K A R L   O T T O   H Y

 

Weitere Werke von Karl Otto Hy

 

 

Monstranzenbaum bei Wiesbaden-Frauenstein

Kohle auf Zeichenpapier, komplett aufgezogen auf weißen, leichten Karton, in Passepartoutmaske befestigt
u.r. datiert „1929“

Passepartoutgrösse: 38,8×48,8cm
Blattgrösse: 31,8×26,2cm

nicht betitelt
u.r. signiert „KO HY“

€ 360,-

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Zustand
Blatt komplett aufgezogen auf weißen, leichten Karton, dieser in Passepartoutmaske befestigt; Blatt mitunter leicht wellig; im Bereich u.r. schwache diagonal verlaufende Knickspur; im Bereich o.r. leichte Quetschung; linker Blattrand mit Abrissspuren; in den Randbereichen etwas fleckig; Passepartout etwas nachgedunkelt und leicht fleckig

 

 

Nach einer Lehre zum Dekorationsmaler, besuchte Karl Otto Hy die Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29). Seine damaligen Lehrer waren u.a. Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958) und Otto Arpke (1886-1943). Bereits neben seinem Studium arbeitete er für den bedeutenden Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971) und auch in der Folgezeit war er an zahlreichen Restaurierungen und Gestaltungen von Bauwerken beteiligt.
Vorliegende auf 1929 datierte Zeichnung ist in die Zeit kurz vor oder kurz nach Beendigung der Studienzeit einzuordnen. Hy nimmt sich einem ganz traditionellen Sinn entsprechend der Darstellung einer regional markanten Sehenswürdigkeit an. Der dargestellte sogenannte Monstranzenbaum stand am Fuße des Grauen Steins bei Wiesbaden-Frauenstein. Diese Eiche soll einer Legende nach dadurch entstanden sein, dass im Mittelalter eine Äbtissin des Klosters Tiefenthal die heilige Monstranz im Wald vergrub, um sie so vor Kriegswirren und Plünderung zu schützen. Um das Versteck wieder zu finden, pflanzte sie daneben einen neuen Baum. Später fand sie diese Stelle jedoch nie wieder und starb schließlich bei der Suche danach vor Erschöpfung. Der von ihr gepflanzte Baum wuchs in Form einer Monstranz heran, was schließlich zu dem Namen führte. Um 1980 starb die Eiche ab und musste schließlich im Herbst 2009 aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Der Stamm wurde an Ort und Stelle liegen gelassen.
In satten, festen Strichen lässt Hy das Bild jenes signifikanten Baumes entstehen, der sich in seinem oberen Bereich weit verzweigt und verästelt und dadurch eine ungemeine Fülle und Lebendigkeit vermittelt.
Sehr schön gezeichnete, schnell erfasste Komposition aus dem verhältnismäßig frühen Schaffen Karl Otto Hys!

 

 

Zu Karl Otto Hy (28.10.1904 Rüdesheim – 05.04.1992 Wiesbaden):
Maler, Zeichner, (Werbe-)Grafiker, Architekt; 1911 Zuzug von Rüdesheim nach Wiesbaden; Schulbesuch in Heidelberg und Wiesbaden; erster Kunstunterricht in der privaten Malschule von Hermann Bouffier (Wiesbaden), daneben Besuche im Atelier von Kaspar Kögler (1838-1923); 1919 Ende der Schulzeit und anfänglicher Wunsch Schlosser zu werden, da es aber hierbei keine freien Lehrstellen gab, ging er in die Ausbildung zu einem Dekorationsmaler; 1925-29 Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (u.a. bei Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958), Otto Arpke (1886-1943)); neben dem Studium arbeitete Hy bei dem Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971); ab 1930 freischaffend tätig, zu seinen Kunden zählten v.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien, Hotels; daneben auch als Architekt tätig; 1937 Ausgestaltung der Wandelhalle in der Herbert-Anlage mit Sgraffiti (Wiesbaden); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung in Frankfurt am Main, der Stadt des Deutschen Handwerks“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a.M.); 1942 zur Wehrmacht eingezogen und anschließend russische Kriegsgefangenschaft; 1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Pforzheim und von dort Umzug nach Wiesbaden; nach 1945 als Architekt in Wiesbaden tätig und dabei beteiligt bei Restaurierungen und Innenraumgestaltungen von u.a. dem Staatstheater, dem Kaiser-Friedrich-Bad, der Trauerhalle am Südfriedhof, des Großen Sitzungssaals des Magistrats; 1962 Umzug nach Georgenborn (Gemeinde Schlangenbad); ab 1978 Vorsitzender des „Rings bildender Künstler“; 1980 Beteiligung an der Ausstellung „Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen“ (Museum Wiesbaden, Wiesbaden); 1987 Ausstellung zusammen mit Franz Ruzicka (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden); 2014 vertreten bei der Ausstellung „Landschaftsbilder – ein Zwischenreich von Natur und Zivilisation aus Imagination und Realität“ (Kunstarche Wiesbaden e.V.); Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Wiesbaden („Frühling“, Öl, 1957), des Museums Wiesbaden („Die Kaiserstraße in Wiesbaden“, Öl, 1934), der Ortsverwaltung Wiesbaden-Dotzheim („Blick vom Neroberg über Wiesbaden“, Öl)

Literatur
HILDEBRAND, Alexander (1992): Akribie und Atmosphäre, in: Wiesbadener Leben; 6/1992; Seite 15
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen; Wiesbaden: Wilhelm Lautz; unpag. (Kat.Nr. 37-38)
„Karl Otto Hy. Optische Kultur – Wiesbadener Maler wird 80 Jahre alt“ (Autorenkürzel AH), in: Wiesbadener Kurier, vom 27./28.10.1984, Seite 9
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 42431199