P A U L A   W I M M E R

 

Weitere Werke von Paula Wimmer

 

 

„Für Papas Grab“

Bleistift auf dünnem, pergaminähnlichem Papier
nicht datiert, um 1900

Blattgrösse: 35,8×34,3cm

u.m. in blauem Farbstift monogr. „P.W.“, sowie o.l. nachträglich von der Künstlerin in blauem Kugelschreiber nchmals monogr.
u.r. in blauem Farbstift bez. „Für Papas Grab“

€ 90,-

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Zustand
insgesamt stärker lädiert; Blatt mit mittig zweifach (horizontal & vertikal) Knickspuren; Ecken/Ränder bestoßen; durchgehend Druckstellen und etwas fleckig (im oberen Bereich etwas stärker fleckig); Blattrand o.l. Einriss; rechter Blattrand oben & unten mit Einrissen; im Bereich o.r. farbfleckig

 

 

Paula Wimmer entstammte einer großbürgerlichen Familie und ihre Eltern unterstützten von Beginn an die künstlerischen Neigungen der Tochter (vgl. hierzu Elisabeth Boser (1994): Zum Werk von Paula Wimmer, in: Dachauer Galerien und Museen (Hrsg.): Paula Wimmer 1876-1971. „Ich spielte mit Farben Theater“; Freising: Sellier; S. 10-15 [hier: 10]).
Der Vater Karl Wimmer war Rechtsanwalt und Justizrat in München. Die Mutter Pauline, geborene Kanzler, verstarb kurze Zeit nach der Geburt Paula Wimmers und ihr Vater verheiratete sich darauf mit der sogenannten ‚Tante Anna‘. Obgleich das Todesdatum des Vaters nicht bekannt ist, so lässt sich dafür, anhand einer kurzen Autobiografie aus dem Jahr 1921, doch eine Datierung um bzw. kurz vor 1900 annehmen. Die betreffende Stelle in dieser Biografie lautet: „Nach dem Tod meines Vaters war ich mit meiner Mutter längere Zeit in Florenz und Rom, es war dies während meiner Studienzeit bei Becker-Gundahl“ (zit. nach ebd.). Diese Studienreisen nach u.a. Rom, Florenz, Venedig und Paris machte die Künstlerin zusammen mit ihrer Stiefmutter in den Jahren von 1900 bis 1910, so dass der Tod des Vaters spätestens im Jahr 1900 erfolgt haben kann.
Die vorliegende Zeichnung zeigt der Beschriftung entsprechend einen Strauß ‚für Papas Grab‘. Trotz der Beschädigungen ist das Blatt nicht nur eine künstlerisch schöne Arbeit, sondern auch ein biografisch interessantes, anrührendes Zeugnis der jungen Paula Wimmer.

 

 

Paula Wimmer (09.01.1876 München-Solln – 15.06.1971 Dachau):
Malerin, Zeichnerin, Grafikerin; Tochter des Justizrats und Anwalts Karl Wimmer und dessen Frau Pauline, geb. Kanzler; Tod der Mutter kurz nach der Geburt; Wiederverheiratung des Vaters mit ‚Tante Anna‘; um 1900 erste Ausbildung bei Carl Johann Becker-Gundahl an der Kunstakademie München; Bekanntschaft mit Franz von Stuck und Max Feldbauer; 1900-10 Studienreisen mit der Stiefmutter nach Rom, Florenz, Venedig, Paris; Freundschaft mit der Bildhauerin Marie Janssen; in Paris einige Monate Besuch der Privatschule der Nabis an der „Académie Ranson“; 1911 Rückkehr nach München und Besuch der privaten Malschule von Max Feldbauer; zusammen mit Feldbauer Reisen nach Griesbach und in die Bretagne; ab 1911 Beteiligung an den Kunstausstellungen der Juryfreien in München, sowie vertreten in der Galerie Thannhauser; 1914-16 zusammen mit der Stiefmutter Aufenthalt in Berlin und dort Bekanntschaft mit u.a. Paul Cassirer, Fritz Gurlitt, Paul Westheim, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler; 1916 Umzug nach Dachau; 1916 Beteiligung an der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast; 1918 Verleihung der österreichischen Silbernen Staatsmedaille für das Gemälde „Schleißheim“; 1919 Mitbegründerin der Künstlergruppe Dachau; weitere zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen u.a. im Münchner Glaspalast, sowie bei der Münchner Secession; 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1937 bei der Aktion „Entartete Kunst“ wird ein Werk beschlagnahmt; 1946 Neugründungsmitglied des Münchner Ortsverbandes der GEDOK; 1958 Beteiligung an der Ausstellung „Aufbruch in die Moderne“ (Haus der Kunst, München); um 1965 Aufenthalte in Wien und Regensburg; 1976 Ausstellung zum 100. Geburtstag der Künstlerin in der Kreis- und Stadtsparkasse Dachau

Literatur
Dachauer Galerien und Museen (1994): Paula Wimmer 1876-1971 [Katalog zur Ausstellung in der Gemäldegalerie Dachau 25.11.1994 bis 31.01.1995]; Freising: Sellier
HERES, Horst (1985): Dachauer Gemäldegalerie; Dachau: Bayerland; S. 288