K A R L   S C H W E S I G

 

Karl Schwesig

Weitere Künstler des Expressiven Realismus

 

Karl Schwesig: Mosellandschaft


Mosellandschaft

Aquarell auf leichtem Bütten (zweimal Wasserzeichen „PM Fabriano“); durch Klebeband unter Passepartout
unten links datiert „1944“

Passepartoutgrösse: 73,5x60cm
Blattgrösse: 58,5×44,9cm

unten links signiert „Karl Schwesig“
nicht betitelt

€ 2.500,-

 

 

 

 

Zustand
Partiell leichte Druckstellen; verso leichte Lagerspuren; verso u.r. in Blei nummeriert 22[?]; verso u.l. Sammlungsstempel und Nummerierung in Blei

 

Zwischen November 1943 und August 1944 hielt sich Karl Schwesig illegal an der Mosel (Lohne (Oldenburg), Zeltingen und Wehlen) auf. Das vorliegende Aquarell ist in diese bedrängende biographische Phase einzuordnen und zeigt in prächtigen, satten Farben eine expressiv aufgefasste Mosellandschaft. Vergleichbare Arbeiten – ebenso Aquarelle – aus dieser Schaffensphase sind „Sommer an der Mosel“ (Abb. 110 in Karl Schwesig. Ausgewählte Werke 1920-1955), „Frühling an der Mosel“ (Abb. 111 in ebd.), „Herbstwald bei Wehlen, Mosel“ (Abb. S. 109 (Kat.Nr. 78) in Karl Schwesig. Leben und Werk). Zu dem Aufenthalt Schwesigs an der Mosel schreibt Peter Barth: „In dem Moseldorf Wehlen, Haus Nr. 99, findet Schwesig Unterkunft. Hier lebt er unbekannt und unerkannt, freundet sich mit den Dorfbewohnern an, zeichnet und aquarelliert. Es entstehen Porträtzeichnungen und Landschaftsaquarelle, Aquarelle in frischen, leuchtenden Farben, in denen sich das beglückende Gefühl von Freiheit, von Leben ohne Verfolgung niederschlägt“ (Peter Barth: „Schwamm drüber“? – Niemals!, in: REMMERT, Herbert/BARTH, Peter (Hrsg.): Karl Schwesig. Leben und Werk; Frölich & Kaufmann; Berlin; S. 107-120 (hier: 108)).

Zu Karl Schwesig (19.06.1898 Gelsenkirchen – 19.06.1955 Düsseldorf):
mit zwei Jahren an Rachitis erkrankt, wovon er als Folge eine Rückgradverkrümmung und eine Wachstumshemmung davon trug (Schwesig wurde nur 1,39m groß); 1914 Abschluss der Realschule; 1914-15 tätig als Gärtnergehilfe; 1916-18 Kriegsdienst im Büro eines Bergwerks; ab Juli 1918 Besuch der Düsseldorfer Kunstakademie mit Hilfe eines Stipendiums; 1921 Anschluß an das 1919 gegründete avangardistische „Junge Rheinland“; Mitglied des Künstlerkreises um Johanna Ey; erste Ausstellungstätigkeiten; 1924 Mitbegründer der politisch-satirischen Zeitschrift „Die Peitsche“ (zusammen mit Gert Wollheim und Peter Ludwigs); 1928 Mitbegründer der „Rheinischen Sezession“; 1930 sechsmonatiger Studienaufenthalt in Sanary an der Côte d’Azur; 1931-32 Ausstellungen in der Düsseldorfer Kunsthalle mit Werken des Aufenthalts in Südfrankreich; 1933 aktiv im Widerstand gegen die Nationalsozialisten; 11.07.1933 Verhaftung und darauf folgende dreitägige Foltering im „Schlegelkeller“ der SA (Bismarckstraße in Düsseldorf); 14.07.-11.08.1933 Haft im Polizeipräsidium Düsseldorf; 11.08.1933-05.02.1934 Untersuchungshaft in der „Ulmer Höhe“ (Düsseldorf); 07.02.1934 Verurteilung wegen Hochverrat (vor dem OLG Hamm); 08.02.-18.11.1934 Strafverbüßung im Gefängnis Bendahl in Wuppertal; Ende 1934 Haftentlassung und Beginn der Arbeiten am Schlegelkeller-Zyklus; Frühjahr 1935 illegale Emigration nach Antwerpen, dort Vollendung des Schlegelkeller-Zyklus‘; 1936 wird der Zyklus in Brüssel und Antwerpen, 1937 in Moskau ausgestellt; 1940 Internierung in Antwerpen und Deportation nach Südfrankreich (dort interniert in den Lagern St. Cyprien, Gurs, Noé und Nexon); auch während der Haftzeit künstlerisch tätig; 1943 durch die SS aus dem Lager Nexon nach Deutschland gebracht und in Düsseldorf erneut inhaftiert, darauf aber überraschend unter Polizeiaufsicht freigelassen; 1943 während der Luftangriffe auf Düsseldorf flieht Schwesig aus der Stadt; 10.11.1943-18.08.1944 illegaler Aufenthalt in Lohne (Oldenburg), Zeltingen und Wehlen an der Mosel; 02.02.-08.02.1945 kurze Haft im Polizeigefängnis Bernkastel; 1946 Heirat mit Hannelore Müller

LITERATUR: REMMERT, Herbert/BARTH, Peter (Hrsg.): Karl Schwesig. Leben und Werk; Frölich & Kaufmann; Berlin — Galerie Remmert und Barth (Hrsg.): Karl Schwesig. Ausgewählte Werke 1920-1955 [Ausstellung vom 17. September bis 19. November 1988]; Düsseldorf