W I L H E L M   H E M P F I N G

 

 

Weitere Werke von Wilhelm Hempfing
Zum Themenflyer ‚Erdsegen‘

 

 

 

Sommerliche Kornernte, womöglich auf/bei Hiddensee

Öl auf Leinwand, (erneuerter) Keilrahmen, individuell gerahmt
u.l. in Rotbraun datiert „1934“

u.l. in Rotbraun signiert „Hempfing“

€ 3.500,-

 

 

 

 

Grösse
Rahmengrösse: 106x89cm
Leinwandgrösse: 90,5×76,4cm

Titel
sommerliche Kornernte (womöglich) auf/bei Hiddensee – Es zeigen sich deutliche Ähnlichkeiten zum Gemälde „Ernte auf Hiddensee“ (Abb. in dem Ausstellungskatalog „Der Deutsche und seine Heimat. Sommerausstellung“ (Mai-Oktober 1934, München, S. 55) [eine Abb. der Katalogseite findet sich am Ende der Artikelbeschreibung]); verso auf Keilrahmen u.l. auf kariertem Papier von fremder Hand in blauem Kugelschreiber bez. „Erntebild“

Zustand
partiell leicht beschmutzt; der individuell gearbeitete Rahmen hat an manchen Stellen leichte Abriebe und Abplatzer (im oberen Bereich etwas mehr), sowie leicht beschmutzt; auf Keilrahmen verso u.l. von fremder Hand in blauem Kugelschreiber bez. kariertes Papier „Hempfing / Erntebild / 2000,- / 1.1.[19]67“

 

 

Herzlichen Dank an Herrn Norbert Krämer (Schönau (Odw.)) für freundliche Hinweise zur Lokalisierung des Werks!

 

 

Zeit seines Lebens war Wilhelm Hempfing häufig auf Reisen und hielt dabei seine Eindrücke auch immer zeichnerisch und malerisch fest. Neben Reisen nach u.a. Spanien, in die Schweiz, Afrika, Kleinasien, Italien, in den Balkan, waren es vor allem die verschiedenen Regionen Deutschlands, die ihn begeisterten und anzogen. Insbesondere in den 1930er Jahren war Hempfing immer wieder an der Ostsee und fand hier Motive für seine Kunst. Und möglicherweise zeigt dieses auf 1934 datierte Gemälde eine Landschaft, die Hempfing auf Hiddensee fand und welche ihn dann zum malerischen Festhalten dieses Eindrucks bewegte.
Dem Betrachter wird ein weitläufiger Blick in eine spätsommerliche Landschaft präsentiert. Aus dem Vordergrund zieht sich in einem leichten Bogen ein bereits bearbeitetes Kornfeld bis in den Hintergrund. Im Vordergrund wirken die einzelnen, detailliert und leicht pastos ausgeführten Halme beinahe greifbar, was die beeindruckende Tiefenwirkung des Bildes wunderschön unterstützt. Die aufgestellten Korngarben sollen dabei wohl in Kürze auch aufgeladen werden, wie das Feld im rechten Bildbereich vermuten lässt. Hier sind zwei Männer am Boden und zwei Frauen auf dem Heuwagen damit beschäftigt die letzten Garben gut zu befestigen, bevor die letzte Fuhre dieses Feldes eingebracht wird. Die weit nach links fallenden Schatten lassen an eine fortgeschrittene Tageszeit denken. Getrennt werden die beiden Felder durch einen hellbräunlichen Weg und zwei grüne Grasstreifen. Folgt das Auge dem Weg, so führt uns dieser vorbei an einem hohen Baum, der höchsten sichtbaren Erhebung des Bildes, und einer Windmühle bei der er sich schließlich unseren Augen entzieht. Die ganze Szenerie dieser Ernte findet unter einem heftig bewölkten Himmel statt. Im vorderen Bereich bricht noch das Blau durch, welches aber kurz darauf von Wolken verdeckt wird, die, je weiter der Blick nach hinten führt, in ihrem dichten Grau ein kommendes Unwetter andeuten.
Meisterhaft ausgeführte Landschaftskomposition von Wilhelm Hempfing!

 

 

Zu Wilhelm Hempfing (15.06.1886 Schönau b. Heidelberg – 06.06.1948 Karlsruhe):
Maler, Zeichner, Grafiker; Sohn von Gustav Hempfing (1852-1934), damaliger Direktor der Freudenbergschen Lederwerke in Schönau, und dessen Frau Julie, geb. Elsässer (1861-1935); Besuch der Oberrealschule in Heidelberg, in der das künstlerische Talent vom Zeichenlehrer Theodor Schindler erkannt wurde; 1904-08 Besuch der Karlsruher Kunstgewerbeschule (bei August Groh, Fridolin Dietsche, Otto Feist, Franz Weih) mit dem Ziel Lehrer zu werden; Frühjahr 1908 Zeichenlehrerexamen mit Auszeichnung; kurzzeitig folgten Anstellungen im Schuldienst in Tauberbischofsheim, Bühl, Ettlingen; ab Herbst 1908 bis 1913 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Friedrich Fehr, Waldemar Conz); zuletzt Meisterschüler Fehrs; im Sommer 1910 Studienreise in die Niederlande; im Herbst 1910 Aufenthalt auf Fehrs Landsitz bei Polling in Oberbayern; 1911 Aufenthalt in Oberitalien; 1912 erste Beteiligungen an Ausstellungen; 1913 Paris-Besuch und Aufenthalt in der Bretagne; 1914-18 Kriegsdienst (Ukraine und ab 1917 im Westen); ab 1919 Aufenthalte in Norddeutschland, wo er insbesondere Portraitaufträge ausführte; im Sommer 1923 Aufenthalt auf Sylt und dort fand Hempfing junge badende Frauen als eines seiner Hauptmotive; 1925-28 zahlreiche Studienreisen nach u.a. Spanien, in die Schweiz, Spanien, Afrika, Kleinasien, Italien, in den Balkan; den Sommer 1929 verbrachte er erneut auf Sylt; 1930 war er an der Ostsee (Rügen, Hiddensee); in den 1930er Jahren Mitglied der Künstlergruppe „Zunft zur Arche – Zunft Karlsruhe 1889“; 1935 erhielt er einen Staatsauftrag für das Rastatter Schloss, wonach er eine Kopie des Historienbildes „Markgraf Ludwig von Baden-Baden in der Schlacht bei Salankamen 1691“ von Ferdinand Keller (1878-79) anfertigen sollte; Sommer 1935 England-Aufenthalt; im Frühjahr 1936 im Schwarzwald tätig; 1936-37 Aufenthalt unweit von Königsberg an der samländischen Küste; im Dezember Übersiedlung von Eislingen nach Göppingen, wo er u.a. die Familie des Kunstauktionators Ketterer porträtierte; nach Kriegsende Umzug nach Karlsruhe; im Winter 1946 bezog er das ehemalige Atelier Ferdinand Kellers; Hempfing schuf v.a. Landschaftsansichten , Portraits und Aktdarstellungen

Literatur
KRÄMER, Norbert (2006) (Hrsg.): Wilhelm Hempfing. Der Figuren- und Landschaftsmaler aus Schönau im Odenwald; Kaden Verlag; Heidelberg
MÜLFARTH, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Badenia-Verlag; Karlsruhe; S. 174-175
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.) (1981): Kunst in Karlsruhe 1900-1950; C.F. Müller; Karlsruhe; S. 15

 

 

Aus: Ausstellungskatalog „Der Deutsche und seine Heimat. Sommerausstellung“ [Mai-Oktober 1934 im Palais Carl Theodor], München, S. 55