J O S E F   F U T T E R E R

 

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Weitere Werke von Josef Futterer

 

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Kollektion von zehn Portraitzeichnungen ‚bajuwarischer Originale‘

Bleistift und Farbkreiden auf Karton; unter Passepartout; gerahmt; unter Glas
nicht datiert, (wohl) um 1900

Rahmengrösse: 133,9×20,9cm
Portraitgrösse: je 10,3cm (Durchmesser)

3 x signiert, 5 x monogrammiert, 2 x unsigniert
nicht betitelt

€ 3.800,-

 

                                      

 

Zustand
mitunter etwas nachgedunkelt und leicht fleckig; die ersten drei Portraits von rechts oberflächlich leicht aufgeraut bzw. Zeichengrund etwas beschädigt; Rahmenrückwand leicht fleckig

 

 

„Wiederholt wird Josef Futterer – im Gegensatz zu seinem zurückhaltenden Bruder August – als lebensfroher Charakter und geselliger Unterhalter beschrieben. Zahlreiche Proträts vor allem von Schriftstellern wie Waldemar Bonsels, Roda Roda oder Lion Feuchtwanger, geben Einblick in sein künstlerisches und soziales Umfeld, das der mitten in Schwabing ansässige Maler um 1900 in der Münchner Künstlerszene fand“ (Constanze Neuendorf-Müller (2009): Künstlerisches Umfeld im Dunst der Münchner Künstlerkneipen, in: Jörg Paczkowski (Hrsg.) (2009): „Was ist, das ist auch darstellbar“ Werke von August und Josef Futterer [Wertheimer Museumsschriften, Heft 21/2009]; arsiris; Lauda-Königshofen; S. 47-53 [hier: 47]).
Josef Futterer beteiligte sich an Schwabinger Künstler-, Faschingsfesten, er war häufiger Gast in Schwabinger Kneipen wie dem „Simplicissimus“ (‚Simpl‘), dem „Mathäser“, dem Café Luitpold oder dem Café Stephanie. Neben geselligen Runden, Stammtischgesprächen, und dem Musizieren auf seiner Mundharmonika (dem ‚Fotzhobel‘) zeichnete er zahlreiche Porträts von anderen Gästen, von Freunden, Bekannten.
Die vorliegende Kollektion aus zehn Porträtzeichnungen wird in diesem Schwabinger Kneipenumfeld entstanden sein. Gezeigt werden zehn ‚bajuwarische Originale‘, die in ihrer Größe vielleicht gerade den Umfang eines Bierdeckels haben. Ihrem Blick und ihrer Haltung nach sind die Dargestellten der Mitte hin ausgerichtet, wodurch die Zusammengehörigkeit der zehn Charakterköpfe schön veranschaulicht wird. Alle zehn tragen Kopfbedeckungen, die jedoch allesamt ein Unikat zu sein scheinen. Kein Hut, keine Mütze gleicht einem bzw. einer anderen. Und ganz ebenso zeichnet Futterer neun von zehn Porträtierten mit Zigarette, Zigarre, Pfeife oder etwas anderem im Mund. Mal groß, mal klein, mal fest im Mundwinkel nach oben gerichtet, mal locker nach unten hängend. Allesamt sind sie in ihrer ganz eigenen Individualität trefflich dargestellt.
Obgleich Josef Futterer immer wieder karikierende, humorvolle Porträtzeichnungen schuf, so stellt die vorliegende Kollektion in ihrer signifikanten Zusammengehörigkeit zweifelsohne eine Besonderheit dar.

 

 

Zu Josef Futterer (12.02.1871 Mondfeld (bei Wertheim a.M.) – 20.02.1930 München):
Maler, Zeichner; Bruder von August Futterer (1865-1927); als Künstler Autodidakt; 1885 Übersiedlung nach München; Franz von Defregger lehnt ihn an der Kunstakademie ab, da er dort nichts mehr lernen könne; Adolf Menzel erbittet sich ein Bild Futterer im Tausch gegen zwei seiner Bilder; um 1900 Arbeiten für die Zeitschriften „Meggendorfer Blätter“, „Jugend“, „Simplicissimus“; es entstehen zahlreiche Künstlerporträts und Skizzen aus dem Münchner Kneipenleben; 1911 das Gemälde „Kopistin in der Galerie“ wird von Hugo von Tschudi für die Pinakothek in München angekauft; 1912 wurden August und Josef Futterer Ehrenbürger von Mondfeld; 1915 Ernennung zum Königlichen Professor der Akademie der Wissenschaft; 1923 Übersiedlung nach Berlin, dort Kontakt zu Max Liebermann und Beitritt zur Berliner Secession; 1927 Rückkehr nach München 

Literatur
LUDWIG, Horst (1993): Münchner Maler im 19. Jahrhundert [Band 5: Achmann-Kursell]; Stiebner Verlag; München; S. 263
PACZKOWSKI, Jörg (Hrsg.) (2009): „Was ist, das ist auch darstellbar“ Werke von August und Josef Futterer [Wertheimer Museumsschriften, Heft 21/2009]; arsiris; Lauda-Königshofen
REINER, Hermann (1981): Münchner Impressionisten der zwanziger Jahre; Verlag H. Reiner; Babenhausen; unpag.