K A R L   O T T O   H Y

 

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Konstruktives Stillleben auf einem Tisch mit blauer Henkelkanne und gelbem Becher vor einem Haus

Gouache, über Bleistift, Aquarellfarbe, auf leichtem Karton, unter Passepartoutmaske gesetzt, befestigt auf leichten schwarzen Karton
u.r. in Blei über Dunkelbraun datiert „1931“

Grösse des unterlegten schwarzen Kartons: 39,9x30cm
Kartongrösse: 24,9×16,4cm

u.r. in Blei über Dunkelbraun signiert „K.O. HY“
nicht betitelt

€ 600,-

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Zustand
Karton unter Passepartoutmaske gesetzt, befestigt auf leichten schwarzen Karton; partiell sehr leichte Farbverluste (u.a. im linken Bereich der Henkelkanne); Passepartout etwas fleckig und berieben; unterlegter schwarzer Karton mit Druckstellen, sowie an Ecken/Kanten bestoßen

 

 

Nach einer Lehre zum Dekorationsmaler, besuchte Karl Otto Hy die Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29). Seine damaligen Lehrer waren u.a. Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958) und Otto Arpke (1886-1943). Bereits neben seinem Studium arbeitete er für den bedeutenden Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971) und auch in der Folgezeit war er an zahlreichen Restaurierungen und Gestaltungen von Bauwerken beteiligt. Nach seinem Studium war er freischaffend tätig, wobei der wirtschaftlichen Situation der damaligen Zeit geschuldet, sein Hauptgebiet auf Werbeentwürfen für Firmen und Unternehmen lag. Parallel dazu entstanden weiterhin künstlerische Arbeiten und darunter immer wieder Ansichten von Wiesbaden und der umliegenden Region.
Vorliegende auf 1931 datierte Arbeit ist in die ersten Jahre nach Beendigung der Studienzeit einzuordnen.
Im Gegensatz zu den oftmals kühlen, neusachlichen Stadtansichten Hys, wirkt dieses Werk wie ein Austesten, ein Experimentieren und ein Verarbeiten verschiedener moderner Kunstströmungen. Der Bildhintergrund besteht aus einzelnen, fein in Bleistift gezogenen Rechtecken. Diese malte Hy jeweils unterschiedlich aus, wobei er auf eine ruhige, tonige Farbgebung zurückgriff. Auf diesem gekachelten Feld arrangiert der Künstler ein Stillleben. Der nur in Ansätzen gezeigte Tisch trägt eine blaue Henkelvase und daneben einen gelben Becher. Rechts neben dem Tisch erhebt sich in geschwungener Linie eine palmenähnliche Pflanze. Unterhalb des Tisches zeigt sich ein schachbrettartiges Muster, welches zuletzt ins Leere ausläuft. Als ein weiteres Detail formt Hy rechts neben dem Stillleben aus einem Rechteck des Hintergrunds ein Haus mit einem markant roten Dach und einer ebenso roten rechten Wand.
Während der Tisch, das darunter liegende Muster und auch die Pflanze sich farblich dem Untergrund anpassen, stechen das Blau (Kanne), das Gelb (Becher) und das Rot (Haus) dezidiert hervor und ziehen das Auge des Betrachters unweigerlich an. Daneben ist es aber gerade auch der Tisch und die Pflanze, welche sich durch ihre Formen von den Kacheln absetzen und zudem auf eine Räumlichkeit verweisen, die durch den Untergrund vehement begrenzt wird.
Sehr schöne, verspielte Komposition aus einem verhältnismäßig frühen Schaffen des Wiesbadener Künstlers!

 

 

Zu Karl Otto Hy (28.10.1904 Rüdesheim – 05.04.1992 Wiesbaden):
Maler, Zeichner, (Werbe-)Grafiker, Architekt; 1911 Zuzug von Rüdesheim nach Wiesbaden; Schulbesuch in Heidelberg und Wiesbaden; erster Kunstunterricht in der privaten Malschule von Hermann Bouffier (Wiesbaden), daneben Besuche im Atelier von Kaspar Kögler (1838-1923); 1919 Ende der Schulzeit und anfänglicher Wunsch Schlosser zu werden, da es aber hierbei keine freien Lehrstellen gab, ging er in die Ausbildung zu einem Dekorationsmaler; 1925-29 Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (u.a. bei Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958), Otto Arpke (1886-1943)); neben dem Studium arbeitete Hy bei dem Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971); ab 1930 freischaffend tätig, zu seinen Kunden zählten v.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien, Hotels; daneben auch als Architekt tätig; 1937 Ausgestaltung der Wandelhalle in der Herbert-Anlage mit Sgraffiti (Wiesbaden); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung in Frankfurt am Main, der Stadt des Deutschen Handwerks“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a.M.); 1942 zur Wehrmacht eingezogen und anschließend russische Kriegsgefangenschaft; 1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Pforzheim und von dort Umzug nach Wiesbaden; nach 1945 als Architekt in Wiesbaden tätig und dabei beteiligt bei Restaurierungen und Innenraumgestaltungen von u.a. dem Staatstheater, dem Kaiser-Friedrich-Bad, der Trauerhalle am Südfriedhof, des Großen Sitzungssaals des Magistrats; 1962 Umzug nach Georgenborn (Gemeinde Schlangenbad); ab 1978 Vorsitzender des „Rings bildender Künstler“; 1980 Beteiligung an der Ausstellung „Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen“ (Museum Wiesbaden, Wiesbaden); 1987 Ausstellung zusammen mit Franz Ruzicka (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden); 2014 vertreten bei der Ausstellung „Landschaftsbilder – ein Zwischenreich von Natur und Zivilisation aus Imagination und Realität“ (Kunstarche Wiesbaden e.V.); Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Wiesbaden („Frühling“, Öl, 1957), des Museums Wiesbaden („Die Kaiserstraße in Wiesbaden“, Öl, 1934), der Ortsverwaltung Wiesbaden-Dotzheim („Blick vom Neroberg über Wiesbaden“, Öl)

Literatur
HILDEBRAND, Alexander (1992): Akribie und Atmosphäre, in: Wiesbadener Leben; 6/1992; Seite 15
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen; Wiesbaden: Wilhelm Lautz; unpag. (Kat.Nr. 37-38)
„Karl Otto Hy. Optische Kultur – Wiesbadener Maler wird 80 Jahre alt“ (Autorenkürzel AH), in: Wiesbadener Kurier, vom 27./28.10.1984, Seite 9
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 42431199