W I L H E L M   V O N   H I L L E R N – F L I N S C H

 

Weitere Werke von Wilhelm von Hillern-Flinsch
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„Schafalm bei Hofgastein“

Kreidezeichnung auf sandfarbenem Karton, verso in den oberen beiden Ecken durch kleine Klebestreife befestigt in Passepartout, gerahmt, unter Glas

u.r. datiert „20. VI [19]42“
u.r. monogrammiert

€ 1.100,-

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Titel
betitelt mit „Schafalm bei Hofgastein“ in: Wilhelm von Hillern-Flinsch (1978): Zeichnungen. Aphorismen [Das Werkstattbuch 3]; Murnau: Verlag „Das Werkstattbuch“; Abb. 26; sowie ebenso betitelt auf Etikett verso auf Rahmenrückwand o.l.; weiterhin verso auf dem Blatt u.l. in Blau, sowie auf Rahmenrückwand u.l. in Blei mit der Werknummer „Z49“ versehen

Grösse
Rahmengrösse: 43×52,8cm
Blattgrösse: 30,5×37,2cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 29,4×36,5cm

Zustand
Blatt verso in den oberen beiden Ecken durch kleine Klebestreife befestigt in Passepartout; Ränder sehr leicht bestoßen; u.r. vom Künstler undeutlich bez. & nummer.; verso etwas fleckig, sowie in den unteren beiden Ecken, an den seitlichen Rändern mittig und oben kleine Reste früherer Befestigung (kleine weiße Klebestreifen)

Abbildung
ganzseitige s/w-Abb. in: Wilhelm von Hillern-Flinsch (1978): Zeichnungen. Aphorismen [Das Werkstattbuch 3]; Murnau: Verlag „Das Werkstattbuch“; Abb. 26

 

 

Nachdem der ‚künstlerisch Spätberufene‘ Wilhelm von Hillern-Flinsch seine Ausbildung an der Münchner Zeichenschule von Josef Andreas Sailer (1920-22) und der Kunstakademie München (1922-24) beendete, hielt er sich bis 1925 in Italien auf und hatte in den Folgejahren sein Atelier in der Ohmstraße. Er war Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft und betätigte sich als Porträtist. Bis 1936 war er so in der bayrischen Landeshauptstadt ansässig und verzog dann nach Berlin. „Ich wußte die Akademie in der Hardenbergstraße, ihre Ägide in Bruno Pauls bewährter Hand. Da konnte ich lernen, nach Herzenslust Aktzeichnen. Ich war auf 2 Jahre Schüler bei Prof. W. Tank, Anatomie. […] Paradigma des Fleißes, eine selten gewordene Arbeitsfreudigkeit am Rande des ‚Kunstbetriebs‘. München lag hinter mir. Die Übersiedlung nach Berlin war dem Kunstgeschehen förderlich“ (Wilhelm v. Hillern-Flinsch (1983): Wilhelm von Hillern-Flinsch; Liebl; München; S. 22). 1943 verließ er Berlin gänzlich und verzog zusammen mit seiner Frau, die dritte Heirat erfolgte kurz zuvor in Salzburg, nach Kärnten und später nach Gastein. Im selben Jahr wurden durch Bombenangriffe sowohl das Berliner als auch das Münchener Atelier vernichtet.
Die vorliegende Zeichnung entstand noch kurz vor diesen biografisch prägenden Ereignissen des Jahres 1943. Hillern-Flinsch war auch zuvor immer wieder in der Gasteiner Gegend und so wird er auch das Motiv dieser ‚Schafalm‘ bei einem solchen Aufenthalt gefunden haben.
Der Betrachter nimmt einen etwas aus der Szenerie entrückten Standpunkt ein, so dass der Blick ungestört über die detailliert ausgeführten Pflanzen im Vordergrund, über die daran sich anschließenden Schafe und Personen, die Alm hinab und tief in das Tal bis zu weit im Hintergrund liegenden Anhöhen führt. Dadurch das Hillern-Flinsch den unteren Bildrand, wie auch die beiden unteren Eckbereich dezidiert unbearbeitet lässt und damit dem Motiv eine gewisse innerbildliche Begrenzung verleiht, wird das Gefühl des Betrachters hier in die Rolle eines ‚nicht-teilnehmenden Beobachters‘ zu schlüpfen noch verstärkt.
Das was der Künstler deutlich zum Ausdruck bringt ist eine erstaunliche Ruhe und Harmonie zwischen Mensch und Natur. – Die grasenden Schafe, die unberührte, majestätische Landschaft und die ins Tal schauenden Menschen. Von expressionistischen Übersteigerungen der Konturen ist Hillern-Flinsch weit entfernt. Vielmehr lebt die expressiv-realistische Darstellung durch die mitunter zarten geschwungenen Formen, aus denen heraus ein Großteil der Bildstrukturen entsteht. Eine besondere Betonung legt der Künstler auf die nuancenreich erarbeitete Abstufung der Grauwerte und erzeugt dadurch eine Vielschichtigkeit und Dynamik, wie zugleich auch eine beachtliche Bildtiefe.
Eine zeichnerisch wunderschöne Komposition aus einer für den Künstler signifikant einschneidenden Schaffensphase!

 

 

Zu Wilhelm von Hillern-Flinsch (26.03.1884 in Freiburg i.B. – 11.04.1986 München):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1892-94 Herrnhuter Erziehungsanstalt in Königsfeld (Schwarzwald); 1894-97 Schule in Wandsbeck (Hamburg); ab 1897 Klosterschule in Rossleben/Unstrut; 1903 Fahnenjunker in Potsdam; 1905 Krankheit; 1910 Abschied vom aktiven Militärdienst; Heirat; Aufenthalt in St. Moritz, dort Bobfahrer (zahlreiche Preise hierfür); zwei längere Aufenthalte in England; 1914-18 als Offiziert im Ersten Weltkrieg; nach 1918 in Stockholm, dort Akt- und Portraitzeichnen bei Karl Wilhelmson; 1920-22 Unterricht an der Zeichenschule von Josef Andreas Sailer (München); 1922-24 Studium an der Kunstakademie München (bei Peter von Halm); 1924-25 Aufenthalt in Italien; zweite Heirat; 1926-36 in München als Porträtist tätig; Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft; 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1935 Beteiligung an der „Ausstellung der Stadt Freiburg i.Br.“ (Augustinermuseum Freiburg); 1936 Übersiedlung nach Berlin, dort Anatomiezeichnen bei Wilhelm Tank; 1937 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg); 1943 Ausbombung des Berliner Ateliers; dritte Heirat; 1944-46 Aufenthalt in Kärnten und in Gastein; 1947-53 Aufenthalt in Schweden, dort zuerst als Gärtner, dann als Porträtist tätig; Gründung einer Malschule; 1953 Rückkehr nach München; Besuch eines Lithographiekurses an der Kunstakademie Stuttgart (bei Erich Mönch); 1978 Seerosenpreis der Stadt München; 1984 Bundesverdienstkreuz

Literatur
HILLERN-FLINSCH, Wilhelm v. (1983): Wilhelm von Hillern-Flinsch; Liebl; München
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 491
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Die Sammlung Joseph Hierling. Expressiver Realismus [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 145