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Max Grunwald

 

Weite dörfliche Landschaft mit Bauernhaus und Schweinen im Abendlicht

Öl auf Leinwand, Keilrahmen
u.r. datiert „1939“

Grösse: 100,5×70,2cm

€ 950,-

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u.r. signiert „Max Grunwald“
nicht betitelt

Zustand
mitunter leicht fleckig; in den Randbereichen der Leinwand aufgrund früherer Rahmung mitunter etwas aufgeraut (in den Eckbereichen etwas stärker berieben mit leichten Verlusten der Farbschicht); im unteren Bereich rechts (etwas links von den beiden Schweinen) oberflächlich sehr leicht berieben; verso am Keilrahmen rechts in Schwarz bezeichnet „Eigentum Rädecke“[?]

 

 

Beim Entstehen des vorliegenden Gemäldes stand der Berliner Künstler Max Grunwald im 50. Lebensjahr. Zusammen mit seiner 1920 angetrauten Frau Helene wohnte er auf dem Hof der Schwiegereltern in Berlin Wittenau, wo er sich im ehemaligen Pferdestall ein Atelier einrichtete. In der Zeit des Dritten Reichs kam der religiös geprägte Grunwald in Konflikt mit dem dortigen Ortspfarrer, welcher sich im Sinne eines sogenannten ‚positiven Christentums‘ mit den Machthabern konform stellte. Grunwald wurde 1934 Mitgründer der Bekennenden Kirche in Wittenau und der Hof der Familie diente in diesem Zusammenhang als Ort für Gottesdienste und Versammlungen. Als Künstler war Grunwald ab 1934 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, wobei aber nur bei zwei Ausstellungen Werke von ihm gezeigt wurden.
Neben figürlichen und vor allem religiösen Motiven, sind es Landschaftsansichten, welche sich im Schaffen Grunwalds finden lassen.
Im vorliegenden Werk versetzt uns der Künstler in eine weite, sehr leicht hügelige Region. Im linken Vordergrund erhebt sich mächtig ein Bauernhaus (oder eine Scheune?) mit dunkelbraunem Reetdach, wodurch man das Motiv wohl nach Norddeutschland lokalisieren kann. Vor dem Bauernhaus blicken wir auf zwei kleinere Schweinegruppen links und rechts. Weiterhin sehen wir den Bauern, der einen, mit Stroh beladenen, Karren schiebt und wohl gerade aus der hohen Tür kam, welche die Frau wieder zuzieht. Den rechten Bildbereich nutzt Grunwald um dem Betrachter die Weite der Landschaft zu veranschaulichen. Über eine große braune Ackerfläche, die von zwei Pflügen mit Zugtieren bearbeitet wird, geht der Blick zu einer Baumgruppe, um in der Ferne auf farblich nur noch sehr sachte dargestellte Hügel, Wälder und vereinzelte Häuser zu treffen. Über der gesamten ländlichen Szenerie liegt ein strahlend blauer Himmel mit nur wenigen Schönwetterwolken.
Die farbliche Ausführung der Landschaft zeigt sich in einem erdigen Kolorit aus vornehmlich Grün- und Brauntönen. Unterbrochen und aufgelockert wird diese Farbgebung durch die Lichtführung, welche der Ansicht eine ungemein ruhige, warme Stimmung verleiht. So liegt der Vordergrund noch im Schatten und wird nur in einzelnen Bereichen, wie bei den beiden Schweinen und dem Bauern, schlaglichtartig aufgehellt. Dahinter verschwinden die Schatten mehr und mehr, bis die weite Landschaft als ganz vom Sonnenlicht durchflitet erscheint.
Wunderschöne, überaus stimmungsvolle Komposition!

 

 

Zu Max Grunwald (04.06.1889 Berlin-Reinikendorf – 19.05.1960 Berlin):
Maler; Ausbildung in den Bühnenwerkstätten des Königlichen Theaters in Berlin; fand Unterstützung von Max Slevogt; 1915 eingezogen zum Kriegsdienst; 1916-20 französische Kriegsgefangenschaft; 30.09.1920 Heirat mit Helene, geb. Siedtmann; das Ehepaar lebte in Berlin-Wittenau am Hof der Schwiegereltern; Grunwald richtete sich im ehemaligen Pferdestall ein Atelier ein; 1934 Mitgründer der Bekennenden Kirche in Wittenau, Gottesdienste und Treffen fanden im Haus der Grunwalds statt; ab 1934 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste; 1934 Beteiligung an der „Frühjahrs-Ausstellung“ (Preußische Akademie der Künste, Berlin); 1939 Beteiligung an der Ausstellung „Kunst und Technik“ (Ausstellungsgelände der Stadt Dresden); 1955 Ausmalung der Dreieinigkeitskirche in Allermöhe-Reitbrook; Grunwald malte v.a. Landschaften, Stadtansichten, sowie figürliche und religiöse Kompositionen; Werke befinden sich im Museum Reinickendorf