O T T O   B L O S S

 

 

Otto Bloss

 

„Deutsche Reiter im Baskenland“

Öl über Bleistift auf Holzplatte, gerahmt
u.r. in Rot datiert „V. [19]42“, sowie verso o.r. in Blei datiert 9.5./18.5.[19]42“

Rahmengrösse: 64,5×53,5cm
Plattengrösse: 49,5×39,5cm

u.r. in Rot signiert „Bloss / Eisfeld“, sowie auf kleinem Messingschildchen am Rahmen bez. „Dr. Bloss“
verso o.r. in Blei betitelt „Deutsche Reiter im Baskenland“

€ 1.100,-

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Zustand
mitunter leicht beschmutzt; im Eckbereich o.l. Platte mit leichter Druckstelle; Plattenränder etwas bestoßen; Platte verso etwas berieben, sowie mittig und unten mit Resten von abgerissenen Etiketten/Aufklebern, sowie u.l. in Rot bez. „Bl. 12“ und daneben frühere Preisangabe „DM 2.400,- / Euro 1.200,-“, sowie u.r. undeutlich in Blei bez.; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (an Rändern/Kanten etwas berieben, leichte Abplatzer)

 

 

Nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule Berlin bei u.a. Philipp Franck und Georg Tappert war Otto Bloß vornehmlich im Lehrberuf tätig. Anfangs an der Berufsschule in Eisfeld und nach seiner Promotion 1932 an der Universität Jena, bevor er erneut an die Berufsschule seiner Heimatstadt wechselte. Neben seiner Dozententätigkeit entstand ein reiches künstlerisches Schaffen und in den 1930er Jahren war Bloß vermehrt auch auf überregionalen Ausstellungen vertreten. Neben anderen Ausstellungen ist hier insbesondere die regelmäßige Teilnahme mit insgesamt 17 Werken an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ in München 1937 bis 1944 zu nennen.
Im Zweiten Weltkrieg war Bloß anfangs bei der Propagandakompanie 666 (PK 666, 12. Armee) und später in der „Staffel der bildenden Künstler“ eingesetzt. Eine Besonderheit dieser im Frühsommer 1942 gegründeten ‚Künstlerstaffel‘ war, dass die Werke dieser Künstler keinesfalls so strikt kontrolliert wurden, wie man vordergründig annehmen könnte. Zumeist fand die Kontrolle ausschließlich innerhalb der eigenen Einheit statt, was bedeutet, dass „die Bilder [in der Regel] also ohne Eingriffe anderer kontrollierender Instanzen, allenfalls nach Betrachtung durch den Kompaniechef, direkt in das Staffelarchiv nach Potsdam expediert [wurden]. Dies bedeutet eine Ausschaltung des Zensurapparates, dem alle sonstigen Erzeugnisse der Propagandatruppe unterworfen waren, und garantierte eine gewisse Freiheit im künstlerischen Schaffensprozess“ (Veit Veltzke (2005): Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Kerber; Bielefeld; S. 103).
Die vorliegende Darstellung ‚deutscher Reiter im Baskenland‘ datiert auf den Mai 1942 und entstand damit in dem zeitlichen Umfeld der Gründung der „Staffel der bildenden Künstler“. Die von Veltzke in diesem Zusammenhang beschriebene ‚gewisse Freiheit im künstlerischen Schaffensprozess‘ zeigt sich hier in einer verhalten expressiv-realistischen Auffassung und Ausdrucksweise. Deutliches Gewicht legt Bloß dabei auf die Wirkungen und Farbspiele des abendlichen Lichts, dargestellt besonders im Wasser, sowie im Pendant dazu im Himmel. Die kleinen, dunklen Reiter auf der Brücke erscheinen dabei aufgrund der Entfernung miniaturhaft und wie verloren in einer menschenleeren Umgebung. Diese ruhige, um nicht zu sagen: kontemplative, Stimmung wird durch die von der Brücke verwunschen herabhängenden Ranken und nicht zuletzt durch das kleine Fischerboot im Vordergrund unterstrichen. Zweifelsohne ist der Krieg durch die Reiter präsent, doch ordnen sich diese dunklen Figuren farblich in die Umgebung ein und werden dadurch mehr zu einem unterstützend sekundären als zu einem bestimmend primären Faktor innerhalb des Bildaufbaus. Otto Bloß gelingt es auf diese Weise einen Moment einzufangen, oder vielleicht auch malerisch erst zu generieren, der den damals fast schon drei Jahre tobenden Krieg in seiner Grausamkeit ausklammert, um gerade hierdurch den Betrachter zu fesseln.

 

 
Zu Otto Bloß (07.11.1898 Eisfeld – 22.05.1963 Coburg):
Maler, Zeichner; Ausbildung am Lehrerseminar Hildburghausen; und später Volksschullehrer in Sonneberg; im Ersten Weltkrieg Soldat; nach dem Krieg Ausbildung an der Industrieschule in Sonneberg (bei Karl Staudinger); später Studium an der Kunstgewerbeschule Berlin (bei Philipp Franck, Bernhard Hasler, Willi Maillard und Georg Tappert); Abschluss mit der Zeichenlehrer-Prüfung; danach Lehrer an der Berufsschule in Eisfeld, sowie daneben praktische Ausbildung im Baufach und in Holzverarbeitung; 1932 Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation „Die graphisch-bildliche Darstellung im modernen gewerblichen Unterricht“ (Erlangen) und Dozent für Berufspädagogik an der Universität Jena; später erneut an der Berufsschule Eisfeld tätig; 1937-44 mit insgesamt 17 Werken beteiligt an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1938 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Maler der Gegenwart“ (Haus der Kunst, Heidelberg); 1939 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Gewerbemuseum, Kaiserslautern); Kriegsdienst als Oberleutnant bei der Propagandakompanie PK 666 (12. Armee), sowie später bei der „Staffel der bildenden Künstler“, anschließend Kriegsgefangenschaft; danach in Coburg Lehrer an der Staatsbauschule; ab 1949 an der Berufsschule Coburg tätig, sowie später deren Direktor; 1959 Einzelausstellung im Coburger Kunstverein; Werke befinden sich u.a. im Besitz der Kunstsammlungen der Veste Coburg

Literatur
TRIER, Dankmar: Bloß, Otto, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 10129523
VELTZKE, Veit (2005): Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Kerber; Bielefeld; S. 249