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Weitere Werke von Michel Wagner

 

Michel Wagner: Auf einem Schemel sitzender, (wohl) afrikanischer Akt

 

Auf einem Schemel sitzender, wohl afrikanischer Akt

Schwarze Kreide auf Papier, oberer Blattrand verso befestigt auf dünnen Kartonstreifen, verso in den vier Ecken (die oberen beiden Ecken des Kartonstreifens) befestigt/montiert unter cremefarbene Passepartoutmaske
u.r. in Blei datiert „[19]28“

Passepartoutgrösse: 49,7×55,7cm
Blattgrösse: 43×45,7cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 31,8×37,8cm

u.r in Blei signiert „M. Wagner“, sowie verso u.r. Nachlassstempel mit handschriftl. Nummer. „Nachlass / Michel Wagner / München / 544“
nicht betitelt

€ 580,-

 

                   

 

Zustand
oberer Blattrand verso befestigt auf dünnen Kartonstreifen, verso in den vier Ecken (die oberen beiden Ecken des Kartonstreifens) befestigt/montiert unter cremefarbene Passepartoutmaske; in den Randbereichen mitunter leicht knittrig/wellig; partiell etwas (farb-)fleckig; leichte Druckstellen im Blatt; linker Blattrand mit Abrissspuren (unter Passepartout nicht sichtbar); Passepartout etwas fleckig, sowie an den Ecken etwas bestoßen; Passepartout am linken Rand unten etwas bestoßen und mit kleinem Einriss (Länge etwa 0,5cm)

 

 

Der aus der Oberpfalz stammende Michel Wagner ist was die Kunst angeht ein eher Spätberufener. Erst im 28. Lebensjahr trifft er die endgültige Entscheidung hierfür, wird Schüler von Lovis Corinth in Berlin und Stanislaus Stückgold in München. In München wird er Mitglied der „Neuen Secession“, der „Juryfreien“ und der „Münchner Künstlergenossenschaft“. 1923 ist er bereits auf der alljährlichen Kunstausstellung im Glaspalast vertreten und vier Jahre später hat er eine erste umfassende Einzelausstellung im Münchner Kunstsalon Hiller.
1923-24 führte ihn eine prägende Studienreise nach Brasilien, unter deren Einfluss vornehmlich farbintensive Landschaften entstehen, in denen Figuren eine eher untergeordnete Rolle spielen. „In der zweiten Hälfte der 20er Jahre zeichnet sich, eingeleitet von einer Reihe ebenso realistischer wie expressiver Aktstudien, ein bildnerischer Neuansatz ab. Die menschliche Figur tritt mit zunehmender Bedeutung und neuer Geschlossenheit in Wagners Landschaft auf, um diese allmählich ganz in den Hintergrund zu drängen“ (Wolfgang Ch. Schneider (1994): Michel Wagner – Künstler einer ‚gebrochenen‘ Generation, in: Galerie Bernd Dürr (Hrsg.): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München; 1994; S. 12-22 [hier: S. 14]).
Die vorliegende Zeichnung ist dezidiert in diese beschriebene Schaffensphase der Jahre um 1925-30 einzuordnen. In schnellen, das Essenzielle skizzierenden Strichen lässt Michel Wagner zentral im Bild einen stämmigen, wohl afrikanischen, weiblichen Akt entstehen. Die Frau sitzt auf einem Schemel, dessen Beine sich im unteren Bereich leicht abzeichnen. Das rechte Bein ist leicht ausgestreckt, wogegen sie das linke beinahe schon unter den Schemel zurückzieht. Durch das Aufstützen des rechten Ellbogens auf das Knie erfährt der Oberkörper eine Neigung zu dieser Seite, wobei der Kopf wie auch der Blick davon unbeeindruckt starr geradeaus weist.
Durch die sichere Strichführung, sowie die mit Hilfe der Kreide erarbeiteten Hell-Dunkel-Momente wirkt die Komposition, trotz der unzweifelhaften Fülle des Modells, überaus anmutig und locker. Beeindruckende expressiv-realistische Aktkomposition aus einer verhältnismäßig frühen Schaffensphase Michel Wagners!

 

 

Zu Michel Wagner (20.12.1893 Muschenried – 03.12.1965 München):
Maler, Zeichner; entstammt einer oberpfälzischen Bauersfamilie; 1908 Bäckerfachschule in München, hierbei erste Begegnung mit Kunst und erste autodidaktiche Versuche; Michel Wagner übersendet Arbeiten an Franz von Defregger, der sich anerkennend dazu äußert; 1910 wandert zu Fuß nach Hamburg und heuert auf einem Frachter an; 1910-12 mit dem Frachter bereist er Afrika, Asien, Nordamerika, Spitzbergen; 1914-18 Kriegsdienst bei der Marine (weiterhin zeichnerischer tätig); nach dem Krieg weiter auf See; 1921 Entscheidung für die Kunst; Schüler bei Lovis Corinth (Berlin) und später bei Stanislaus Stückgold (München); 1923 erste Beteiligung an der Kunstausstellung im Münchener Glaspalast; Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft; 1923-24 Studienreise nach Brasilien; 1924 Ausstellung der brasilianischen Arbeiten im -Atelier Konopacki- (Sao Paulo); nach seiner Rückkehr Heirat mit Malerin Else Seulen (das Paar wohnt in Hohenschäftlan); 1927 erste umfassende Einzelausstellung im Kunstsalon Hiller (München); bis 1933 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; Mitglied der -Juryfreien-; zwischen 1933-1945 geht Wagner aufgrund der nationalsozialistischen Kulturpolitik in die innere Emigration, er zieht sich aus dem öffentlichen Kunstleben zurück, Ölbilder entstehen kaum, allenfalls Zeichnungen, Aquarelle; 1945 Beteiligung bei Ausstellung „Maler der Gegenwart“ (Palais Schätzler / Augsburg); 1947 Gründungsmitglied der „Neuen Gruppe“; erneut rege Ausstellungstätigkeit; 1949 umfangreiche Übersicht über das Nachkriegswerk in Ausstellung der Galerie Maier-Lengeling (Nürnberg); 1949-65 alljährliche Teilnahme an der Großen Kustausstellung München; 1952 Umzug nach München; 1954, 1955, 1957 Teilnahmen an Gesamtausstellungen Neuer Deutscher Kunst in Kairo, Rutherford, Rom; 1964 Tod der Ehefrau

Literatur
Galerie Bernd Dürr (Hrsg.) (1994): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München