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Arbeiter mit Schubkarre in dörflicher Landschaft

Tusche, Aquarell über leichten Bleistiftvorzeichnungen, auf leichtem Karton
nicht datiert, um 1930-35

Blattgrösse: 40,2×58,3cm

€ 690,-

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Signatur
nicht signiert, verso mittig Nachlassstempel mit handschriftlicher Nummerierung in Blei „433“

Titel
nicht betitelt, Arbeiter mit Schubkarre in dörflicher Landschaft, verso angedeutete Skizze des Arbeiters

Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; technikbedingt sehr leicht wellig; verso leicht fleckig, sowie verso o.l. klein in Blei nummer. „92/358“

 

 

Der aus einem bäuerlichen Umfeld im oberpfälzischen Muschenried stammende Michel Wagner entschied sich erst 1921 – immerhin in seinem 28. Lebensjahr stehend – für die Kunst. „Zunächst ist [er] in Berlin Schüler von Lovis Corinth, dann in München von Stanislaus Stückgold. In München tritt er der ‚Münchner Künstlergenossenschaft‘ bei, wechselt wenig später zur ‚Neuen Secession‘ über und schließlich zu den ‚Juryfreien’“ (Wolfgang Ch. Schneider (1994): Michel Wagner – Künstler einer ‚gebrochenen‘ Generation, in: Galerie Bernd Dürr (Hrsg.): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München; 1994; S. 12-22 [hier: S. 13]). Wagners Schaffen erfährt in den folgenden Jahren signifikante Einflüsse und Veränderungen. Eine prägende Reise nach Brasilien in den Jahren 1923-24 verstärkt in seinem Schaffen die Bedeutung der Farbe gegenüber der Linie. Bezogen auf die Bildthemen gewinnt nach seiner Rückkehr aus Südamerika die menschliche Figur vermehrt an Bedeutung, wogegen die reine Landschaftsdarstellung zurücktritt.
„Um 1930 hat Michel Wagner dann seinen Stil gefunden, der im vollsten Sinne als ‚Expressiver Realismus‘ gelten muß. Es entstehen Werke von hoher Dichte. Das Bildinventar wird aufs Äußerste verknappt. Die in voller plastischer Monumentalität aufgefaßten Figuren werden bevorzugt in Nahsicht gegeben, wiederholt in kühnen Schnitten, jähe ‚Farbblitze‘ strukturieren die Form. […] Eine besondere Bedeutung kommt dabei Hell-Dunkel-Kontrasten zu, auch wird der mattonige Grundton der Bilder durch jähe, grelle Farbtöne aufgebrochen“ (ebd.; S. 16).
Die vorliegende Arbeit ist in die Jahre um 1930-35 einzuordnen. Michel Wagner war zu dieser Zeit mit seiner Frau im oberbayrischen Hohenschäftlarn ansässig und vielleicht fand er auch das vorliegende Motiv oder Teile hierfür in der dortigen Gegend.
Als Betrachter stehen wir leicht neben dem in den Vordergrund führenden Weg. Ein Arbeiter mit einer Schubkarre steht uns gegenüber. Zur linken und rechten Seite des Weges finden sich Pfahle, (Gemüse-)Beete und im mittleren Bereich dann auch ein Haus. Ab dem Haus verschwindet der Weg und taucht dann erst im Hintergrund sich eine leichte Anhöhe hinauf schlängelnd wieder auf, um danach erneut den Augen zu entweichen. Die in der Ferne mit dezenten Hügeln versehene Landschaft wirkt weit und leer. Womöglich zeigt Michel Wagner hier einen Gärtner bei der Arbeit.
Die gesamte Szenerie scheint aus einzelnen schwarz-weiß ‚Bausteinen‘ zu entstehen. Mit dieser dezidierten Hell-Dunkel-Kontrastierung erzeugt er eine erstaunliche, ganz eigenartige Atmosphäre, die durch das Türkis, als eine eher ungewöhnliche Farbwahl für den Himmel, gar einen klandestinen Klang erhält.

 

 

Zu Michel Wagner (20.12.1893 Muschenried – 03.12.1965 München):
Maler, Zeichner; entstammt einer oberpfälzischen Bauersfamilie; 1908 Bäckerfachschule in München, hierbei erste Begegnung mit Kunst und erste autodidaktiche Versuche; Michel Wagner übersendet Arbeiten an Franz von Defregger, der sich anerkennend dazu äußert; 1910 wandert zu Fuß nach Hamburg und heuert auf einem Frachter an; 1910-12 mit dem Frachter bereist er Afrika, Asien, Nordamerika, Spitzbergen; 1914-18 Kriegsdienst bei der Marine (weiterhin zeichnerischer tätig); nach dem Krieg weiter auf See; 1921 Entscheidung für die Kunst; Schüler bei Lovis Corinth (Berlin) und später bei Stanislaus Stückgold (München); 1923 erste Beteiligung an der Kunstausstellung im Münchener Glaspalast; Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft; 1923-24 Studienreise nach Brasilien; 1924 Ausstellung der brasilianischen Arbeiten im -Atelier Konopacki- (Sao Paulo); nach seiner Rückkehr Heirat mit Malerin Else Seulen (das Paar wohnt in Hohenschäftlan); 1927 erste umfassende Einzelausstellung im Kunstsalon Hiller (München); bis 1933 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; Mitglied der -Juryfreien-; zwischen 1933-1945 geht Wagner aufgrund der nationalsozialistischen Kulturpolitik in die innere Emigration, er zieht sich aus dem öffentlichen Kunstleben zurück, Ölbilder entstehen kaum, allenfalls Zeichnungen, Aquarelle; 1945 Beteiligung bei Ausstellung „Maler der Gegenwart“ (Palais Schätzler / Augsburg); 1947 Gründungsmitglied der „Neuen Gruppe“; erneut rege Ausstellungstätigkeit; 1949 umfangreiche Übersicht über das Nachkriegswerk in Ausstellung der Galerie Maier-Lengeling (Nürnberg); 1949-65 alljährliche Teilnahme an der Großen Kustausstellung München; 1952 Umzug nach München; 1954, 1955, 1957 Teilnahmen an Gesamtausstellungen Neuer Deutscher Kunst in Kairo, Rutherford, Rom; 1964 Tod der Ehefrau

Literatur
Galerie Bernd Dürr (Hrsg.) (1994): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München