R I C H A R D   S P R I C K

 

Weitere Werke von Richard Sprick
Zur Rezension „Der Maler Richard Sprick (1901-1976)“

 

Richard Sprick: Wohl Brustbild eines älteren Müllers

 

Wohl Brustbild eines älteren Müllers

Öl auf Holzplatte, gerahmt
u.l. in Schwarz datiert „[19]35“

Rahmengrösse: 101,7×82,2cm
Plattengrösse: 83,5×64,1cm

u.l. in Schwarz signiert „Rich. Sprick“
nicht betitelt

€ 1.400,-

 

                 

 

Zustand
durchgehend leicht fleckig; Platte verso (farb-)fleckig und etwas beschmutzt; Platte verso an den Rändern berieben und mit leichten Beschädigungen; Platte insgesamt sehr schwach gewellt; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (Ecken/Kanten etwas berieben, mitunter schwache Abplatzer)

 

 

Zeitlebens bereiste Richard Sprick verschiedene Länder und fand in den dortigen Landschaften und bei Menschen immer wieder Anregungen für spätere Bildmotive. So war er u.a. in Skandinavien, im Baltikum, in den Niederlanden, in Italien, Spanien, Griechenland und Frankreich (vgl. hierzu Vera Scheef (2012): Reiselust. Ausschnitte aus dem künstlerischen Werk von Richard Sprick (1901-1968), in: Scheef, Vera/Wiesekopsieker, Stefan: „Was ich zu sagen habe, hängt an den Wänden“. Der Maler Richard Sprick (1901-1976) [Bad Salzufler Lebensbilder 1]; Bad Salzuflen; S. 21-26).
„Doch es mussten nicht immer die großen Reisen ins Ausland sein, die Richard Sprick zur Schaffung neuer Kunstwerke inspirierten. In den 1930er Jahren genügten dazu schon Aufenthalte in der Künstlerkolonie Willingshausen in der Schwalm (Hessen), die auf Grund der wunderschönen Landschaft und reizvollen Bauerntrachten bereits vor ihm viele Künstler angezogen hatte. […] Schon damals war dieser [d.h. Richard Sprick] übrigens für seine schnelle Arbeitsweise bekannt, die auch später immer wieder bewundert wurde. So ist von einem ortsansässigen Müller, einem typischen Schwälmer, der wegen seines knorrigen Aussehens häufig Modell saß, das nachfolgende Bonmot überliefert: ‚Wann dä Bantzer ein Auge molt, hot dä Sprick des ganze Bild fertig‘“ (Stefan Wiesekopsieker (2012): Richard Sprick (1901-1976) Stationen eines Künstlerlebens, in: Scheef, Vera/Wiesekopsieker, Stefan: „Was ich zu sagen habe, hängt an den Wänden“. Der Maler Richard Sprick (1901-1976) [Bad Salzufler Lebensbilder 1]; Bad Salzuflen; S. 11).
Das vorliegende Gemälde aus dem Jahr 1935 dürfte das Bildnis eines Müllers zeigen und vielleicht ist es auch gerade jener gerade zitierte Schwälmer, den Sprick hier als Modell auswählte.
Die Backsteine an den beiden Bildrändern wirken wie eine innerbildliche Rahmensetzung und unterstützen zugleich die, durch das Schwarz des Innenraums ausgeführte, Tiefenwirkung. Zwischen beiden Backsteinbögen erblicken wir einen älteren Mann, dessen weiß-graue Arbeitskleidung ihn wohl als Müller ausweist. Er lehnt sich mit dem Rücken an den rechten Bogen und wendet dem Betrachter seine linke Seite zu. Die linke Hand hängt locker über den Bildrand hinaus nach unten, wogegen die rechte Hand zum Abstützen in den linken Backsteinbogen greift. Der Blick ist über den linken Bildrand hinaus gerichtet und es scheint als ob die Mimik eine innere Zufriedenheit ausdrückt. – Der Mund ist ganz leicht nach oben gezogen, um das erstaunlich jugendlich-frisch wirkende Auge zeigen sich dezente, sympathische (Lach-)Falten. Gut kann man sich vorstellen, dass Sprick den hier Porträtierten während einer Arbeitspause oder nach seinem Feierabend festhielt.
Wunderschöne, expressiv-realistische Porträtarbeit!

 

 

Zu Richard Sprick (03.01.1901 Herford – 26.01.1968 Bad Salzuflen):
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Sohn einer Bauernfamilie; 1919-21 Besuch der Kunstgewerbeschule Bielefeld (bei Ludwig Godewols); 1921-23 Besuch der Kunstakademie Kassel (bei Kurt Witte und Kai H. Nebel); Kunsterzieher-Examen; 1923-25 Berlin-Aufenthalt, hier Bekanntschaft u.a. mit Otto Dix; 1925-27 Aufenthalt in Worpswede bei Bernhard Hoetger; 1927-43 Kunsterzieher an der Goethe-Schule (Bochum) und freier Mitarbeiter für Dekorationsaufträge am Theater Bochum; es entstehen erste größere Portraitarbeiten; 1933 kurzfristige Verhaftung durch die Gestapo; 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ zwei Werke beschlagnahmt; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Westfalens Beitrag zur Deutschen Kunst der Gegenwart“ (Münster); 1937-38, 1940, 1942 Beteiligung an den „Großen Westfälischen Kunstausstellungen“ (Dortmund); 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“; 1943 Ausbombung mit Verlust zahlreicher Arbeiten; danach ansässig in Schötmar bei Bad Salzuflen; 1943-45 Kriegsdienst trotz Nachtblindheit (am Ende abkommandiert zur Beaufsichtigung gefangener russischer Soldaten); ab 1945 erneut zahlreiche Portraitaufträge (u.a. Theodor Heuss, Gustav Gründgens, Bischof Kettler); zahlreiche Reisen (u.a. in die Niederlande, nach Frankreich, Italien), auf denen stets Landschaftsansichten entstehen; seit 2010 befindet sich der Großteil des Nachlasses im Lippischen Landesmuseum (Detmold)

 

Literatur
DEPPING, Beate: Ein Wilder wird abgetupft, in: Westfälische Nachrichten (v. 06.01.2011)
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 518
PAPENBROCK, Martin/SAURE, Gabriele (Hrsg.) (2000): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen [Teil I. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit]; Weimar
PETER, August Wilhelm et al. (1982): Lippe, eine Heimat- und Landeskunde; Wagener; Lemgo; S. 351
SCHEEF, Vera / WIESEKOPSIEKER, Stefan: „Was ich zu sagen habe, hängt an den Wänden“. Der Maler Richard Sprick (1901-1976) [Bad Salzufler Lebensbilder 1]; Bad Salzuflen