I R M A   V O N   M Ü L L E R

 

Weitere Münchner Künstler

 

 

„Distelstudie (klein)“

Mischtechnik (Aquarell, Tempera, Buntstifte, Bleistift) auf Karton (dieser zugleich Rahmenrückwand), gerahmt (Originalrahmen), unter Glas
o.r. in Weiß datiert „[19]39“

Rahmengrösse: 40,8×37,5cm
Kartongrösse: 35×31,8cm

verso auf dem Einlieferungsetikett zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (1940) von der Künstlerin in dunkler Tinte bez. „Distelstudie (klein)“

€ 950,-

Kaufanfrage

 

 

Signatur
o.r. in Weiß signiert „I. von Müller“, sowie verso auf dem Einlieferungsetikett zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (1940) von der Künstlerin mit deren Namen und damaliger Adresse bez.

Zustand
Karton mitunter leicht uneben beschnitten; insgesamt Karton gleichmäßig sehr leicht nachgedunkelt; am unteren Rand mehrere Annotationen in Blei (unter Rahmen nicht sichtbar); Kartonränder etwas bestoßen (am linken Rand oben etwas stärker); in den Randbereichen leicht fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, kleine sauber restaurierte Schäden)

Ausstellung
eingeliefert (aber ausjuriert) für: 27.07.1940 – 02.03.1941, „Große Deutsche Kunstausstellung“, München [„Haus der deutschen Kunst“] [hierzu verso (teilweise abgerissenes) Einlieferungsetikett mit (Nummerierungs-)Einträgen zum Jurybuch, Kiste und Stoß]

 

 

Über eine künstlerische Ausbildung von Irma von Müller ist nichts bekannt, doch mag man bei den überlieferten, überaus fein ausgeführten Werken gut an den Besuch einer (privaten) Mal-, Zeichenschule zu denken sein. Dass die Qualität der Arbeiten auch von Außenstehenden erkannt wurde, belegt der Hinweis ihres Mannes, wonach sowohl kleine Aufsätze als auch Abbildungen von Zeichnungen Eingang in die „Gaceta de Munich“, einen Ableger der „Münchner Neuesten Nachrichten“ für den spanischsprachigen Kulturkreis fanden (vgl. hierzu: Karl Alexander von Müller (1966): Im Wandel einer Welt; München: Süddeutscher Verlag; S. 71f.). In späteren Jahren erschienen Zeichnungen u.a. in der Zeitschrift „Tegernseer Tal“.
Anzunehmen ist, dass Irma von Müller ihrer künstlerischen Tätigkeit nur nachgeordnet nachgehen konnte. Als Gattin des stets vielbeschäftigten und viele Ämter innehabenden Historikers Karl Alexander von Müller, besorgte sie wohl vor allem den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder. Daneben pflegte das Ehepaar zahlreiche Kontakte zu Vertretern des damaligen Kultur-, und Wissenschaftslebens, wie beispielsweise Gottfried Feder (1883-1941), der mit einer Schwester der Künstlerin verheiratet war, Rudolf John Gorsleben (1883-1930), Helene Raff (1865-1942), Erna Hanfstaengl (1885-1981), Ludwig Thoma (1867-1921), Josef Hofmiller (1872-1933).
Vorliegende Distelstudie wurde von der Künstlerin zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ des Jahres 1940 eingeliefert, von der dortigen Jury jedoch ausjuriert. Es war auch nur diese Schau im „Haus der Deutschen Kunst“ bei der Irma von Müller mit zwei Aquarellen bzw. aquarellierten Zeichnungen vertreten war. Ob sie davor bzw. danach noch Versuche zur Einlieferung unternahm ist nicht bekannt.
Sowohl die beiden ausgestellten Werke – „Wicke mit Schmetterlinge“ und „Alpines Blumenstück“ – zeigen ebenso wie auch die vorliegende Arbeit die Vorliebe für alpine, florale Motive. Diese herbstliche „Distelstudie“ ist dabei überaus zart und detailliert ausgeführt. Vor einem bräunlich schwarzen Hintergrund liegen scheinbar gänzlich zufällig ausgewählte (Silber-)Distelstängel samt Blüten. Insbesondere durch die raumgreifenden Blätter, gelingt es der Künstlerin eine beachtliche Bildtiefe zu vermitteln.
Sehr schöne Blumenarbeit Irma von Müllers, von der nur selten Werke zu finden sind.

 

 

Zu Irma von Müller (07.11.1885 München – 1965):
Malerin, Zeichnerin; Tochter des Münchner Privatiers und Fabrikanten Georg Richter (1830-1902) und dessen Frau Luise, geb. Schmidt (1849-1920); geschiedene Gollwitzer; 09.04.1919 Heirat mit dem Historiker und Universitätsprofessor Karl Alexander von Müller (20.12.1882 München – 13.12.1964 Rottach-Egern), die Trauzeugen waren der Bruder des Ehemanns Albert von Müller und Gottfried Feder (1883-1941), der mit Elisabeth, der Schwester der Ehefrau, verheiratet war; mit Gottfried Feder war das Ehepaar Müller bis zu dessen Tod eng verbunden, K.A. von Müller hielt 1941 die Gedächtnisrede für Feder; das Paar hielt sich ab 1919 immer wieder in Murnau auf, wo auch Feder ansässig war; im Haus des Ehepaars Feder trafen die Müllers mit verschiedenen Personen des kulturellen und politischen Lebens zusammen (u.a. 1920 mit Mathilde v. Kemnitz (die spätere zweite Frau Erich Ludendorffs)); um 1920 gesundheitsbedingt längere Zeit im Isartal ansässig (der Ehemann pendelte zwischen Irschenhausen und München); zu dieser Zeit wurden kleine Aufsätze und Abbildungen von Zeichnungen in der „Gaceta de Munich“ (Ableger der „Münchner Neuesten Nachrichten“ für den spanischsprachigen Kulturkreis) veröffentlicht; um 1934 wohnte das Paar in der Mauerkircherstraße 12/4, später in der Keplerstraße 1 in München; ab 1939 Mitglied der Reichskulturkammer der bildenden Künste; 1939 Beteiligung an der „Münchner Kunstausstellung“ (Maximilianeum, München); 1940 Beteiligung mit zwei Werken an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (Haus der deutschen Kunst, München); in den 1950er Jahren erscheinen Zeichnungen Irma von Müllers in der Zeitschrift „Tegernseer Tal“