W I L H E L M   H E M P F I N G

 

Weitere Werke von Wilhelm Hempfing

 

wilhelm-hempfing-wohl-mühle-im-odenwald

 

Darstellung einer Mühle in einem Wald

Öl auf festem, strukturiertem Malkarton; gerahmt
nicht datiert, (wohl) um 1904-10

Rahmengrösse: 47,5×41,5cm
Kartongrösse: 40x34cm

u.r. geritzt signiert „WHempfing“
nicht betitelt

reserviert

 

 

               

 

Zustand
insgesamt etwas beschmutzt; dunkler Malgrund scheint etwas durch (am deutlichsten im Bereich des Himmels); verso an den Rändern umlaufend (aufgrund früherer Befestigung mit Klebeband) etwas aufgeraut; verso o.r. in Blei nummer. „54“[?]; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, an wenigen Stellen leicht bestoßen)

 

 

Wilhelm Hempfing zeigte bereits in seiner Schulzeit eine künstlerische Begabung, welche dann von Theodor Schindler, seinem damaligen Zeichenlehrer an der Oberrealschule in Heidelberg, auch erkannt wurde. Dem Wunsch seines Vaters entsprechend besuchte er darauf die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, um sich zum Kunsterzieher ausbilden zu lassen. In dieser Zeit belegte er neben der Zeichenklasse bei August Groh und dem Modellierunterricht bei Fridolin Dietsche und Otto Feist auch einen Malkurs bei Franz Weih. Nach seinem Zeichenlehrerexamen im Frühjahr 1908 war Hempfing nur wenige Monate als Lehrer tätig, bevor er dann im Herbst 1908 sein eigentliches Kunststudium an der Karlsruher Akademie begann. Friedrich Fehr, dessen Meisterschüler er später war, wurde für ihn zu einem prägenden Lehrer (vgl. hierzu: Fritz Wilkendorf (2006): o.T., in: Norbert Krämer (2006) (Hrsg.): Wilhelm Hempfing. Der Figuren- und Landschaftsmaler aus Schönau im Odenwald; Kaden Verlag; Heidelberg; 9).
Das vorliegende Gemälde wird in diese frühe Schaffensphase Hempfings einzuordnen sein und entstand wohl noch vor oder wenige Jahre nach dem Studienbeginn in Karlsruhe. Neben dem Malstil verweist hierauf ebenso die Signatur, welche hier noch mit dem Kürzel des Vornamens (‚W‘) beginnt, das dann in den Nachnamen übergeht. In späteren Arbeiten signierte der Künstler dagegen ausschließlich mit „Hempfing“.
Als Betrachter blicken wir auf eine zentral im Bild angeordnete, nicht näher lokalisierte Mühle, welche zu beiden Seiten von Bäumen eingerahmt wird. Die blätterlosen Laubbäume lassen jahreszeitlich an eine Einordnung in den Herbst bzw. Winter denken. Gerade in den Partien der Nadelbäume rechts, sowie in den vorderen Grasbereichen erkennt man bereits die kurzen, schnellen, aber doch auch schon sicheren Pinselstriche Hempfings, die sich in späteren Werken wiederfinden.

 

 

Zu Wilhelm Hempfing (15.06.1886 Schönau b. Heidelberg – 06.06.1948 Karlsruhe):
Maler, Zeichner, Grafiker; Sohn von Gustav Hempfing (1852-1934), damaliger Direktor der Freudenbergschen Lederwerke in Schönau, und dessen Frau Julie, geb. Elsässer (1861-1935); Besuch der Oberrealschule in Heidelberg, in der das künstlerische Talent vom Zeichenlehrer Theodor Schindler erkannt wurde; 1904-08 Besuch der Karlsruher Kunstgewerbeschule (bei August Groh, Fridolin Dietsche, Otto Feist, Franz Weih) mit dem Ziel Lehrer zu werden; Frühjahr 1908 Zeichenlehrerexamen mit Auszeichnung; kurzzeitig folgten Anstellungen im Schuldienst in Tauberbischofsheim, Bühl, Ettlingen; ab Herbst 1908 bis 1913 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Friedrich Fehr, Waldemar Conz); zuletzt Meisterschüler Fehrs; im Sommer 1910 Studienreise in die Niederlande; im Herbst 1910 Aufenthalt auf Fehrs Landsitz bei Polling in Oberbayern; 1911 Aufenthalt in Oberitalien; 1912 erste Beteiligungen an Ausstellungen; 1913 Paris-Besuch und Aufenthalt in der Bretagne; 1914-18 Kriegsdienst (Ukraine und ab 1917 im Westen); ab 1919 Aufenthalte in Norddeutschland, wo er insbesondere Portraitaufträge ausführte; im Sommer 1923 Aufenthalt auf Sylt und dort fand Hempfing junge badende Frauen als eines seiner Hauptmotive; 1925-28 zahlreiche Studienreisen nach u.a. Spanien, in die Schweiz, Spanien, Afrika, Kleinasien, Italien, in den Balkan; den Sommer 1929 verbrachte er erneut auf Sylt; 1930 war er an der Ostsee (Rügen, Hiddensee); in den 1930er Jahren Mitglied der Künstlergruppe „Zunft zur Arche – Zunft Karlsruhe 1889“; 1935 erhielt er einen Staatsauftrag für das Rastatter Schloss, wonach er eine Kopie des Historienbildes „Markgraf Ludwig von Baden-Baden in der Schlacht bei Salankamen 1691“ von Ferdinand Keller (1878-79) anfertigen sollte; Sommer 1935 England-Aufenthalt; im Frühjahr 1936 im Schwarzwald tätig; 1936-37 Aufenthalt unweit von Königsberg an der samländischen Küste; im Dezember Übersiedlung von Eislingen nach Göppingen, wo er u.a. die Familie des Kunstauktionators Ketterer porträtierte; nach Kriegsende Umzug nach Karlsruhe; im Winter 1946 bezog er das ehemalige Atelier Ferdinand Kellers; Hempfing schuf v.a. Landschaftsansichten , Portraits und Aktdarstellungen

Literatur
KRÄMER, Norbert (2006) (Hrsg.): Wilhelm Hempfing. Der Figuren- und Landschaftsmaler aus Schönau im Odenwald; Kaden Verlag; Heidelberg
MÜLFARTH, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Badenia-Verlag; Karlsruhe; S. 174-175
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.) (1981): Kunst in Karlsruhe 1900-1950; C.F. Müller; Karlsruhe; S. 15