M A X   B Ö H L E N

 

Weitere Schweizer Künstler

 

Max Böhlen

 

Wohl junge Frau in ostfriesischer Tracht

Öl auf Holz, gerahmt
u.l. in Rot datiert „[19]39“

Rahmengrösse: 43x45cm
Bildgrösse: 35x37cm

u.l. in Rot signiert „M. Böhlen“
nicht betitelt

verkauft

 

 

 

                  

 

Zustand
an wenigen Stellen oberflächlich leicht berieben; partiell leicht beschmutzt; an wenigen Stellen leichte dezente Retuschen; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, leichte Farbabplatzer)

 

 

Herzlichen Dank an Herrn Andreas Böhlen (Max-Böhlen-Museum) für freundliche Hinweise zur Einordnung des Werks!

 

 

1930 kam der aus Bern stammende Max Böhlen das erste Mal nach Aurich. Der reiselustige Künstler besuchte im Folgenden neben seiner Heimatstadt noch Korsika, bevor er 1932 mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Elsa erneut nach Aurich kam, um dort bis zum Februar 1939 ansässig zu bleiben.
„Die kleine und in sich beschlossene Gesellschaft Aurichs, des preussischen Regierungsortes von Ostfriesland, brachte dem fremden Maler, den ihr das Geschick zugebracht hatte, Wohlwollen und Vertrauen entgegen. Die damit verbundene Anerkennung seines Schaffens äusserte sich jedoch weniger im Erwerb von Gemälden oder Aquarellen der heimatlichen Landschaft als im Wunsch nach Bildnissen. Auch wenn Max Böhlen durchaus nicht willens war ein gesuchter Porträtmaler zu sein oder zu werden, entstand in jenen Jahren doch eine beträchtliche Zahl von Bildnissen, und man möchte annehmen, es seien diese Aufträge gewesen, denen die weitere Bemühung des Malers um das Figurenstück zu danken ist“ (Max Huggler (1973): Max Böhlen; Verlag Huber; Frauenfeld; S. 38).
Das vorliegende Gemälde entstand wohl in der letzten Phase des Aufenthalts in Aurich. Im Februar 1939 verzog die Familie in das Jägerhaus in Egerten im Schwarzwald, so dass dieser Umzug als der späteste Entstehungszeitpunkt gelten kann. Ganz wie von Max Huggler beschrieben haben wir hier ein Bildnis vor uns, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Auftragsarbeit handelt.
Im Dreiviertelporträt zeigt sich eine junge, braunhaarige Frau, die dem Anschein nach mit einer blau-weißen Tracht bekleidet ist. Ihr locker gebundenes Haar fällt in einem Zopf über ihre linke Schulter und an ihrem rechten Ohr haben sich kleinere Strähnen leicht gelöst. Der durchaus ernste, beinahe (lebens-)erfahrene Blick geht rechts an uns vorbei und nur das zarte, den Mund umspielende Lächeln unterstreicht den jugendlichen Charakter der Dargestellten.
Sehr schöne Porträtarbeit Max Böhlens aus einer biografisch einschneidenden Schaffensphase!

 

 

Zu Max Böhlen (14.02.1902 Bern – 23.08.1971 Basel):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1909-18 Besuch der Primar- und Sekundarschule; 1918-19 Besuch der Post- und Verkehrsschule in Bern; aufgrund der Arbeitslosigkeit wird er zuerst Hilfsarbeiter, bevor er eine Tätigkeit in einer Elektrofirma findet; 1920 Besuch der Gewerbeschule (bei Ernst Linck und Wülffli); 1922 Entschluss Maler zu werden; durch die Bekanntschaft mit Ernst Braker kommt er an die Malschule Surbek-Frey; 1925 Mitglied der Sektion Bern der „Gesellschaft schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten“; 1926 erhält das Bundesstipendium; Italienreise (Toskana); im Herbst Fahrt nach Paris; 1927 erhält abermals das Bundesstipendium; mehrwöchiger Parisaufenthalt; 1928 arbeitet im Berner Atelier von Louis Moilliet; Italienaufenthalt bei dem er seine spätere Frau kennenlernt; 1929 erhält das dritte Bundesstipendium; von Juli bis August 1929 zusammen mit Victor und Marguerite Surbek-Frey auf Korsika; 1930 Reise über Mannheim nach Berlin; am 30. Mai 1930 Ankunft in Aurich; 02. September 1930 Heirat mit Elsa, geb. von Rose; Weiterreise über Bern nach Korsika; bis 1932 Aufenthalt in Ajaccio; 1931 Geburt des Sohnes Manfred; 1932 Geburt des Sohnes Roger; im Mai 1932 erneute Reise nach Aurich und fortan bis 1939 dort ansässig; in den folgenden Wintern reiste Böhlen oft nach Berlin und wurde dort u.a. mit Erich Heckel bekannt; 1933 Reise nach Amsterdam; Geburt des Sohnes Edzard; April bis November 1934 Aufenthalt auf der Insel Langeoog; 1934 Geburt der Tochter Imke; im August 1936 Reise an die Flensburger Förde und Besuch bei Erich Heckel; 1936 Geburt der Tochter Veronika; Sommer 1937 Fahrt in die Schweiz; 1938 Geburt des Sohnes Uhli; Februar 1939 Umzug in das Jägerhaus in Egerten (Schwarzwald); Geburt des Sohnes Andreas; zwischenzeitlicher Umzug in den Forsthof der Gemeinde Häg-Ehrsberg; im Februar 1940 verlässt Böhlen Deutschland und verzieht in die Schweiz, seine Familie bleibt dort und kehrt nach dem deutschen Einmarsch im Elsass im Juni 1940 nach Egerten zurück; Böhlen ist in Bern tätig; es folgen weitere Reisen in der Schweiz, kurzzeitig übernimmt er die Malschule von Marcella Grundig; 1945 ist er einige Tage heimlich in Egerten, bevor er 1950 endgültig dorthin zurückkehrt; 1955 der zweitälteste Sohn Roger verunglückt bei einem Motorradunfall nahe London tödlich; 1957 Aufenthalt in der Schweiz; 1959 Aufenthalt im Oberland; 1966 reist er mit seiner Tochter nach Mallorca; 1968 Herzinfarkt und zwölfwöchiger Aufenthalt im Spital Lörrach; im April 1969 zusammen mit seiner Frau auf Mallorca, in St. Jordi, sowie im August in Ostfriesland; am 23. August 1971 plötzlicher Tod durch Gehirnblutung und Lungenembolie; 1995 eröffnete sein jüngster Sohn im Jägerhaus in Egerten das Max-Böhlen-Museum

Literatur
HUGGLER, Max (1973): Max Böhlen; Verlag Huber; Frauenfeld
Internetseite des Max-Böhlen-Museums [max-boehlen-museum.de]