H E R M A N N   S T R U C K

 

Weitere Berliner Künstler

 

Hermann Struck

 

„Palm Beach, Florida“

Aquarell über leichten Kohlevorzeichnungen auf Velinpapier
u.l. in Blei datiert „1913“

Blattgrösse: 25,5×17,6cm

€ 1.100,-

 

 

                    

 

u.r. in Braun signiert „Hermann Struck“
u.l. in Blei bezeichnet: „Palm Beach, Florida“; Vorlage bzw. Vorarbeit zur Lithographie „Aus Florida, Palm Beach“ (Nr. 394 L im Werkverzeichnis (Jane Rusel (1997): Hermann Struck (1876-1944); Peter Lang; Frankfurt a.M. et al.; S. 431 – erschienen als Teil der „Amerikanischen Reisebilder“ (1922, Tillgner Verlag; Berlin)))

Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; insgesamt leicht wellig; in der Blattmitte sehr schwach stockfleckig; im oberen Randbereich (recto & verso) horizontal verlaufende Bräunung des Papiers; unterer Blattrand links mit minimalem Papierverlust; verso etwas fleckig; verso an den oberen beiden Ecken Reste früherer Befestigung (kleine braune Klebestreifen); verso an den unteren beiden Ecken sehr leicht aufgeraut

 

 

„Im Frühjahr 1912 fuhr Hermann Struck als offizieller Vertreter der zionistischen Föderation Misrachi in die Vereinigten Staaten und hielt sich dort etwa zwei Monate auf. Er war mit der Aufgabe betraut worden, die amerikanische Misrachi, die in einzelnen Gruppen existierte, zusammenzuschließen und zu organisieren. Seine zweite Reise nach Amerika folgte dann ein knappes Jahr später, zu Beginn des Jahres 1913“ (Jane Rusel (1997): Hermann Struck (1876-1944); Peter Lang; Frankfurt a.M. et al.; S. 131).
Neben den zionistischen Tätigkeiten war Struck in den USA auch künstlerisch aktiv. Neben Ausstellungen entstanden mehrere Arbeiten, die später als Druckgrafiken insbesondere in der im Berliner Tillgner-Verlag erschienenen Mappe „Amerikanische Reisebilder“ veröffentlicht wurden (vgl. hierzu im WV 352 L – 395 L).
Bei der vorliegenden Ansicht aus Palm Beach handelt es sich um die Vorlage bzw. eine Vorarbeit zur Lithographie „Aus Florida, Palm Beach“ (L 394) aus eben dieser ‚Amerika-Mappe‘. Das Werk entstand bei Strucks zweiter Amerikareise 1913.
Im Vergleich zur Lithographie aus den ‚Amerikanischen Reisebildern‘ zeigen sich wenige, zarte Unterschiede (eine Abb. der Lithographie ist am Ende der Artikelbeschreibung als letztes Foto angefügt). So ist das Wasser in dem vorliegenden Aquarell noch deutlicher dargestellt. In seinem Blauton erhält es damit zugleich eine stärkere Rolle im Bildaufbau, wogegen es in der Lithographie nur durch wenige angedeutete Wellenbewegungen ausgedrückt wird. Selbiges lässt sich auch vom Himmel sagen, der sich im Aquarell zumindest dezent durch Wolkenbewegungen und ein zartes Blau zeigt, während die Lithographie hier jegliche Andeutungen ausspart. An den seitlichen Rändern lässt die Lithographie dagegen jeweils kleine Erweiterungen der Landstriche erkennen, die so in dem Aquarell nicht angelegt sind. Besonders deutlich ist dies am rechten Bildrand, bei dem sich in der Grafik noch die Blätter einer vierten hohen Palme zeigen. Diese, wie auch die in der Grafik etwas links davon positionierten kleineren Palmen, fehlen in der Aquarellansicht.
Trefflich heißt es bei Jane Rusel zu dieser zweiten Amerika-Reise: „Bei seinem zweiten USA-Aufenthalt 1913 reiste Struck bis nach Florida und Kuba. Die hier entstandenen graphischen Arbeiten, wie z.B. die Lithographien ‚Aus Florida, Palm Beach‘ (394 L) und ‚Farm auf Kuba‘ (395 L) erinnern mit den palmenbewachsenen kaum bebauten Landstrichen an Strucks frühe Palästina-Ansichten“ (ebd.; S. 140).

 

 

Zu Hermann Struck (06.03.1876 Berlin – 11.01.194 Haifa):
Maler, Zeichner, Grafiker; ab 1882 Besuch des Friedrich-Gymnasiums in Berlin; 1895-1900 Studium an der Kunstakademie Berlin; 1898 Mitbegründer des Turnvereins Bar Kochba (Berlin); Reise ins Oldenburger Land; 1898-99 Reise in die Niederlande; 13.11.1899 Verleihung des Reichenheim-Preises; 1900-01 erneute Reise in die Niederlande; 1901 Teilnahem am V. Zionistenkongress in Basel; seit 09.01.2902 gewähltes Mitglied der „Royal Society of Painter-Etchers & Engravers“ (London); 1902 Reisen nach Dänemark und England; 1903 Aufenthalte in Straßburg und Florenz; Reise über Wien, Venedig, Triest nach Ägypten und Palästina, die Rückreise erfolgte über Beirut, Konstantinopel und Wien; Ende Dezember 1903 Aufenthalt in Schreiberhau; 12.01.1904 Wahl zum ordentlichen Mitglied der Berliner Secession; 1904 Mitbegründer der religiös orientierten zionistischen Fraktion Misrachi in Deutschland; Lübeck-Aufenthalt; 1906 Reisen in die Niederlande, die Schweiz, nach Paris, Meran; Wahl zum Vorsitzenden der Misrachi; Mitglied des Bezalel-Komitees; 1907 Reisen nach London, Brügge, Delft, Amsterdam, Haag; Teilnahme am VIII. Zionistenkongress in Haag; 1908 Veröffentlichung der „Kunst des Radierens“ (bei Paul Cassirer, Berlin); Schweden-Reise; Aufenthalt in Baden-Baden; 06.12.1908 Tod des Vaters; 1909 Teilnahme am IX. Zionistenkongress in Hamburg; 1910 Reisen nach England und in die Niederlande; Aufenthalte in München, Venedig, Florenz, Mailand; 1911 Teilnahme am X. Zionistenkongress in Basel; Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“; Struck wird Vorsitzender der Misrachi; 1911 erscheint „Das graphische Werk von Hermann Struck“ (von Fortlage und Schwarz, bei Cassirer in Berlin); 1912 Reise nach London; zweimonatiger USA-Aufenthalt; Reise nach Zandvoord; 1913 erneute Reisen nach London, in die USA und die Niederlande; Kuraufenthalt in Karlsbad; Teilnahme am XI. Zionistenkongress in Wien; 1914 Aufenthalt in Budapest; Reise in den Harz; Mitglied des „Komitees für den Osten“; 1915 vier Reisen nach Polen als Mitglied der Kommission des „Jüdischen Hilfskomitees für Polen und Litauen“, sowie Polenreise als Mitglied des „Komitees für den Osten“; ab 1915 Militärdienst (beim Oberkommando Ost in Kowno, sowie bei Mitau); 1919 Teilnahme an den Friedensverhandlungen von Versailles als Sachverständiger für die jüdischen Fragen Osteuropas; Reisen nach Schierke und Braunlage; 1920 Heirat mit Mally Streisand; Hochzeitsreise nach Italien; zweimaliger London-Aufenthalt; 1921 Reise nach Palästina; Teilnahme am XII. Zionistenkongress in Karlsbad; 1922 Übersiedlung nach Palästina; 1923 Reise nach Berlin; Teilnahme am XIII. Zionistenkongress in Karlsbad; 1924 Reise nach Berlin; 1925 Teilnahme am XIV. Zionistenkongress in Wien; 1926 Reise nach Berlin; 1928 Reisen nach New York und Berlin; am 16.11.1928 verstirbt seine Mutter; 1929 Teilnahme am XVI. Zionistenkongress in Zürich; 1930-31 Reisen nach Berlin; 1932 Ernennung zum Ehrenmitglied des neueröffneten Tel Aviv Museums; Mitglied des Ausstellungskomitees des Palästina-Pavillons der Levante Messe in Tel Aviv; Kuraufenthalt in Bad Homburg; 1934-35 Kuraufenthalte in Marienbad; 1936 nach dem Tod Meir Dizengoffs wird Struck zu einem der Verwaltungstreuhänder des Tel Aviv Museums ernannt; 1937 Paris-Reise; 1939 Reisen nach Ägypten und Paris; am 11.01.1944 erliegt Struck einem Nierenleiden

Literatur
RUSEL, Jane (1997): Hermann Struck (1876-1944); Peter Lang; Frankfurt a.M. et al.