K A R L   O T T O   H Y

 

Weitere Werke von Karl Otto Hy

 

 

Winterlandschaft im Taunus (zwischen dem „Chausseehaus“ und „Eishaus“ mit Schläferskopf im Hintergrund) mit Vater und Sohn

Ölfarbe, Aquarell, Bleistift auf Karton, komplett befestigt auf festen Karton
u.r. in Braun datiert „[19]35“ (vor der Datierung etwas undeutlich bez. (u.U. vormalige Datierung?)

nicht betitelt
u.r. in Braun signiert „KO Hy“

verkauft

 

 

Grösse
21,5×26,7cm

Zustand
Karton komplett befestigt auf festen Karton; Ränder mitunter leicht berieben; am rechten Rand wenige, minimale Verluste der oberen Farbschicht; am linken Rand unten wenige minimale Verluste der oberen Farbschicht; partiell leicht beschmutzt; im unteren Bereich des Schnees vereinzelt Craquelé-Bildung

 

 

Nach seinem Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29) war Karl Otto Hy ab 1930 als freischaffender Künstler und Architekt in Wiesbaden tätig. Er entwarf Gebrauchs- und Werbegrafiken für u.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien und Hotels. Daneben war Hy in seiner Freizeit auch stets künstlerisch aktiv und es entstanden Zeichnungen, Aquarelle und Ölarbeiten mit vornehmlich Porträts und Landschafts-, sowie Stadtansichten. Insbesondere in seinen Gemälden zeigt sich dabei der geschulte Blick des Architekten, der die jeweiligen Motive in einer kühlen, wie zugleich auch detaillierten Weise erfasst und deutlich Anklänge an die Neue Sachlichkeit aufweist.
Vorliegendes Werk aus dem Jahr 1935 ist dezidiert in diese Schaffensphase einzuordnen.
Karl Otto Hy nimmt den Betrachter zur Winterzeit mit in seine heimatliche Region. Wir befinden uns wenige Kilometer nordwestlich von Wiesbaden zwischen dem „Chausseehaus“ und dem Jagdschloss Fasanerie. Im Hintergrund erhebt sich der Schläferskopf mit dem markanten Kaiser-Wilhelm-Turm. Der Himmel hat sich bereits verdunkelt und kündet damit unweigerlich von dem in Bälde hereinbrechenden Abend. Und so darf man auch die Personengruppe im Vordergrund als auf dem Heimweg befindlich verstehen. Der Vater zieht seinen, auf dem Schlitten sitzenden, Sohn dem linken Bildrand entgegen, wobei der Betrachter von beiden nur die Rückansichten sieht. Das Gewesene, das Erlebte, die Freude und die Ausgelassenheit des Rodelns liegen hinter den Beiden und müssen vom Betrachter hinzugedacht werden. Es gelingt Hy dadurch zweierlei – zum einen legt er ganz allgemein ein narratives Element in die Landschaft, durch welches er es dem Betrachter ermöglicht sich ganz individuell, womöglich anhand eigener (Kindheits-)Erinnerungen, mit dem Gezeigten in eine Beziehung zu setzen, und zum anderen greift er in der Darstellung der Personen das bereits von der Natur und der Tages-, bzw. Jahreszeit vermittelte Thema des Vergehens, Abschiednehmens auf. Es entsteht damit ein überaus harmonischer Einklang von Mensch und Natur, der neben einer offen melancholischen Note, durch das Schlittenfahren, besser: das zurückliegende Schlittenfahren, auch einen dezent freudigen Ton erhält.
Begrenzt wird der Vordergrund von zwei aufragenden Strommasten hinter denen sich die verschneite Landschaft mit vereinzelten kahlen Bäumen und weißen Feldern weit ausbreitet. Im Hintergrund beginnt der dunkle Wald und es erhebt sich schließlich, signifikant in das obere Bildzentrum hinein der Schläferskopf.
Überaus schöne, stimmungsreiche Landschaftskomposition von Karl Otto Hy.

 

 

Zu Karl Otto Hy (28.10.1904 Rüdesheim – 05.04.1992 Wiesbaden):
Maler, Zeichner, (Werbe-)Grafiker, Architekt; 1911 Zuzug von Rüdesheim nach Wiesbaden; Schulbesuch in Heidelberg und Wiesbaden; erster Kunstunterricht in der privaten Malschule von Hermann Bouffier (Wiesbaden), daneben Besuche im Atelier von Kaspar Kögler (1838-1923); 1919 Ende der Schulzeit und anfänglicher Wunsch Schlosser zu werden, da es aber hierbei keine freien Lehrstellen gab, ging er in die Ausbildung zu einem Dekorationsmaler; 1925-29 Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (u.a. bei Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958), Otto Arpke (1886-1943)); neben dem Studium arbeitete Hy bei dem Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971); ab 1930 freischaffend tätig, zu seinen Kunden zählten v.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien, Hotels; daneben auch als Architekt tätig; 1937 Ausgestaltung der Wandelhalle in der Herbert-Anlage mit Sgraffiti (Wiesbaden); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung in Frankfurt am Main, der Stadt des Deutschen Handwerks“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a.M.); 1942 zur Wehrmacht eingezogen und anschließend russische Kriegsgefangenschaft; 1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Pforzheim und von dort Umzug nach Wiesbaden; nach 1945 als Architekt in Wiesbaden tätig und dabei beteiligt bei Restaurierungen und Innenraumgestaltungen von u.a. dem Staatstheater, dem Kaiser-Friedrich-Bad, der Trauerhalle am Südfriedhof, des Großen Sitzungssaals des Magistrats; 1962 Umzug nach Georgenborn (Gemeinde Schlangenbad); ab 1978 Vorsitzender des „Rings bildender Künstler“; 1980 Beteiligung an der Ausstellung „Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen“ (Museum Wiesbaden, Wiesbaden); 1987 Ausstellung zusammen mit Franz Ruzicka (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden); 2014 vertreten bei der Ausstellung „Landschaftsbilder – ein Zwischenreich von Natur und Zivilisation aus Imagination und Realität“ (Kunstarche Wiesbaden e.V.); Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Wiesbaden („Frühling“, Öl, 1957), des Museums Wiesbaden („Die Kaiserstraße in Wiesbaden“, Öl, 1934), der Ortsverwaltung Wiesbaden-Dotzheim („Blick vom Neroberg über Wiesbaden“, Öl)

Literatur
HILDEBRAND, Alexander (1992): Akribie und Atmosphäre, in: Wiesbadener Leben; 6/1992; Seite 15
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen; Wiesbaden: Wilhelm Lautz; unpag. (Kat.Nr. 37-38)
„Karl Otto Hy. Optische Kultur – Wiesbadener Maler wird 80 Jahre alt“ (Autorenkürzel AH), in: Wiesbadener Kurier, vom 27./28.10.1984, Seite 9
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 42431199