H I L D E   B Ö K L E N

 

Weitere schwäbische Künstler

 

Hilde Böklen

 

Kopf eines Kamels

Öl auf fester Pappe, gerahmt
u.r. in Schwarz datiert (letzte Ziffer etwas undeutlich) (wohl) „1917“

Rahmengrösse: 24,3×25,6cm
Bildgrösse: 20×20,5cm

u.r. in Schwarz signiert „H. Böklen“, sowie verso o.r. nochmals (wohl) von fremder Hand in Blei bez. „Böklen“
nicht betitelt

€ 660,-

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Zustand
in den Randbereichen mitunter sehr leicht berieben mit partiellen kleineren Verlusten der Farbschicht; Pappe in den Randbereichen teilweise etwas uneben zugeschnitten; verso etwas fleckig, sowie o.r. und u.r. in Blei bez. (wohl von früherem Rahmenmacher)

 

 

Hilde Böklen ist insbesondere für ihre Darstellungen von Tieren bekannt, die zugleich auch den Großteil ihres umfangreichen Schaffens ausmachen. „Neben den farbenfrohen Vogelbildern von Papageien, Geiern, Flamingos, Störchen und Kakadus sind es vor allem die Raubkatzen, die sie in ihrem typischen, breiten Pinselstrich auf die Leinwand bannte“ (Thomas Maier / Bernd Müllerschön (2000): Die Schwäbische Malerei um 1900; Druckerei Scharr; Stuttgart; S. 137-139).
Das vorliegende Gemälde eines Kamels fällt dieser Aufzählung folgend etwas aus der Reihe. Womöglich lässt sich ein Grund hierfür in der verhältnismäßig frühen Entstehungszeit finden, wonach dieses Werk noch vor 1920 entstand und damit in Böklens Ausbildungszeit einzuordnen ist. Nach dem Besuch der Städtischen Kunstgewerbeschule für Frauen in Stuttgart (1913-15) und der Frauenarbeitsschule (1915-16), nahm die Künstlerin Privatunterricht bei dem vor allem als Tiermaler bekannten Josef „Pepi“ Kerschensteiner (1864-1936). „Die entscheidenden Impulse und die malerischen Kniffe erfährt sie von Josef Kerschensteiner […]. ‚Pepi‘ Kerschensteiner, der Münchener-Stuttgarter Sausebraus und Bohémien, der eine Gemeinde malender Frauen um sich versammelt hat, prägt die Malerei der jungen Frau in Sujet und Malweise nachhaltig. Oft begleitet sie das Original Kerschensteiner auf seinen malerischen Streifzügen durch zoologische Gärten und Zirkusplätze, auf den Cannstatter Wasen und anderswo. Seine unakademischen Lehrsätze über Zeichnung, Proportion, Stimmung und über die ‚lebendige Frische des Vortrages‘ wird sie ein Leben lang beherzigen“ (ebd.; S. 138).
Von Kerschensteiner gibt es ein Gemälde, welches ein „Kamel vor grünem Zirkuswagen (auf dem Cannstatter Wasen)“ zeigt (Abb. in ebd.; S. 168). Und möglicherweise fand auch Hilde Böklen ‚ihr‘, in vornehmlich bräunlich tonigem Kolorit ausgeführtes, Kamel während eines solchen Stuttgarter ‚Streifzuges‘.

 

 

Zu Hilde Böklen (21.09.1897 Stuttgart – 15.02.1987 ebd.):
Malerin, Zeichnerin, Grafikerin; durch die Familie wurde Hilde Böklen bereits künstlerisch geprägt, der Großvater war Zeichenlehrer, der Vater Richard Böklen war Architekt in Stuttgart, ihr Onkel mütterlicherseits war Ludwig Finckh; Besuch des Korntaler Töchterinstituts; 1913-15 Besuch der Städtischen Kunstgewerbeschule für Frauen, Stuttgart (bei Magdalene Schweizer, Daniel Stocker); 1915-16 Besuch der Frauenarbeitsschule; 1917-21 Privatunterricht bei Josef Kerschensteiner; 1917 erste Einzelausstellung im Stuttgarter Kunstverein; 1919-21 Besuch der Kunstakademie Stuttgart (bei Robert Pötzelberger und Arnold Waldschmidt); 1923-25 Privatunterricht bei Heinrich von Zügel; 1927 tritt sie dem Ausstellerverband des Stuttgarter Künstlerbundes bei; Ende der 1920er Jahre wanderte die Familie aufgrund wirtschaftlicher Not für zwei Jahre nach Australien aus; 1931 Rückkehr in die schwäbische Heimat; Studienreisen führten sie immer wieder in verschiedene zoologische Gärten (neben der Stuttgarter Wilhelma u.a. nach Frankfurt a.M., München, Berlin, Karlsruhe, Palermo, Neapel); bis in die 1970er Jahre war Böklen künstlerisch tätig, im letzten Lebensjahrzehnt ließ ihre Sehkraft so stark nach, dass sie ihr Schaffen aufgeben musste; 1977 Ausstellung zum 80. Geburtstag in der Galerie Fischinger, Stuttgart; Hilde Böklen malte v.a. Tierdarstellungen, sowie Zirkus-, Artistendarstellungen; Werke befinden sich im Besitz der Stadt Reutlingen, des Stadtarchivs Stuttgart, der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart, des Regierungspräsidiums Stuttgart

Literatur
MAIER, Thomas / MÜLLERSCHÖN, Bernd (2000): Die Schwäbische Malerei um 1900; Druckerei Scharr; Stuttgart; S. 137-140
NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 24
NEUMANN, Edith (1999): Künstlerinnen in Württemberg; Klett-Cotta; Stuttgart; S. 36f.