressivität gar als wuchtig erscheinen. Die Landschaft ist auf diese Weise in einem ruhigen erdigen Kolorit gehalten und nur ganz dezent setzt der Künstler auflockernde farbliche Details wie das Gelb im Vordergrund ein. Erst die Schafe bilden in ihrer mitunter leicht pastosen Farbgebung einen überaus vitalen, dynamischen Pol zu der Ruhe der sie umgebenden Natur. In verschiedenen Nuancen aus Rot, Violett, Weiß und auch Schwarz präsentiert der Künstler dem Betrachter eine überaus heterogene Gruppe an Tieren. Sowohl bezogen auf die Farbe als auch die Form, gleicht doch kein Schaf dem anderen. Und obwohl die meisten beim Fressen sind, so erhält doch jedes einen ganz eigenen Ausdruck und damit eine ganz eigene Wirkkraft auf den Betrachter, der nicht zuletzt hieran die Liebe Hillern-Flinschs zur dortigen Landschaft und den Tieren erkennen mag.
Wunderschöne, expressiv-realistische Komposition aus einer für den Künstler signifikant einschneidenden Schaffensphase!

 

 

Zu Wilhelm von Hillern-Flinsch (26.03.1884 in Freiburg i.B. – 11.04.1986 München):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1892-94 Herrnhuter Erziehungsanstalt in Königsfeld (Schwarzwald); 1894-97 Schule in Wandsbeck (Hamburg); ab 1897 Klosterschule in Rossleben/Unstrut; 1903 Fahnenjunker in Potsdam; 1905 Krankheit; 1910 Abschied vom aktiven Militärdienst; Heirat; Aufenthalt in St. Moritz, dort Bobfahrer (zahlreiche Preise hierfür); zwei längere Aufenthalte in England; 1914-18 als Offiziert im Ersten Weltkrieg; nach 1918 in Stockholm, dort Akt- und Portraitzeichnen bei Karl Wilhelmson; 1920-22 Unterricht an der Zeichenschule von Josef Andreas Sailer (München); 1922-24 Studium an der Kunstakademie München (bei Peter von Halm); 1924-25 Aufenthalt in Italien; zweite Heirat; 1926-36 in München als Porträtist tätig; Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft; 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1935 Beteiligung an der „Ausstellung der Stadt Freiburg i.Br.“ (Augustinermuseum Freiburg); 1936 Übersiedlung nach Berlin, dort Anatomiezeichnen bei Wilhelm Tank; 1937 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg); 1943 Ausbombung des Berliner Ateliers; dritte Heirat; 1944-46 Aufenthalt in Kärnten und in Gastein; 1947-53 Aufenthalt in Schweden, dort zuerst als Gärtner, dann als Porträtist tätig; Gründung einer Malschule; 1953 Rückkehr nach München; Besuch eines Lithographiekurses an der Kunstakademie Stuttgart (bei Erich Mönch); 1978 Seerosenpreis der Stadt München; 1984 Bundesverdienstkreuz

Literatur
HILLERN-FLINSCH, Wilhelm v. (1983): Wilhelm von Hillern-Flinsch; Liebl; München
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 491
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Die Sammlung Joseph Hierling. Expressiver Realismus [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 145