O T T O   F R I E D R I C H   W E B E R

 

Weitere Werke von Otto Friedrich Weber

 

Otto Friedrich Weber: Korbträgerinnen

 

Zwei Korbträgerinnen und Fischer in mediteranner Küstenlandschaft

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
nicht datiert, (wohl) um 1930

u.r. signiert Otto F Weber
nicht betitelt

€ 1.200,-

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Rahmengrösse: 68x80cm
Leinwandgrösse: 61x73cm

Zustand
Gemälde wurde auf früherem, verworfenem Werk gemalt (von diesem sind an den Leinwandrändern mitunter noch Farbreste zu erkennen); mitunter Retuschen, welche wohl direkt vom Künstler durchgeführt wurden, da Grundierung auf dem verworfenen Gemälde nicht ausreichend hielt; partiell etwas beschmutzt; mitunter leichte Craquelé-Bildung; in den Bereichen u.l., u.m. und o.m. kleine hinterlegte, retuschierte Leinwandschäden; Keilrahmen verso o.l. etwas undeutlich bez. „Langenbeck Nr. 71“[?]; Leinwand verso etwas fleckig; Rahmen mitunter mit leichten Gebrauchsspuren

 

 

Um 1910 reiste Otto Friedrich Weber das erste Mal nach Paris und in dem folgenden Jahr, sowie im Jahr 1911 war er der einzige deutsche Künstler, der bei den Pariser Herbstsalons vertreten war. Zu dieser Zeit pflegte er in der französischen Hauptstadt regen Austausch mit anderen Künstlern. 1914 bereiste er Spanien, wobei der Ausbruch des Ersten Weltkriegs sich eben zu jener Zeit ereilte. Trotz einer Einberufung zum Kriegsdienst, blieb Weber in Spanien, heiratete Maria Elisabeth Prestel (1886-1965) und war bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland 1919 u.a. für spanische Zeitungen als Karikaturist tätig. Während dieser Schaffensphase in Spanien machte er in Barcelona auch die Bekanntschaft mit Robert Delaunay. 1927 war Weber längere Zeit in Paris. Unzweifelhaft lassen sich diese einschneidenden und prägenden Phasen im Leben des Künstlers anhand der zahlreichen mediterranen Motive im Schaffen erkennen. Immer wieder tauchen dabei Hafen-, bzw. Küstenmotive, sowie figürliche Kompositionen mit Arbeiterinnen und Arbeitern auf. Eine besondere Vorliebe mag Weber dabei neben männlichen Fischern für weibliche Korbträgerinnen gehabt haben (vgl. hierzu beispielhaft die Abbildungen zu den Werken „Italienischer Fischer“ und „Italienerin mit Korb“ in: Marie Luise Baum (1965): Otto Friedrich Weber, in: Wuppertaler Biographien [5. Folge] (hrsg. v. M. L. Baum); Born-Verlag; Wuppertal; S. 89f.). So wurden auch zu Lebzeiten Webers Ausstellungen häufig mit diesen Sujets beschickt (so bspw. das Werk „Mädchen mit Früchtekorb“ (Kat.Nr. 580) bei der „Frühjahrs-Ausstellung Düsseldorf“ (1942), oder auch die „Schreitenden Mädchen“ (Kat.Nr. 535) bei der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“ (1937)).
Das vorliegende Gemälde ist in diese ‚Motivreihe‘ einzuordnen und vereint in sich als Trias zwei Korbträgerinnen und einen Fischer. Die drei jungen Personen stehen locker beisammen und man mag sich ein alltägliches Geplauder zwischen ihnen vorzustellen. Das Boot mit seinem eingeholten Segel verweist zum einen auf die Nähe zum Meer und zum anderen auf das Ende des Arbeitstages. Diese Ruhe nach der getanen Arbeit durchzieht dabei die ganze Komposition, wobei das gesamte Umfeld der Personen – der bräunliche Untergrund, wie auch das Blau des Himmels und des Meeres – eher matt, gedämpft und zurückhaltend wirken. Erst durch die Einfügung der Personen erhält das Werk eine beeindruckende Strahlkraft und Entfaltung. Wobei diese Wirkkraft Weber interessanterweise auf eine sehr reduzierte Weise, nämlich durch das Setzen weniger, beinahe monochromer Bereiche gelingt – das rötliche Kleid, das weiße Kopftuch, der gelbliche Rock.
Wunderschön stimmungsvolle Komposition!

 

 

Zu Otto Friedrich Weber (07.12.1890 Elberfeld – 21.01.1957 Wuppertal):
Maler; Sohn eines Schlossermeisters in Elberfeld, dessen Beruf er nach dem Wunsch der Eltern erlernen sollte; durch Empfehlung seines Zeichenlehrer kam er an die Werkkuntschule in Wuppertal (bei Max Bernuth); frühe Förderung erfuhr er durch August von der Heydt, der Zeichnungen Webers ankaufte und ihm den Besuch der Kunstakademien in Dresden (bei Carl Bautzer) und München (bei Hermann Urban) ermöglichte; um 1910 Parisreise; 1911 & 1913 stellte er als einziger deutscher Künstler bei den Pariser Herbstsalons aus; in Paris Bekanntschaft mit zahlreichen Künstlern der Avantgarde; 1914 Reise nach Spanien und Weigerung der Einberufung zum Kriegsdienst nachzukommen; 19.02.1916 Heirat mit Maria Elisabeth, geb. Prestel (1886-1965); in Barcelona schloss er sich der Künstlerkolonie um Robert Delaunay an; in Spanien war er zudem als Karikaturist für spanische Zeitungen tätig; 1919 Rückkehr mit der Familie nach Elberfeld; 1927 erneuter Parisaufenthalt; in der NS-Zeit wurde er mit einem Reiseverbot belegt; 1934 „Gemeinschaftsausstellung deutscher Künstler“ (Kunstpalast am Rhein, Düsseldorf); 1935 Beteiligung an der Ausstellung „Maler sehen Deutschland“ (Städtische Kunstsammlung, Duisburg); 1936 Beteiligung an der Ausstellung „Westfront 1936. Freie Kunst im neuen Staat“ (Essen); 1937 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Haus der Kunst, Dortmund); 1937 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“; 1937 wurden im Rahmen der „Entartete Kunst“-Aktion Werke Webers beschlagnahmt (u.a. acht Arbeiten in der Städtischen Galerie in Wuppertal-Elberfeld); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Kunsthalle Hamburg); 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“; 1942 Beteiligung an der „Winterausstellung Bergischer Künstler“ (Wuppertal); 1943 wurde sein Atelier mit einem Großteil seines bisherigen Schaffens bei einem Phosphorangriff auf Wuppertal zerstört; zu Beginn des Juli 1945 traf er beim Zeichnen in der Natur Winston Churchill, der ebenso im Freien seiner künstlerischen Neigung nachging (beide porträtierten sich gegenseitig und tauschten die Resultate aus, eine Mikrofilmaufnahme von O.F.Webers Zeichnung findet sich im Churchill Archive Trust, Cambridge); 1956 konnte er durch Spenden erneute nach Spanien reisen; Sept.-Okt. 1958 Gedächtnisausstellung im Von der Heydt-Museum in Wuppertal; Mitglied des „Jungen Rheinlands“, der „Bergischen Kunstgenossenschaft“ und des „Malkastens“

Literatur
BAUM, Marie Luise (1965): Otto Friedrich Weber, in: Wuppertaler Biographien [5. Folge] (hrsg. v. M. L. Baum); Born-Verlag; Wuppertal; S. 85-92
GATTER, Nikolaus (2012): Aus dem Bienenkorb: Der Maler Otto Friedrich Weber (1890-1957), in: Kunstverein Kunstgeflecht e.V. (Hrsg.): RHEIN! (Nr. 5); Kidemus Verlag; Köln; S. 34-40