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Weitere Werke von Karl Schröder-Tapiau

Karl Schröder-Tapiau: Sommerlandschaft mit Mohnwiese

 

Sommerlandschaft mit Mohnwiese

Öl auf Leinwand, aufgezogen auf Pappe, gerahmt
nicht datiert, um 1920

u.r. signiert „Schröder-Tapiau“
nicht betitelt

€ 1.900,-

 

 

Rahmengrösse: 53,5×39,5cm
Leinwandgrösse: 48x35cm

Zustand
Leinwand, aufgezogen auf Pappe; partiell leicht beschmutzt (im Bereich des Himmels mitunter etwas stärker); in den vier Ecken kleine Einstichlöcher (vom Rahmen verdeckt); unterlegte Pappe verso fleckig und leicht aufgeraut

 

 

                          

 

 

Frau Dr. Bärbel Schäfer (Dachau) hat das vorliegende Gemälde im Original begutachtet und kommt in ihrer Expertise (v. 08.02.2016) zu dem Fazit: „Aufgrund der stilistischen Merkmale wie Komposition, Maltechnik, Farbigkeit und Signatur handelt es [sich] bei dem Gemälde ‚Sommerlandschaft mit Mohnwiese‘ um ein authentisches Werk von Karl Schröder-Tapiau“.

 

 

Der aus dem ostpreußischen Tapiau (heute: Gwardeisk) stammende Künstler besuchte anfangs die Preußische Akademie der Künste in Königsberg, bevor er sich ab 1892 in Karlsruhe niederließ. Dort besuchte er zuletzt auch als Meisterschüler die dortige Kunstakademie und konnte sich nach deren Abschluss als Porträtmaler etablieren. 1901 verzog Schröder-Tapiau nach München, wo ihm jedoch ein vergleichbarer künstlerischer Erfolg versagt blieb, so dass er 1912 nach Dachau übersiedelte. In Dachau erfährt er neue, prägende Eindrücke, die sich nicht zuletzt in einem ‚modernen‘ Stil seiner Werke zeigen.
Zur zeitlichen Einordnung des vorliegenden Gemäldes schreibt Dr. Schäfer: „Der Künstler hat seine Gemälde selten datiert. Aufgrund des Malstils weg vom Biedermeier und deutlich vom Impressionismus beeinflusst, darf von einer Entstehungszeit um etwa 1920 ausgegangen werden.“
Zum dargestellten Motiv schreibt Dr. Schäfer: „Bildinhalt ist eine weitgestreckte Mohnwiese. Das Mohnblumenfeld dehnt sich bis weit an den Horizont aus und nimmt fast drei Viertel der Bildfläche ein. Am Horizont wird es durch den gelben Saum eines Rapsfeldes begrenzt. Das Rapsfeld zieht sich etwas links vom Bildrand beginnend über die gesamte Breite der Darstellung. Dahinter liegt eine bewaldete Zone. Sie bildet den optischen Abschluss dieser schönen Sommerlandschaft, über der sich ein unregelmäßig blauer Himmel erhebt. Die Waldzone ist als ein feinnuanciertes grünes Band mit unregelmäßigen, mal stärkeren, mal weniger dichten Konturen gestaltet.
Die Landschaft wird von hellen, frischen Grüntönen und gezielten lokalfarbenen Effekten bestimmt. Das Mohnblumenfeld ist in lockeren Pinselstrichen gestaltet, besteht aus lebendigen Grüntönen, vielfältig nebeneinander gesetzt. Im Vordergrund sind die Pinselstriche länger und kräftiger, während sie sich in die Tiefe immer mehr verkürzen, um eine perspektivische Tiefenentwicklung zu suggerieren. In das Grün gestreut sind die leuchtend roten Mohnblumenköpfe, im Vordergrund noch spärlich, verdichten sie sich zum Ende des Feldes in vielen, eng nebeneinander gesetzten Tupfen zum Blumenmeer. Im Auge vereinen sich die beiden Komplementärfarben Grün und Rot zu einem eindrucksvollen Bild des Wachsens und Blühen. Einen wunderbaren Kontrast zum Grün und Rot bildet das Gelb des Rapsfeldes. In seinem schmalen Band sind zwei Figuren zu erkennen, wohl Landarbeiter, die dort ihrer Tätigkeit nachgehen. Der dunkelgrün verschattete Waldsaum mildert die sprengende Kraft des gelben Rapsbandes, so dass sich das Licht ganz auf den Bildmittelgrund konzentriert.
Atmosphäre und die farbverändernde Kraft des Lichts sind der Inhalt der Darstellung. Es geht nicht allein um das Abbilden eines Befundes, sondern um die Wiedergabe einer Stimmung.“

 

 

Zu Karl Schröder-Tapiau (25.10.1870 Tapiau (heute: Gwardeisk) – 27.12.1945 München):
Maler; die Eltern erkannten das Talent des Sohnes und förderten ihn; Studium an der Preußischen Akademie der Künste in Königsberg (bei Carl Steffeck); ab 1892 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Leopold Graf von Klackreuth, Gustav Schönleber, Wilhelm Trübner, Hans Thoma); Meisterschüler bei Ferdinand Keller; Schröder-Tapiau etablierte sich in der Karlsruher Gesellschaft als Porträtmaler; in Karlsruhe war er wohnhaft in der Bismarckstraße 14; 1901 Umzug nach München; da in München der künstlerische Erfolg ausblieb, verzog er 1912 nach Dachau; dort bezog er ein Atelier in der Münchner Straße 1, er fand Anschluss an weitere Künstler; im Ersten Weltkrieg war er als Sanitäter in Frankreich eingesetzt; nach dem Krieg Mitbegründer der „Künstlergruppe Dachau“; Mitglied der „Münchner Künstlergenossenschaft“; bei Carl Thiemann lernte er die Technik des Holzschnitts; 1940 Umzug nach München; Schröder-Tapiau malte bevorzugt Porträts, Landschaften, Stadtansichten und Blumenstillleben; 1952 Gedächtnisausstellung in der Städtischen Galerie in München

Literatur
HERES, Horst (1985): Dachauer Gemäldegalerie; Bayerland; Dachau; S. 268
LUDWIG, Horst (1983): Münchner Maler im 19. Jahrhundert [Bd. 4]; Bruckmann; München; S. 107
TIMM, Werner (1982):Kunstakademie Königsberg, 1845-1945; Essen – Regensburg; S. 89