K A R L   O T T O   H Y

 

Weitere Werke von Karl Otto Hy

 

 

Blick auf Wiesbaden-Schierstein

Aquarell & Bleistift auf Ingrespapier
u.r. datiert „[19]36“
Grösse: 28,8×40,3cm
u.r. signiert „KO HY“
nicht betitelt

€ 580,-

Kaufanfrage

 

 

                        

 

 

Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; technikbedingt leicht wellig; Ecken etwas bestoßen; verso in den vier Ecken, sowie an den Rändern mittig Reste früherer Befestigung; verso in den vier Ecken aufgrund früherer Befestigung etwas aufgeraut

 

 

Nach einer Lehre zum Dekorationsmaler, besuchte Karl Otto Hy die Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29). Seine damaligen Lehrer waren u.a. Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958) und Otto Arpke (1886-1943). Bereits neben seinem Studium arbeitete er für den bedeutenden Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971) und auch in der Folgezeit war er an zahlreichen Restaurierungen und Gestaltungen von Bauwerken beteiligt. Nach seinem Studium war er freischaffend tätig, wobei der wirtschaftlichen Situation der damaligen Zeit geschuldet, sein Hauptgebiet auf Werbeentwürfen für Firmen und Unternehmen lag. Parallel dazu entstanden weiterhin künstlerische Arbeiten und darunter immer wieder Ansichten von Wiesbaden und der umliegenden Region. Die oftmals feinen Darstellungen, die in ihrer mitunter neusachlichen Manier einen kühlen Ausdruck vermitteln, lassen unweigerlich den Blick des Architekten erkennen.
Vorliegendes Aquarell ist in diese Schaffensphase einzuordnen. Es datiert auf 1936 und zeigt einen Blick auf das 1926 nach Wiesbaden eingemeindete Schierstein. Markant zu erkennen ist die Christophorus-Kirche am rechten Bildrand, links daneben das Rathaus, sowie mittig der Wasserturm. Die gesamt Ansicht zeigt sich in einer matten, zurückhaltenden Farbgebung. Menschen baut Hy nicht in die Komposition ein, so dass der Fokus deutlich auf dem beschreibenden, darstellerischen Moment liegt. Als eine feine Unterbrechung im Bildaufbau fügt Hy Steine in das Wasser des vorderen Bereichs ein. Diese unterstützen zum einen die Bildtiefe, und zum anderen lassen sie durch ihre zufällige Anordnung und die jeweils ganz unterschiedlichen Formungen, eine schöne Spannung zu den klaren Linien der Gebäude entstehen.

 

 

Zu Karl Otto Hy (28.10.1904 Rüdesheim – 05.04.1992 Wiesbaden):
Maler, Zeichner, (Werbe-)Grafiker, Architekt; 1911 Zuzug von Rüdesheim nach Wiesbaden; Schulbesuch in Heidelberg und Wiesbaden; erster Kunstunterricht in der privaten Malschule von Hermann Bouffier (Wiesbaden), daneben Besuche im Atelier von Kaspar Kögler (1838-1923); 1919 Ende der Schulzeit und anfänglicher Wunsch Schlosser zu werden, da es aber hierbei keine freien Lehrstellen gab, ging er in die Ausbildung zu einem Dekorationsmaler; 1925-29 Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (u.a. bei Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958), Otto Arpke (1886-1943)); neben dem Studium arbeitete Hy bei dem Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971); ab 1930 freischaffend tätig, zu seinen Kunden zählten v.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien, Hotels; daneben auch als Architekt tätig; 1937 Ausgestaltung der Wandelhalle in der Herbert-Anlage mit Sgraffiti (Wiesbaden); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung in Frankfurt am Main, der Stadt des Deutschen Handwerks“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a.M.); 1942 zur Wehrmacht eingezogen und anschließend russische Kriegsgefangenschaft; 1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Pforzheim und von dort Umzug nach Wiesbaden; nach 1945 als Architekt in Wiesbaden tätig und dabei beteiligt bei Restaurierungen und Innenraumgestaltungen von u.a. dem Staatstheater, dem Kaiser-Friedrich-Bad, der Trauerhalle am Südfriedhof, des Großen Sitzungssaals des Magistrats; 1962 Umzug nach Georgenborn (Gemeinde Schlangenbad); ab 1978 Vorsitzender des „Rings bildender Künstler“; 1980 Beteiligung an der Ausstellung „Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen“ (Museum Wiesbaden, Wiesbaden); 1987 Ausstellung zusammen mit Franz Ruzicka (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden); 2014 vertreten bei der Ausstellung „Landschaftsbilder – ein Zwischenreich von Natur und Zivilisation aus Imagination und Realität“ (Kunstarche Wiesbaden e.V.); Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Wiesbaden („Frühling“, Öl, 1957), des Museums Wiesbaden („Die Kaiserstraße in Wiesbaden“, Öl, 1934), der Ortsverwaltung Wiesbaden-Dotzheim („Blick vom Neroberg über Wiesbaden“, Öl)

Literatur
HILDEBRAND, Alexander (1992): Akribie und Atmosphäre, in: Wiesbadener Leben; 6/1992; Seite 15
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen; Wiesbaden: Wilhelm Lautz; unpag. (Kat.Nr. 37-38)
„Karl Otto Hy. Optische Kultur – Wiesbadener Maler wird 80 Jahre alt“ (Autorenkürzel AH), in: Wiesbadener Kurier, vom 27./28.10.1984, Seite 9
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 42431199