K A R L   S T A C H E L S C H E I D

 

Weitere Werke von Karl Stachelscheid

 

Karl Stachelscheid: Dorfstudie bei Pfunds – Stuben

 

„Dorfstudie bei Pfunds – Stuben“

Öl auf Leinwand, Keilrahmen
nicht datiert, (wohl) um 1950-60

Grösse: 58,5×78,5cm

u.l. in Dunkelbraun signiert „K. Stachelscheid“
verso am Keilrahmen o.l. auf Etikett maschinenschriftl. betitelt: „Dorfstudie bei Pfunds – Stuben“

€ 1.300,-

 

 

 

 

                

 

Zustand
in den Randbereichen mitunter leicht berieben; im Eckbereich u.l. Leinwand minimalst beschädigt; im Eckbereich o.l. sehr leichte Verluste der Farbschicht

Provenienz
Galerie Steinbach, Krefeld [hierzu verso o.m. Etikett mit maschinenschriftl. bzw. handschriftl. Angaben zu Künstler, Titel, Preis]

 

 

Neben Motiven aus seiner rheinischen Heimat fand Karl Stachelscheid auch immer wieder Landschaften und Städte während seiner Reisen, die er dann malerisch festhielt. Tirol war dabei ein Hauptanziehungspunkt für ihn. In der Zeit von 1943 bis 1945 hatte er seinen Zweitwohnsitz in Grins und den 1950er und 1960er Jahren hielt er sich mehrere Monate in Tirol auf. So verreiste er, nachdem seine erste Frau Maria die Scheidung eingereicht hatte, mit seiner Geliebte in die kleine, im Inntal gelegene Gemeinde Pfunds.
Über diese Zeit sagt seine Reisebegleiterin: „Das Tiroler Gebirgsdorf war ihm Fluchtort von einer Großstadt, die zunehmend durch Übersättigung geprägt wurde. Wir kamen im Gasthof zur Post unter, einem alten, traditionsreichen Haus. Die Wirtsleute waren gastfreundlich und sehr tolerant. Der Wirt hatte zudem künstlerische Neigungen und ließ sich von Karl im Zeichnen und Malen unterrichten. Außerdem schätzten die Wirtsleute seine Bilder und nahmen sie gerne als Zahlungsmittel an. Die ersten Jahre tauschte er ein Bild gegen einen Wochenaufenthalt, später steigerte er den Wert auf einen Monatsaufenthalt pro Bild. Pfunds war ihm zweite Heimat und Tor zum Süden“ (zit. nach Gerhard Klüsener (2012): Karl Stachelscheid. Der kleine Wilde; Klueoverlag; Düsseldorf; S. 48).
Die vorliegende ‚Dorfstudie‘ entstand sicherlich während eines solchen Aufenthalts in Pfunds in den 1950er/60er Jahren. In der mitunter breiten Pinselführung, der Bedeutung der Grauwerte und der farblichen Ausgewogenheit merkt man deutlich Stachelscheids Düsseldorfer Ausbildung. Von einem erhöhten Standpunkt blicken wir in eine kleine Dorfgasse, die aus dem linken Vordergrund hin zur Bildmitte führt. Umgeben von urig individuell wirkenden Holzhäusern, geleitet die Gasse unseren Blick zu einem Brunnen, der sich in seiner seitlichen Ansicht zeigt. Allein hieran wird deutlich, dass Stachelscheid keinen Hauptweg, sondern einen Nebenweg in Pfunds malte. In diesem Nebenweg, im Schatten eines Hauses, sehen wir zudem eine Frau in unsere Richtung gehen. – Ein Detail, das sich nicht beim ersten Blick sofort erschließt. Die schlichte Kleidung, das Kopftuch und die womöglich von körperlicher Arbeit leicht gebückte Haltung, lassen wohl an eine Bauersfrau denken. Stachelscheid lässt ihr Gesicht vage und ungenau, so dass sie anonym für uns bleibt und vielmehr als ein Idealtyp jener Menschen gelten darf, die Stachelscheid damals umgaben.
Die gesamte Komposition des Dorfes ist in Brauntönen gehalten, die sich je nach Lichtführung in einem helleren oder dunkleren Klang zeigen. Einzig der Brunnen zeigt eine dezente farbliche Auflockerung, welche am ehesten an schmückende Blumensträuße erinnert. Über den Dächern zeigen sich die in Blau gehaltenen Alpen und der ebenso blaue, leicht bewölkte Himmel, wodurch das Werk, trotz dem vordergründig begrenzten Blick in die Dorfgasse, eine scheinbar ganz natürliche Weite und Tiefe erhält.
Wunderschöne Tiroler Dorfansicht in spätimpressionistischer Auffassung!

 

 

Zu Karl Stachelscheid (23.07.1907 Duisburg – 06.05.1970 Düsseldorf):
Maler, Zeichner; Sohn von Albert Stachelscheid und dessen Frau Maria, geb. Hohleweg; die Eltern betrieben eine Fabrikation für Kisten und Verpackungsmaterial in Düsseldorf; Karl Stachelscheid wächst in Düsseldorf auf; 1919 Geburt des Bruders Walter; 1923-28 Besuch der Volksschule; 1928-31 Besuch der Mittelschule Clarenbach; 1931 auf Wunsch der Eltern absolviert er eine Maler- und Anstreicherlehre; 1934-39 Besuch der freien Kunstschule für Malerei und Graphik von Hans Carp in Düsseldorf (nach Carps Tod führt Jo Strahn die Schule weiter); 1939 sechsonatiger Arbeitsdienst; 1939-43 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf (bei Wilhelm Schmurr); zuletzt Meisterschüler bei Julius Paul Junghanns; im Januar 1943 fällt der Bruder im Krieg; 06.03.1943 Heirat mit Maria (Mizzi) Kilien und darauf folgend Hochzeitsreise nach Tirol; 1943-45 zweiter Wohnsitz in Grins (Tirol); 27.02.1948 Geburt des Sohnes Karl-Walter; 1949 Scheidung von Ehefrau Maria; im Herbst 1956 Heirat mit Kristine Brosché und darauf folgende Reise in die USA; 1953-69 mehrmonatige Aufenthalte in Tirol, sowie Reisen nach Italien, Spanien, Frankreich, in die Niederlande und die USA; 1957-66 wohnt das Ehepaar in Krefeld; Kontakt zu Herbert Zangs; 1965 Stipendiat des Kulturkreises der deutschen Industrie; am 01.04.1966 Umzug nach Düsseldorf; 15.07.1968 Tod des Vaters; 09.01.1969 Tod der Mutter; am 04.05.1970 erleidet Karl Stachelscheid einen Schädelbasisbruch durch einen Treppensturz, an dem er schließlich im Theresienhospital in Düsseldorf verstirbt; Stachelscheid schuf vornehmlich Landschaften, Stadtansicht, Stillleben und figürliche Kompositionen in spätimpressionistischer Ausführung, etwa nach 1950 wandte er sich zudem abstrakten, informellen Werken zu

Literatur
KLÜSENER, Gerhard (2012): Karl Stachelscheid. Der kleine Wilde; Klueoverlag; Düsseldorf