T H E O D O R   Z E L L E R

 

Weitere Werke von Theodor Zeller
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Mariä Verkündigung

Eitempera auf Hartfaserplatte, gerahmt [(wohl) Originalrahmen];
o.r. in Schwarz datiert „1957“

Rahmengrösse: 137,5x143cm
Plattengrösse: 124x130cm

o.r. in Schwarz monogrammiert „Th. Z.“
nicht betitelt

€ 2.600,-

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Zustand
insgesamt leicht staubig; verso etwas berieben, fleckig und leicht beschmutzt; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben an Ecken/Kanten, leicht beschmutzt)

 

 

                              

 

 

Theodor Zeller wuchs in einem strenggläubigen katholischen Elternhaus auf. „Theodor war der Jüngste in der Familie und von der Mutter früh schon zum geistlichen Stand bestimmt, waren doch sechs Brüder von zwölf Geschwistern aus ihrer Familie in den Benediktinerorden eingetreten“ (Manfred Schill (2000): Theodor Zeller. 1900-1986 Maler und Visionär; Denzlingen; S. 21f.). Der Wunsch Priester zu werden geriet durch die Kriegswochen, die er als Freiwilliger 1918 in Frankreich erlebte, ins Wanken. Nichtsdestotrotz studierte er ab 1922 in Tübingen, Freiburg und München neben Philosophie und mittelalterlicher Geschichte auch Theologie.
Neben den im Krieg erlebten „[Bildern] der Hölle, die ihn ein Leben lang verfolgen werden“ (ebd.; S. 22), dem Einfluss der Philosophie Heideggers, welche er in Vorlesungen in Freiburg hörte, war es sicherlich auch der Kontakt zur Schwabinger Künstlerszene, was in ihm den Entschluss wachsen ließ das Theologiestudium aufzugeben, um sich der Kunst zu widmen. „Seine Mutter hat ihm diesen Schritt nie verziehen, noch auf dem Sterbebett verweigerte sie ihm die Hand zur Versöhnung“ (ebd.; S. 23).
Wie Theodor Zeller selbst sagte war diese Studienzeit und hierbei insbesondere das Studium der Theologie keinesfalls vergeudete Zeit: „Vor allem bin ich auch sehr froh, daß ich auch diese Studien betrieben habe, und fast wie alles in meinem Leben habe ich alles ganz oder gar nicht gemacht. Dieses Studium hat mich später vor intellektuellen Irrtümern bewahrt […]“ (zitiert nach ebd.; S. 47). Nicht zuletzt zeigt sich die Bedeutung der christlichen Religion für den Künstler darin, dass die christlich sakrale Kunst einen essenziellen und bedeutenden Teil in seinem gesamten Schaffen einnimmt.
Das vorliegende, großformatige Werk entstand 1957 und damit im siebten Jahr nach seiner allein erfolgten Rückkehr nach Denzlingen. Alleine deswegen, da seine Frau mit den beiden Kindern nicht aus München fort wollte und stattdessen in der bayerischen Landeshauptstadt blieb.
Zeller greift hier den für die Kunstgeschichte überaus fruchtbaren Topos der Verkündigung Mariens auf. Beginnend bei der Antike bis in die Gegenwart wurde diese Episode aus dem Lukasevangelium (1,26-38) immer wieder bildnerisch umgesetzt und interpretiert.
Theodor Zeller hatte 1957 bereits zu seinem ganz eigenen Stil gefunden, so dass es ihm gelingt diese neutestamentliche Szenerie mit dem Engel Gabriel und Maria auf eine überaus unkonventionelle Weise umzusetzen. Maria und Gabriel teilen sich das Bild beinahe zur Hälfte. Doch der von Gott gesandte Engel greift im oberen Bereich mit seinen Händen zu Maria, die wiederum ihren Kopf, entrückt wie gleichsam auch verrenkt, zur Seite neigt. Ein zartes Lächeln umspielt ihren Mund und ihre Augen scheinen verklärt ins Leere zu schauen. Ohne Zweifel ist dies der Moment in dem Gabriel die Botschaft des Herrn verkündet.
Blickt man zum unteren Bildbereich, so sitzt Maria wie in Meditation da und ihre Hände ruhen wie leblos in ihrem Schoß. Dagegen ist Gabriel die volle Vitalität und die Bewegung hebt gar das Gewand um sein rechtes Bein etwas an. Diese innerbildliche Spannung aus Ruhe und Erregung, aus Kontemplation und Ekstase wird durch die Farbwahl und deren Ausführung nochmals verstärkt. Während Gabriel sich in einem vornehmlich rötlich-goldenen Kolorit zeigt, ist Maria in ihrem blauweißen Gewand wie erstarrt. Zudem ist auch die Strichführung bei Maria ruhiger, und Zeller malte hier mit weniger aber dafür längeren, vornehmlich vertikal verlaufenden Pinselzügen. Bei Gabriel ist die Hauptausrichtung horizontal und mitunter auch leicht geneigt. Zudem gibt es immer wieder auch kleine, kurze Farbtupfer, welche die Dynamik, das Unstete des Moments unterstreichen und den Engel als beinahe schon tanzend erscheinen lassen.
Überaus eigenständige sakrale Malerei und zudem eine herausragende Komposition Theodor Zellers!

 

 

Theodor Zeller (9.5.1900 Donzdorf – 3.12.1986 Freiburg i.B.):
Maler, Zeichner und Graphiker; geboren in Donzdorf (Kreis Göppingen); 1916 Besuch des königl.-württemberg. Gymnasiums in Ehingen; dem Wunsch der Mutter folgend soll er Priester werden; 1918 melden er und Schulkameraden sich ein halbes Jahr vor dem Abitur als Kriegsfreiwillige (Vereidigung am 28. Juli 1918); 1920-21 Nachholung des Abiturs und erneut ansässig im Konvikt in Ehingen; aufkommende Zweifel an geplanter Priesterlaufbahn; dennoch beginnt er 1922 mit dem Studium der Theologie, Philosophie und Geschichte in Tübingen; 1923 Wechsel an die Universität Freiburg (hört dort u.a. Vorlesungen von Heidegger und Husserl); durch ein Stipendium kann er zwei Semester in München Theologie studieren; über Freunde bekommt er Kontakt in Schwabinger Künstlerkreise und will sich in die Kunstakademie München einschreiben lassen, jedoch wird die vorgelegte Bildmappe abgelehnt; darauf stellt er einen Aufnahmeantrag an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe, der angenommen wird, den Zeller aber wiederum nicht antritt; erneut ansässig in Freiburg (bei Witwe Pfaff in der Scheffelstraße), Abbruch des Theologiestudiums und endgültige Zuwendung zur Malerei; erste künstlerische Unterweisung bei Hans Lemke; durch Zufall sieht der Direktor der Dresdner Bank in Freiburg Keller ein Stillleben Zellers, das er sofort kauft; 1927 Keller finanziert im Folgenden den einjährigen Studienaufenthalt Zellers in Florenz; in Florenz Bekanntschaft mit dem Verleger Dr. Theophil Herder-Dorneich aus Freiburg, sowie mit seiner späteren Frau, der jüdisch stämmigen Eva-Martina Gurschner aus Wien; 1928 Illustrationsaufträge von Verleger Herder-Dorneich für ein Meßbuch und Dantes Göttliche Komödie; 28.09.1928 Heirat; am Südsporn des Mauracher Berges in Denzlingen baut sich Zeller ein kleines Haus mit Atelier; fortan freischaffend tätig; 18.8.1929 Geburt des Sohnes Ambrosius-Johannes; 23.12.1931 Geburt der Tochter Veronika; immer wieder Spannungen zwischen dem Ehepaar (insbesondere aufgrund der wirtschaftlichen Notlage); 1933 finanziert Verleger Herder-Dorneich Zeller einen halbjährigen Italienaufenthalt; 1935 nach der postalisch zugestellten Aufforderung zur Zwangssterilisation verlässt Eva Zeller Denzlingen und reist über Paris, Marseille und Genua nach Rom; in Rom zunächst als Wirtschafterin an der Villa Massimo tätig; 1936 als sie jedoch per Unterschrift ihre arische Abstammung bestätigen soll, verweigert sie dies und kehrt nach Deutschland zurück, um ihre Kinder zu holen und erneut nach Rom zu reisen; 1937 wird Theodor Zeller aufgefordert der Reichskulturkammer beizutreten, was er verweigert; 1937 werden im Rahmen der Entartete-Kunst-Aktion zwei Werke Zellers beschlagnahmt; 1938 verkauft Zeller sein Haus an die Gemeinde Denzlingen und reist nach Rom zu Frau und Kindern; bis 1941 wohnhaft in einem Kloster der Kapuziner; 1941 müssen die Zellers die Klosterwohnung für einen italienischen Offizier räumen und ziehen um nach Gallicano nel´Lazio di Roma; 1941 meldet sich Zeller freiwillig zum Kriegsdienst; Zeller wird nach Berlin befehligt und soll in den Dienst der Reichskulturkammer treten; Zeller lehnt ab,wird aus der Wehrmacht ausgeschlossen und kehrt zur Familie zurück; erneuter Umzug nach Rom; dort Überwachung, mehrmalige Verhaftungen und Verhöre durch deutsche Agenten; die Lebensverhältnisse der Zellers verschlechtern sich zunehmend; die Bombenangriffe auf Rom zwingen die Familie zum Umzug nach Gallicano; es folgend dramatische Fluchtepisoden nach De l´Aquila am Gran Sasso, Perugia, Florenz; die Familie wird getrennt, Eva Zeller kommt mit beiden Kindern nach Oberbayern (Obereichhofen), während Theodor Zeller in Florenz als Dolmetscher und Angestellter bei einem deutschen Sanitätspark arbeitet; er gelangt in amerikanische Kriegsgefangenschaft aus der er 1946 in Bad Aibling entlassen wird; 1947 Umzug über mehrere Stationen in ein zerstörtes Haus in München; 1950 kehrt Zeller allein nach Denzlingen zurück, da sich die Familie weigert mit zu gehen; in Denzlingen neues Aufleben des Kontakts zu Verleger Herder-Dorneich; ab 1967 bildet sich ein Malkreis um Zeller; es folgen erste Ausstellungen in FReiburg und Denzlingen; 1973 wählt die „Union bildender Künstler Baden e.V.“ Zeller zu ihrem Präsidenten (bleibt dies jedoch aufgrund von Zerwürfnissen nicht lange); 1975 erster öffentlicher Auftrag den Chorraum der St.-Jakobus-Kirche auszumalen; 1979 Ausmalung der St.-Michaelis-Kirche; am 09. Mai 2000 wurde zum 100. Geburtstag eine Gedenktafel an Theodor Zellers Haus angebracht

Literatur
SCHILL, Manfred (2000): Theodor Zeller. 1900-1986 Maler und Visionär; Denzlingen