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Richard Sprick: wohl Porträt Heinrich Georges in der Rolle von Shakespeares König Heinrich VIII. (Galeriebild groß)

 

Weitere Werke von Richard Sprick
Zur Rezension „Der Maler Richard Sprick (1901-1976)“

 

Richard Sprick: wohl Porträt Heinrich Georges in der Rolle von Shakespeares König Heinrich VIII.

 

Wohl Porträt Heinrich Georges in der Rolle von Shakespeares König Heinrich VIII.

Öl auf Leinwand, Keilrahmen
o.l. datiert „[19]50“

Grösse: 90x100cm

o.l. signiert „Rich. Sprick”
nicht betitelt

€ 3.200,-

 

 

 

 

                     

 

Zustand
insgesamt etwas beschmutzt; im linken oberen Bildbereich leichte Verluste der Farbschicht; Leinwandränder etwas berieben; Leinwand etwas an Spannkraft nachlassend; im Bereich o.r. leichtere kleine Druckstellen; verso Leinwand o.r. an kleiner Stelle hinterlegt (recto keine Beschädigung sichtbar); verso am Keilrahmen oben kleiner aufgeklebter Ausschnitt aus Künstlerlexikon zu Richard Sprick, sowie daneben kleiner (Zeitungs-?)Ausschnitt zu Heinrich George und dessen Rolle als Franz Biberkopf in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“

 

 

Neben der Landschaftsmalerei ist es insbesondere das menschliche Porträt, welches im künstlerischen Schaffen Richard Spricks einen exponierten Platz einnimmt. Durch sein ganzes Wirken hindurch malte er immer wieder Bildnisse und versuchte das Hintergründige, das Innere der jeweiligen Person malerisch fassbar bzw. erfahrbar zu machen. Die hohe Qualität, welche sich Sprick auf diesem Gebiet aneignete, sorgte zugleich auch für zahlreiche in Auftrag gegebene Porträts von Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik, wie bspw. Ferdinand Porsche (1875-1951), Prof. Hermann Höpker-Ashoff (1883-1954, Präsident des Bundesverfassungsgerichts), Prof. Theodor Heuss (1884-1963), Fritz Steinhoff (1897-1969, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen). Zu dem enormen Umfang der Porträtgemälde schreibt Karen Kestermann, Tochter des Künstlers: „1953 erschien in Lippe ein Pressebericht mit der Schlagzeile ‚Wohl an 1.000 Porträts malte ich‘. Das war 14 Jahre vor seinem Tod und [nach] diesem Bericht sind noch etliche hinzugekommen“ (zitiert nach: Stefan Wiesekopsieker (2012): Richard Sprick (1901-1976) Stationen eines Künstlerlebens, in: Scheef, Vera/Wiesekopsieker, Stefan: „Was ich zu sagen habe, hängt an den Wänden“. Der Maler Richard Sprick (1901-1976) [Bad Salzufler Lebensbilder 1]; Bad Salzuflen; S. 17). Vornehmlich malte Sprick die Bildnisse in Gegenwart des jeweils zu Porträtierenden, um diese möglichst lebendig einzufangen (vgl. ebd.). Doch daneben gab es auch durchaus Arbeiten, bei denen die gewünschten Modelle nicht mehr bzw. nicht so einfach in sein Atelier zu holen waren, so dass er sie, wie beispielsweise geschehen bei der Schauspielerin Tilla Durieux (1880-1971), „vom Fernseher abgemalt [hatte]“ (Sabine Vogt: Künstler als „flotter Zeichenlehrer“, in: WAZ (v. 29.04.2013). Dies dürfte auch bei dem vorliegenden Gemälde der Fall gewesen sein.
In diesem großformatigen Porträt zeigt sich dem Betrachter die Titelfigur des Shakespeare‘schen Dramas „Heinrich VIII.“ und möglicherweise ist es Heinrich George (1893-1946), der hier in die Rolle des englischen Königs schlüpfte. In einem 1954 entstandenen Gemälde porträtierte Sprick ebenso postum George (am 19. Okt. 2013 ausgerufen bei: Auktionshaus Peter Karbstein, Düsseldorf, 117. Kunstauktion, Los 105), so dass dadurch der rückseitig aufgeklebte Hinweis auf Heinrich George (in der Rolle des „Franz Biberkopf“) bestärkt werden kann.
In einem gelbgoldenen Gewand präsentiert sich der beim Papst in Ungnade gefallene König. Der edle, faltenreiche und mit Schmuck verzierte Stoff nimmt dabei den Großteil der Fläche ein und verweist damit auf die körperliche Fülle des Dargestellten. Die durchaus speckigen, mit Ringen verzierten Hände liegen auf den Lehnen seines Stuhls, hinter dem quasi als Attribute Heinrichs VIII. das Wappen Englands mit den schreitenden Löwen (heraldisch: Leoparden), sowie in Teilen der Leitspruch „Honny soit qui mal y pense“ (‚Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt‘ bzw. ‚Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.‘) dargestellt sind. Obgleich der Körper auf den Betrachter gerichtet ist, weist doch der Blick, ebenso wie eine leichte Kopfneigung, zur linken Bildseite hin. Auf wen oder auf was der genügsame, vielleicht auch gnädige, mit einem sanften Lächeln umspielte Blick sich richtet bleibt unklar.
In seiner ganz eigenen expressiv-realistischen Manier gelingt es Richard Sprick eine bestechende Lebendigkeit und Nähe des Dargestellten zu erzeugen, durch welche die Brillanz des Künstlers als Porträtmaler eindrucksvoll sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Zu Richard Sprick (03.01.1901 Herford – 26.01.1968 Bad Salzuflen):
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Sohn einer Bauernfamilie; 1919-21 Besuch der Kunstgewerbeschule Bielefeld (bei Ludwig Godewols); 1921-23 Besuch der Kunstakademie Kassel (bei Kurt Witte und Kai H. Nebel); Kunsterzieher-Examen; 1923-25 Berlin-Aufenthalt, hier Bekanntschaft u.a. mit Otto Dix; 1925-27 Aufenthalt in Worpswede bei Bernhard Hoetger; 1927-43 Kunsterzieher an der Goethe-Schule (Bochum) und freier Mitarbeiter für Dekorationsaufträge am Theater Bochum; es entstehen erste größere Portraitarbeiten; 1933 kurzfristige Verhaftung durch die Gestapo; 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ zwei Werke beschlagnahmt; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Westfalens Beitrag zur Deutschen Kunst der Gegenwart“ (Münster); 1937-38, 1940, 1942 Beteiligung an den „Großen Westfälischen Kunstausstellungen“ (Dortmund); 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“; 1943 Ausbombung mit Verlust zahlreicher Arbeiten; danach ansässig in Schötmar bei Bad Salzuflen; 1943-45 Kriegsdienst trotz Nachtblindheit (am Ende abkommandiert zur Beaufsichtigung gefangener russischer Soldaten); ab 1945 erneut zahlreiche Portraitaufträge (u.a. Theodor Heuss, Gustav Gründgens, Bischof Kettler); zahlreiche Reisen (u.a. in die Niederlande, nach Frankreich, Italien), auf denen stets Landschaftsansichten entstehen; seit 2010 befindet sich der Großteil des Nachlasses im Lippischen Landesmuseum (Detmold)

 

Literatur
DEPPING, Beate: Ein Wilder wird abgetupft, in: Westfälische Nachrichten (v. 06.01.2011)
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 518
PAPENBROCK, Martin/SAURE, Gabriele (Hrsg.) (2000): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen [Teil I. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit]; Weimar
PETER, August Wilhelm et al. (1982): Lippe, eine Heimat- und Landeskunde; Wagener; Lemgo; S. 351
SCHEEF, Vera / WIESEKOPSIEKER, Stefan: „Was ich zu sagen habe, hängt an den Wänden“. Der Maler Richard Sprick (1901-1976) [Bad Salzufler Lebensbilder 1]; Bad Salzuflen