J U L I U S   V O N   K R E Y F E L T

 

 

julius-von-kreyfelt

 

Stallinneres mit einer Kuh

Öl auf Leinwand, doubliert, Keilrahmen, gerahmt
nicht datiert

Rahmengrösse: 64,7x83cm
Leinwandgrösse: 52,5×71,5cm

u.l. in Rot signiert „J. von Kreyfelt“, sowie etwas darüber in Schwarz monogrammiert „JvK“
nicht betitelt

€ 1.200,-

 

 

 

                 

 

Zustand
Leinwand doubliert; partiell leicht beschmutzt; mitunter leichte, dezente Retuschen; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben)

 

 

„Eine neue Zeitrechnung begann für das Malerdorf Kleinsassen im Jahre 1883 mit dem Besuch des 20jährigen Kunststudenten Julius von Kreyfelt, der bis zu seinem Tode 1947 als Bürger des Ortes, als künstlerische Autorität und Kunstmäzen dessen Blütezeit maßgeblich beeinflußt hat“ (Paul Birkenbach (1994): Künstlerleben – Lebenskünstler. Paul Klüber, Julius von Kreyfelt und das Malerdorf Kleinsassen; Parzeller; Fulda; S. 33).
Nachdem Kreyfelt noch während seines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf das erste Mal nach Kleinsassen kam, kehrte er fortan jährlich dorthin zurück, bis er sich schließlich 1887 ganz dort niederließ. Noch in demselben Jahr heiratete er die verwitwete Sophie Voiges, die Tochter des Besitzers der Gastwirtschaft „Oberwirt“. Neben dieser Lokalität entstand bald das „Haus Kreyfelt“, welches zentraler Anlaufpunkt für Künstler und Kunstinteressierte des rege besuchten Malerdorfs war. Julius von Kreyfelt wurde zu einer zentralen Figur im Dorfleben und zu einem bedeutenden Gestalter und Förderer der Malerkolonie.
Das Motiv des vorliegenden Gemäldes wird Kreyfelt wohl in bzw. um Kleinsassen gefunden haben. Er eröffnet uns einen Blick in einen rustikal gemauerten Stall, der nur durch ein kleines Fenster im Bereich oben links erleuchtet wird. Durch diesen begrenzten Lichteinfall wirkt der gesamte Raum in seiner Farbgebung dunkel tonig und es bedarf einer Zeit, um einzelne Konturen und Elemente aus der durchaus detailreichen Szenerie voneinander scheiden zu können. Zentral im Bild steht eine Kuh, die ihren Kopf dem Fenster entgegen streckt. Das Sonnenlicht scheint ihr auf den Kopf und zeichnet sich zudem immer wieder in helleren Partien des Fells ab. Auf dem Boden liegt vereinzelt Stroh, ebenso wie sich noch Stroh in der Vorrichtung an der Wand rechts befindet.
Deutlich sind das Spiel des Lichts und das damit verbundene Spiel der Farben zentral in diesem Gemälde. Denn obgleich dieses vordergründig düstere Stallinterieur nur durch ein kleines Fenster erleuchtet wird, zeigt sich doch eine erstaunliche Mannigfaltigkeit der Farbpalette, wodurch es Julius von Kreyfelt gelingt auf eine herausragende Manier diese ausschnitthafte ländliche Stimmung malerisch festzuhalten.

 

 

Zu Julius von Kreyfelt (19.7.1863 Düsseldorf–23.4.1947 Kleinsassen):
Maler; fünftes Kind des königlich-preußischen Hauptmanns und kaiserlichen Majors Emil von Kreyfelt; von Jugend an bestanden künstlerische Neigungen; 1879-86 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf (u.a. bei Friedrich Preller d.J.); 1883 kam er durch Friedrich Preller d.J. das erste Mal in das Rhöndorf Kleinsassen; 1887 erneuter Aufenthalt in Kleinsassen und fortan dort ansässig; 1887 Heirat mit Sophie Voiges, geb. Schmitt, Witwe des Malers Edmund Voiges, welche Erbin der Gastwirtschaft „Oberwirt“ war in dem dann ein Künstlerheim eingerichtet wurde; Kreyfelt wurde damit zu einer zentralen Figur sowohl in der Gemeinde als auch innerhalb der Aktivitäten der Kleinsassener Malerkolonie; im Späteren erbaute Kreyfelt ein vierstöckiges Hotel („Haus von Kreyfelt“) mit 18 Fremdenzimmern und drei Künstlerateliers; das Haus Kreyfelt war ein kultureller Treffpunkt bei dem u.a. Adolf Dochnahl aus seinen Gedichten vorlas, Violine spielte, oder auch der Dichter Ludwig Nüdling seine Stücke uraufführte; 1919-24 Bewirtschaftung der Milseburghütte des Rhönklubs; 1930 verstarb seine Frau Sophie und etwas später heiratete er erneut; Anfang der 1930er Jahre wohnte er für ein paar Jahre in einer Wohnung in Fulda; da seine zweite Frau ‚nichtarischer Abstammung‘ war, wurden ihm Beteiligungen bei größeren Kunstausstellungen erschwert oder versagt; 1936 & 1937 Beteiligung an der „Kunst-Ausstellung Weihnachten“ des Bundes Fuldaer Künstler (Künstlerheim am Steinweg, Fulda)

Literatur / Quelle
BIRKENBACH, Paul (1994): Künstlerleben – Lebenskünstler. Paul Klüber, Julius von Kreyfelt und das Malerdorf Kleinsassen; Parzeller; Fulda
Internetseite des Rhön-Lexikons [rhoen.info]