K U R T S   F R I D R I H S O N S

 

 

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recto: (folkloristisches?) Portrait

verso: Frauengestalt

Aquarell auf kräftigem Vélin; am linken Rand durch zwei Klebestreifen auf weißen Karton gesetzt
recto u.r. datiert „1946“

Grösse des unterlegten Kartons: 39,4×49,9cm
Blattgrösse: 31,2×45,5cm

recto u.r. signiert „Kurts Fridrihsons“
nicht betitelt

€ 525,-

 

 

 

  

 

Zustand
Blatt am linken Rand durch zwei Klebestreifen auf weißen Karton gesetzt; in den vier Ecken je zwei kleine Einstichlöcher; Ecken/Ränder mitunter leicht bestoßen; verso am oberen Rand, sowie u.l. Reste früherer Befestigung

 

 

Ein fröhliches, in großzügigen Strichen gemaltes Gesicht blickt vorderseitig den Betrachter an. Es scheint sich um eine Frau zu handeln, die ein grünes Kleid/Gewand trägt. Dieses Grün setzt sich im Haarbereich fort, geht hier aber verstärkt in ein dunkles Blau über. Kurts Fridrihsons griff in seinem Schaffen oftmals auf lettische, aber nicht nur lettische, Folklore zurück und es könnte auch bei dem vorliegenden Portrait sein, dass ihn hierzu eine mythologische, folkloristische Thematik inspirierte.
Das rückseitig ausgeführte Bildnis einer Frauengestalt erscheint stärker auf die Person fokussiert, als dies bei dem recto gezeigten Portrait der Fall ist. Die Arme sind nach Oben zum Kopf erhoben, der Mund geöffnet, doch scheint kein Schrei, eher ein Entsetzen, sich Luft machen zu wollen. Sowohl durch den Ersten Weltkrieg, als die Familie aus Riga fliehen musste, als auch durch den Zweiten Weltkrieg, als der Künstler im März 1944 durch die deutschen Truppen zwangsverpflichtet wurde, bevor er im Oktober desselben Jahres desertierte, waren Fridrihsons Schrecken, Ängste, Nöte und Gräuel in Kriegszeiten bekannt. Vielleicht verarbeitete er in dieser leidvollen Frauengestalt Erfahrungen und Erlebnisse.
Obgleich die recto befindliche Signatur annehmen lässt, dass der Künstler diese Blattseite präferierte, ist die Rückseite in ihrer künstlerischen Qualität und ihrem Ausdruck keinesfalls zu vernachlässigen. Wunderbar ausgeführte figürliche Kompositionen in der für Fridrihsons ganz typisch brillanten Aquarelltechnik!

 


Zu Kurts Fridrihsons (07.09.1911 Riga – 31.01.1991 ebd.):

Lettischer Maler, Illustrator, Bühnenbildner; 1916-17 flieht die Familie us Riga und hält sich in Dnepropetrovsk (Ukraine) auf; 1918 Rückkehr nach Riga; 1931-38 (mit Unterbrechungen) Studium an der Lettischen Universität (‚Latvijas Universitātes‘) im Fachbereich Architektur (Riga); hier besuchte er auch Malkurse (bei Purvītis Vilhelms); 1932 erste Reise nach Paris und dort Bekanntschaft mit André Derain; 1938 Reise nach Deutschland, Belgien, in die Schweiz und erneut nach Paris (dort Studien mit Derain); 1938-41 tätig in der Buchhandlung „Valters un Rapa“ (Riga) in der Abteilung für fremdsprachige Bücher; 1941-44 tätig im Historischen Museum Rigas; 07.09.1942 Heirat mit Zenta Dedze (1913-2005); im März 1944 von den deutschen Truppen zum Kriegsdienst eingezogen, dient dort als Kriegsmaler; im Oktober 1944 desertiert er; Ende 1944 erscheint sein Buch „Purvītis, Koenig, Munch, Mazarel“; 1945 als Kunstlehrer tätig in Ventspils; 1947-48 als Kunstlehrer tätig an der ‚Janis Rozentals Kunsthochschule‘ (Riga); im Januar 1951 wurde er wegen ‚Vaterlandsverrat‘ verhaftet, zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt und nach Sibirien verschickt; im Herbst 1956 kehrte er nach Riga zurück (seine Rehabilitierung erfolgte 1991); im Folgenden auch als Illustrator für Zeitschriften und Zeitungen tätig; 1967-72 als Bühnenbildner tätig am Daile-Theater (Riga); zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen (zuletzt u.a. 11.05. bis 05.08.2008 „Fridrihsons about Fridrihsons“ (Rigaer Kunstraum)); Fridrihsons malte vorwiegend mit Aquarell und anfangs auch mit Ölfarben; seine Motive fand Fridrihsons in der lettischen Folklore und Mythologie

Literatur
ROSENFELD, Alla / DODGE, Norton Townshend (Hrsg.) (1995): Nonconformist art the Soviet experience 1956 – 1986; Thames and Hudson; London; S. 190
ROSENFELD, Alla / DODGE, Norton Townshend (Hrsg.) (2002): Art of the Baltics: The Struggle for Freedom of Artistic Expression Under the Soviets, 1945-1991; Rutgers Univ. Press; S. 191ff.
Internetseite von „Rigas Nami“ [rigasnami.lv]