T H E O D O R   Z E L L E R

 

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Theodor Zeller: Stillleben

 

Stillleben mit roten Tulpen, blauem Tuch und Obst

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
u.l. in Rot datiert „1926“

Rahmengrösse: 71,5x87cm
Leinwandgrösse: 58,5x75cm

u.l. in Rot monogrammiert, sowie verso auf Keilrahmen u.l. auf aufgeklebtem Zettel maschinenschriftl. mit Künstlernamen bez.
nicht betitelt

€ 1.400,-

 

 

                    

 

Zustand
partiell sehr leicht fleckig; im Bereich der Blumen mitunter leichte Craquelé-Bildung; Rahmen mit Gebrauchsspuren (etwas berieben, partiell kleine, leichte Abplatzer)

 

 

Dem Wunsch seiner Mutter Magdalena entsprechend sollte Theodor Zeller Priester werden. Während seiner Gymnasialzeit, in der er im Konvikt in Ehingen lebt, erfährt er 1921-22 eine seelische Krise und zweifelt stark an seiner Berufug zum Priester. Dennoch beginnt er 1922 ein Studium der Theologie in Tübingen, wechselt nach zwei Semestern aber nach Freiburg, um dort philosophische Vorlesungen von u.a. Heidegger und Husserl zu besuchen. Zwei weitere Semester kann er dank eines Stipendiums in München Theologie studieren und während dieser Zeit kommt er auch dezidiert mit der Kunst in Berührung.
„Durch Freunde kommt Zeller in Kontakt mit dem Schwabinger Künstlermilieu und will sich in die Kunstakademie einschreiben lassen. Die für die Aufnahme vorgelegte Bildmappe ist jedoch nicht ausreichend, Zeller wird abgelehnt. Daraufhin reicht er ein Aufnahmegesuch bei der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe ein, wird dort angenommen, doch Zeller tritt nicht an, kehrt nach Freiburg zurück, bricht das Theologiestudium ab und wendet sich endgültig der Malerei zu. Sein erster Lehrer in Kunst wird der an der Universität lehrende Hans Lemke, bei dem er sich die Grundkenntnisse im Aktzeichnen erwirbt“ (Manfred Schill (2000): Theodor Zeller. 1900-1986 Maler und Visionär; Denzlingen; S. 5).
Das vorliegende auf 1926 datierte Gemälde entstand in dieser beschriebenen frühen Schaffensphase des so eigenwilligen Künstlers.
Auf einer hellbraunen Unterlage steht ein Krug mit einem Strauß roter Tulpen. Vor dem Krug liegt ein hingeworfenens blaues Tuch, bei dem zwei Obststücke liegen, die sich vielleicht als Orangen oder Äpfel erkennen lassen. Der Hintergrund erscheint farblich wie vertikal halbiert – die linke Seite liegt in einem dunklen Braunton, wogegen die rechte Seite sich in einem deutlich helleren Grünschimmer zeigt. Bis auf das Grün der Blätter und das Rot der Blüten ist die Ölfarbe nur sehr leicht aufgetragen, so dass der Malgrund immer wieder durchschimmert. Man mag sich hieran womöglich die Hast und vielleicht auch die (innere) Unruhe vorstellen, mit der Zeller dieses Stillleben malte. Feine Detaillierungen finden sich nicht, stattdessen sind es schnelle, mitunter breite Pinselstriche aus denen das Arrangement entsteht. Neben dieser dezidiert expressionistischen Komponente, lassen sich bei der Führung des von links einfallenden Lichts und der Schattensetzung auch Einflüsse des Impressionismus erkennen.
Von einem weiteren Stillleben aus dieser frühen Schaffensphase ist folgende, für Zeller bedeutsame Episode übermittelt: „Zeller wohnt in dieser Zeit [d.h. um 1926] in der Scheffelstraße bei der Witwe Pfaff in Pension, die ihn, nachdem ihre beiden Söhne im Krieg gefallen sind, wie einen Sohn umsorgt. Eines Tages bringt ‚Mütterle‘ Pfaff vom Münsterplatz einen Strauß Lilien mit nach Hause. Begeistert malt Zeller den Lilienstrauß in Öl auf Leinwand und trägt das Bild zu einem Bildereinrahmer in die Talstraße. Bankdirektor Keller sieht Zellers Bild, erkennt die künstlerische Qualität und kauft das Bild. Er läßt Zeller zu sich rufen und macht ihm den Vorschlag, für ein Jahr auf seine Kosten das Kunststudium in Paris oder Florenz fortzusetzen“ (ebd.).

 

 

Theodor Zeller (9.5.1900 Donzdorf – 3.12.1986 Freiburg i.B.):
Maler, Zeichner und Graphiker; geboren in Donzdorf (Kreis Göppingen); 1916 Besuch des königl.-württemberg. Gymnasiums in Ehingen; dem Wunsch der Mutter folgend soll er Priester werden; 1918 melden er und Schulkameraden sich ein halbes Jahr vor dem Abitur als Kriegsfreiwillige (Vereidigung am 28. Juli 1918); 1920-21 Nachholung des Abiturs und erneut ansässig im Konvikt in Ehingen; aufkommende Zweifel an geplanter Priesterlaufbahn; dennoch beginnt er 1922 mit dem Studium der Theologie, Philosophie und Geschichte in Tübingen; 1923 Wechsel an die Universität Freiburg (hört dort u.a. Vorlesungen von Heidegger und Husserl); durch ein Stipendium kann er zwei Semester in München Theologie studieren; über Freunde bekommt er Kontakt in Schwabinger Künstlerkreise und will sich in die Kunstakademie München einschreiben lassen, jedoch wird die vorgelegte Bildmappe abgelehnt; darauf stellt er einen Aufnahmeantrag an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe, der angenommen wird, den Zeller aber wiederum nicht antritt; erneut ansässig in Freiburg (bei Witwe Pfaff in der Scheffelstraße), Abbruch des Theologiestudiums und endgültige Zuwendung zur Malerei; erste künstlerische Unterweisung bei Hans Lemke; durch Zufall sieht der Direktor der Dresdner Bank in Freiburg Keller ein Stillleben Zellers, das er sofort kauft; 1927 Keller finanziert im Folgenden den einjährigen Studienaufenthalt Zellers in Florenz; in Florenz Bekanntschaft mit dem Verleger Dr. Theophil Herder-Dorneich aus Freiburg, sowie mit seiner späteren Frau, der jüdisch stämmigen Eva-Martina Gurschner aus Wien; 1928 Illustrationsaufträge von Verleger Herder-Dorneich für ein Meßbuch und Dantes Göttliche Komödie; 28.09.1928 Heirat; am Südsporn des Mauracher Berges in Denzlingen baut sich Zeller ein kleines Haus mit Atelier; fortan freischaffend tätig; 18.8.1929 Geburt des Sohnes Ambrosius-Johannes; 23.12.1931 Geburt der Tochter Veronika; immer wieder Spannungen zwischen dem Ehepaar (insbesondere aufgrund der wirtschaftlichen Notlage); 1933 finanziert Verleger Herder-Dorneich Zeller einen halbjährigen Italienaufenthalt; 1935 nach der postalisch zugestellten Aufforderung zur Zwangssterilisation verlässt Eva Zeller Denzlingen und reist über Paris, Marseille und Genua nach Rom; in Rom zunächst als Wirtschafterin an der Villa Massimo tätig; 1936 als sie jedoch per Unterschrift ihre arische Abstammung bestätigen soll, verweigert sie dies und kehrt nach Deutschland zurück, um ihre Kinder zu holen und erneut nach Rom zu reisen; 1937 wird Theodor Zeller aufgefordert der Reichskulturkammer beizutreten, was er verweigert; 1937 werden im Rahmen der Entartete-Kunst-Aktion zwei Werke Zellers beschlagnahmt; 1938 verkauft Zeller sein Haus an die Gemeinde Denzlingen und reist nach Rom zu Frau und Kindern; bis 1941 wohnhaft in einem Kloster der Kapuziner; 1941 müssen die Zellers die Klosterwohnung für einen italienischen Offizier räumen und ziehen um nach Gallicano nel´Lazio di Roma; 1941 meldet sich Zeller freiwillig zum Kriegsdienst; Zeller wird nach Berlin befehligt und soll in den Dienst der Reichskulturkammer treten; Zeller lehnt ab,wird aus der Wehrmacht ausgeschlossen und kehrt zur Familie zurück; erneuter Umzug nach Rom; dort Überwachung, mehrmalige Verhaftungen und Verhöre durch deutsche Agenten; die Lebensverhältnisse der Zellers verschlechtern sich zunehmend; die Bombenangriffe auf Rom zwingen die Familie zum Umzug nach Gallicano; es folgend dramatische Fluchtepisoden nach De l´Aquila am Gran Sasso, Perugia, Florenz; die Familie wird getrennt, Eva Zeller kommt mit beiden Kindern nach Oberbayern (Obereichhofen), während Theodor Zeller in Florenz als Dolmetscher und Angestellter bei einem deutschen Sanitätspark arbeitet; er gelangt in amerikanische Kriegsgefangenschaft aus der er 1946 in Bad Aibling entlassen wird; 1947 Umzug über mehrere Stationen in ein zerstörtes Haus in München; 1950 kehrt Zeller allein nach Denzlingen zurück, da sich die Familie weigert mit zu gehen; in Denzlingen neues Aufleben des Kontakts zu Verleger Herder-Dorneich; ab 1967 bildet sich ein Malkreis um Zeller; es folgen erste Ausstellungen in FReiburg und Denzlingen; 1973 wählt die „Union bildender Künstler Baden e.V.“ Zeller zu ihrem Präsidenten (bleibt dies jedoch aufgrund von Zerwürfnissen nicht lange); 1975 erster öffentlicher Auftrag den Chorraum der St.-Jakobus-Kirche auszumalen; 1979 Ausmalung der St.-Michaelis-Kirche; am 09. Mai 2000 wurde zum 100. Geburtstag eine Gedenktafel an Theodor Zellers Haus angebracht

Literatur
SCHILL, Manfred (2000): Theodor Zeller. 1900-1986 Maler und Visionär; Denzlingen