P E T E R   L U D W I G S

 

Weitere Werke von Peter Ludwigs
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Peter Ludwigs: Erntebild mit drei Feldarbeitern (Galerie)

 

Erntebild mit drei Feldarbeitern

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
nicht datiert, (wohl) um 1928-33

u.r. signiert „Ludwigs“
nicht betitelt

€ 4.800,-

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Rahmengrösse: 83x99cm
Leinwandgrösse: 74x90cm

Zustand
partiell mitunter leicht fleckig; Ränder der Leinwand (rahmungsbedingt) mitunter etwas berieben; Leinwand verso etwas fleckig, sowie o.l. in weiß bez. „117/2“; Keilrahmen o.l. in Blei bez. „42368 Boonsche[?]“

 

 

                            

 

 

Das malerische Schaffen Peter Ludwigs lässt sich nach Stephan von Wiese in drei chronologisch aufeinanderfolgende Phasen gliedern. Hierzu heißt es bei von Wiese: „Das malerische Werk von Peter Ludwigs ist ein Paradigma für die Entwicklung des Realismus in den zwanziger und dreißiger Jahren in Deutschland. Es ist ein markantes Beispiel des Versuchs einer ‚proletarischen Kunst‘. Uneinheitlich im Stil und in der Thematik, ist es Reflex der Zeit. Das Werk beginnt auf der Ebene der ‚nachexpressionistischen‘ […] Schilderung der persönlichen Umwelt im Umkreis des Jungen Rheinland. Das subjektive künstlerische Erleben wird Anfang der dreißiger Jahre abgelöst von Bildern ‚allgemeinen‘ Inhalts – das Leben der Schiffer, das Leben der Bauern -, die die ‚heroische‘ Phase des Realismus verkörpern. Die Nazizeit führt dann zu Bildfiguren der Verzweiflung, die das zuvor geschaffene Werk wieder infrage stellen, sogar widerlegen“ (Stephan von Wiese (1982): Das malerische Werk von Peter Ludwigs. Ein Paradigma proletarischer Kunst in Deutschland, in: Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtmuseum (Hrsg.): Peter Ludwigs. Malerei Grafik Dokumente [Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf 17.11.1982 – 30.1.1983]; Düsseldorf: Heinrich Winterscheidt; S. 32-40 [hier: 32]).
Das vorliegende Erntebild ist mit seiner ruhigen Ausführung und dem erzählerischen Motiv in die zweite, die „heroische“ Phase einzuordnen, welche sich etwa mit dem Zeitraum 1928 bis 1933 umschreiben lässt (vgl. hierzu ebd.; S. 38f.).
Von der direkten, Missstände anprangernden, sozialkritischen Darstellungsweise der „nachexpressionistischen“ Phase ist ebenso wenig etwas zu spüren, wie von einer bildimmanenten Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit der beschriebenen dritten Phase. Ludwigs scheint es vielmehr darum zu gehen in diesem, weit in das Bild führenden Landschaftsausschnitt einen essenziellen Teil des bäuerlichen Lebens malerisch festzuhalten. Und ganz konkret soll der Lebensbereich der bäuerlichen Arbeit für den Betrachter in einem durchaus positiven Sinne vermittelt und spürbar gemacht werden.
Zwei Arbeiterinnen und ein Arbeiter sind von Ludwigs jeweils etwas versetzt im Bild angeordnet, wodurch die Bildtiefe nochmals unterstrichen wird. Jede der drei Figuren scheint, obgleich die anderen Beiden in unmittelbarer Nähe sind, ganz für sich zu stehen, scheint ganz in der eigenen Arbeit aufzugehen. Der Blick der Dreien ist jeweils nach Unten, auf den Ackerboden bzw. die Pflanzen gerichtet – es wird weder Notiz genommen von den Anderen, noch von dem sich am Himmel anbahnenden Unwetter und auch nicht von uns als Betrachter. Wobei Letzteres nochmals dadurch forciert wird, dass kein Gesicht zu erkennen ist und alle drei dem Betrachter entweder den Rücken zu wenden, oder diesem allenfalls in Dreiviertelposition gegenüberstehen, wie es bei der rechten Arbeiterin der Fall ist.
Neben dem Bildaufbau und der motivischen Umsetzung ist es die Farbgebung, welche den Blick fesselt. Durch die vornehmlich ruhigen, erdigen Töne, wird eine Zusammengehörigkeit von Landschaft, Personen und Tätigkeit vermittelt, welche die Zuordnung zur „heroischen“ Phase nochmals unterstützt. Einen ähnlichen Kontext greift Stephan von Wiese auf, wenn er bezüglich des Gemäldes „Treffen bei den Kühen“ (um 1932) schreibt: „Dieses unproblematische Einverständnis Mensch-Natur ist Ausdruck einer Malerei, die ‚volkstümlich‘ sein wollte […]“ (ebd.; S. 33).
Dass diese malerisch dargestellte ‚Volkstümlichkeit‘ im Späteren, d.h. ab etwa 1933-35, dann nicht nur bröckelt, sondern zerbricht, um zum Teil überaus bedrückende Bildwerke entstehen zu lassen, ist bei diesem Erntebild noch in keiner Weise erkenntlich. Allenfalls mag man in dem Bild das aufziehende Gewitter als eine symbolisch umgesetzte Ruhe vor dem Sturm lesen. Doch auch ohne diesen möglicherweise weit gefassten interpretativen Ausblick, hat dieses Gemälde eine beachtliche Eigenständigkeit und Eigenwertigkeit, welche sich dem Betrachter nicht nur in der malerischen Umsetzung, sondern vor allem auch im ganz unmittelbar berührenden, narrativen Element zeigen.

 

 

Peter Ludwigs (16.02.1888 Aachen – 02.07.1943 Düsseldorf):
Maler, Grafiker, Illustrator, Bildhauer; zweites Kind einer Aachener Fabrikantenfamilie; Besuch der Aachener Volksschule und des Gymnasiums; 1906-12 Studium der Bildhauerei an den Kunsthochschulen Aachen, Lüttich, Brüssel und Düsseldorf; ab 1911 in Düsseldorf ansässig; Heirat mit Antonie Willwohl; 1915-18 freiwilliger Militärdienst; nach dem Ersten Weltkrieg entstehen die ersten expressionistischen Bildhauerarbeiten; Mitglied des „Aktivistenbundes“; 1919 führendes Mitglied des „Jungen Rheinlands“; Beteiligung an verschiedenen Kollektivausstellungen bei Johanna Ey; 1922 Eintritt in die KPD; 1924 zusammen mit Gert H. Wollheim und Karl Schwesig Mitarbeit an der „Peitsche“; Beteiligung an der ersten proletarischen Ausstellung „Der Kampf“ (Düsseldorf); Beteiligung an der „Ersten Allgemeinen Kunstausstellung“ in Moskau; ab 1925 Fokussierung auf Malerei; 1926 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung“ (Düsseldorf); 1928 Mitbegründer der Rheinischen Sezession; 1929 Reise nach Südfrankreich; 1931 Schriftführer des Reichsverbandes Bildender Künstler (Düsseldorf); 1933 die von Ludwigs eingereichten Bilder für die Ausstellung „Westfront“ (Essen) werden abgelehnt und seitdem keine Ausstellungsbeteiligungen, obgleich Ludwigs Werke einreicht; 1937 dreimonatige Haft wegen ‚Vorbereitung zum Hochverrat‘; weiterhin künstlerisch tätig in der ‚inneren Emigration‘; 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ zwei Gemälde und vier Druckgrafiken Ludwigs aus den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf beschlagnahmt; 1938 Aufenthalt am Bodensee; 1942 Beteiligung an der illegalen Zeitschrift „Der Friedenskämpfer“ (Düsseldorf), sowie weitere Tätigkeiten im Widerstand; im Februar 1943 wird bei einer großen Verhaftungswelle gegen KPD und „Gruppe Niederrhein“ auch Ludwigs inhaftiert; am 02.07.1943 stirbt der zuckerkranke Ludwigs in der Ulmer Höhe; September 1946 zusammen mit Julo Levin und Franz Monjau wird Peter Ludwigs durch eine Ausstellung des „Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ (Düsseldorf) gewürdigt; 1946 vertreten bei der Ausstellung „Lebendiges Erbe“ (Hetjens Museum, Düsseldorf); 1953 vertreten bei der Ausstellung „25 Jahre Rheinische Sezession“ (Kunstverein Düsseldorf); 1984 vertreten bei der Ausstellung „Johanna Ey und ihr Künstlerkreis“ (Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf); 1985 vertreten bei der Ausstellung „Am Anfang: Das Junge Rheinland“ (Städtische Kunsthalle, Düsseldorf); 1987 vertreten bei der Ausstellung „Düsseldorfer Kunstszene 1933-1945“ (Stadtmuseum Düsseldorf); 1988 vertreten bei der Ausstellung „Das Junge Rheinland. Eine Friedensidee“ (Stadtmuseum Düsseldorf); Werke befinden sich im Stadtmuseum Düsseldorf, sowie im Museum Kunstpalast Düsseldorf

Literatur
Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtmuseum (1982) (Hrsg.): Peter Ludwigs. Malerei Grafik Dokumente [Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf 17.11.1982 – 30.1.1983]; Heinrich Winterscheidt; Düsseldorf
KOENIG, Wieland (1988) (Hrsg.): Das Junge Rheinland. Eine Friedensidee; Claassen; Düsseldorf; S. 173
PAPENBROCK, Martin (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945; VDG; Weimar; S. 492
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 412