K A R L   B L O C H E R E R

 

Weitere Münchner Künstler

 

karl-blocherer

 

Darstellung der Heiligen Familie

Öl auf leichtem Karton, aufgezogen auf Hartfaserplatte
u.r. datiert „1946“

Grösse: 44,5×55,5cm

u.r. monogrammiert „Bl“
nicht betitelt

€ 700,-

 

 

 

 

                      

 

Zustand
Ecken/Ränder leicht bestoßen; partiell etwas beschmutzt; im Bereich u.l. (bei dem Weiß) vereinzelte leichte Verluste der Farbschicht; verso Platte leicht fleckig, sowie rechts mittig Etikett „Ernst Groß / Glasermeister / Fachgeschäft für Bilder / und Bildereinrahmungen / Frankfurt a.M. […]“

 

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandten sich teils aus persönlichem Antrieb, teils aufgrund erhaltener Aufträge manche Vertreter des expressiven Realismus, wie bspw. Leo von Welden, auch religiösen Motiven zu (vgl. hierzu Erich Schneider (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 349). Bei Karl Blocherer ist dagegen eine Kontinuität zu sehen, tauchen doch Arbeiten mit sakralem, biblischem Inhalt schon zuvor in seinem Schaffen auf.
Das vorliegende Werk entstand 1946 – ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs und zwei Jahre nach der Zerstörung der 1915 gegründeten „Blocherer-Schule für angewandte Kunst und freie Malerei“. In eben diesem Jahr 1946 wurde die Schule wieder aufgebaut und der Unterricht wurde fortgesetzt.
In gedämpftem Kolorit eröffnet sich ein Blick auf die Heilige Familie. Links steht Josef in einem graubräunlichem Mantel, der sich in seiner Farbgebung schon sehr der hintergründigen Zimmerwand annähert. Der Kopf Josefs ist nach vorne zum Jesusknaben gestreckt, den er mit der rechten Hand sanft an den Füßen berührt. Dieser Rechtsdrang wird ausgeglichen durch die leicht nach links weisende Schräge des Körpers, welche Josef durch das Aufstützen seiner linken Hand auffängt. Maria ist am farbenprächtigsten gekleidet und lockert die ansonsten tonige Komposition mit ihrem Türkis, Violett und Rot deutlich ins Fröhliche auf. Ihr Blick ist liebevoll und zutraulich auf Josef gerichtet, dem sie sanft ihre rechte Hand auf die Schulter legt. Das Jesuskind auf ihrem linken Arm und sie selbst haben um ihr Haupt einen zarten Heiligenschein.
Neben der Farbgebung besticht das Werk durch die malerisch dargestellte Beziehung der Personen untereinander, die sich durch Blicke, Gesten und Berührungen ausdrückt. Jeder ist hierdurch in Kontakt mit den jeweils andern Beiden.
Ungemein gefühlvoll interpretierte, expressiv-realistische Komposition dieses sakralen Motivs!

 

 

Zu Karl Blocherer (06.04.1889 München – 28.11.1964 ebd.):
Maler, Grafiker, Kunsterzieher; 1907-13 Besuch der Kunstgewerbeschule München und der Kunstakademie München (bei Karl Caspar, Julius Diez); Meisterschüler von Franz von Stuck; 1912 Italienreise; 1915 Gründung der „Blocherer-Schule für angewandte Kunst und freie Malerei“ durch Wilhelmine Boßhardt; 1918 Heirat mit Wilhelmine (Minni) Bosshard und Übernahme der Leitung der Schule; 1921 Geburt der Tochter Annemarie; 1931 Vorsitzender der Münchner Künstlergenossenschaft; 1931 erhält er Ruf an das Wells College in New York; 193 Beteiligung an der „Sonderausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft“; 1934-35 Beteiligung an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1934 Beteiligung an der „Sommerausstellung“ der Münchner Künstlergenossenschaft; 1935 Beteiligung an der Ausstellung „Münchner Kunst“ (Neue Pinakothek); 1935 Beteiligung an der Ausstellung „Münchner Künstler“ (Preußische Akademie der Künste, Berlin); 1936 Beteiligung an der Ausstellung „50 Jahre Münchner Landschaftsmalerei und Bildnisplastik“ (Neue Pinakothek); 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Figur und Komposition im Bild und an der Wand“ (Neue Pinakothek); 1938, 1942 Beteiligung an der „Münchner Kunstausstellung“ (Maximilianeum); 1944 Zerstörung der Blocherer-Schule und Fortsetzung des Unterrichts in Ausweichräumen in der Prinzenstraße; 1946 Wiederaufbau und Fortführung der Schule; ab 1966 Übernahme der Schulleitung durch die Tochter Annemarie Frfr. Loeffelholz von Colberg, geb. Blocherer

Literatur
LUDWIG, Horst (1989): Franz von Stuck und seine Schüler; Villa Stuck; München; S. 345
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 51