H E R B E R T   M A R X E N

 

Weitere Werke von Herbert Marxen

 

 

„Reichsbankpräsident Dr. Luther“

Tusche über Bleistift, auf Karton, verso an den oberen beiden Ecken in Passepartout gesetzt
nicht datiert, 1931

Passepartoutgrösse: 63,9×47,9cm
Blattgrösse: 44,4x32cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 40,5×27,2cm

u.r. monogrammiert, u.l. im Sammlungsstempel irrigerweise mit „Meyer-Brockmann, H.[enry]“ bez.
„Reichsbankpräsident Dr. Luther“ [Illustration für „Jugend“ (1931 (Jg. 36), Heft 32, S. 506), sowie u.l. neben dem Sammlungsstempel ebenso bez.]

€ 750,-

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Zustand
Blatt verso an den oberen beiden Ecken in Passepartout gesetzt; in den Randbereichen links und rechts sehr leicht wellig; Ecke u.r. mit kleinem Papierverlust; am unteren Rand mit schwachen (teilw. wegradierten) Annotationen in Blei (wohl Hinweise des Künstlers für den Drucker); partiell leicht fleckig; leichte Druckstellen im Blatt; verso u.r. klein in Violett bez. „40,“

Provenienz
Dr. Friedrich Wilhelm Denzel (München) [hierzu im Passepartout u.l. dunkelvioletter Stempel; weiterhin verso auf Blatt u.l. kleiner blauer Stempel „G+W D“ [(wohl) Georg + Wilhelm Denzel; Georg Denzel (1873-1959 war der Vater von Friedrich Wilhelm]]

 

 

Nach zahlreichen Versuchen sollte sich Ende der 1920er Jahre endlich der künstlerische Durchbruch für Herbert Marxen einstellen. Durch die Vermittlung eines Cousins des Künstlers wird der Berliner Schriftsteller Reinhard Koester (06.05.1885 Hagen – 06.06.1956 Berlin) auf Marxen aufmerksam. Koester schreibt zu dieser Zeit unter dem Pseudonym Karl Kinndt u.a. für den „Ulk“ und den „Simplicissimus“. Neben direkter Vermittlung verschickt Koester auch Originalzeichnungen an die „Kölnische Illustrierte Zeitung“, den „Simplicissimus“ und die „Jugend“, was jeweils auf deutlich positive Reaktionen in Form von Aufträgen stößt. Ab Herbst 1929 wird die Zusammenarbeit zwischen Marxen und der „Jugend“ immer enger.
Zu dieser Schaffenspahse schreibt Axel Feuß:
„Bald erscheinen zwei oder drei Zeichnungen des Künstlers in einer Ausgabe. Im Mai 1930 drängt der Chefredakteur […] Wolfgang Petzet den Künstler ‚nun wirklich und mit Beschleunigung daran zu gehen, Sie nach München zu verpflanzen, um uns noch näher als bisher zu verbinden.‘ Im Juni folgt Marxen diesem Ruf und arbeitet, abgesehen von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Flensburg um die Weihnachtszeit, bis zum September 1931 als künstlerischer Mitarbeiter der Zeitschrift in München. In dieser Zeit erscheinen dort über einhundertzwanzig Arbeiten des Künstlers. Mit ein bis drei Zeichnungen pro Heft wird er zum meist beschäftigten Zeichner der Jugend. Als das Blatt kurz darauf in finanzielle Schwierigkeiten gerät, geht Marxen nach Flensburg zurück. […] Im Januar 1933 geht die Zeitschrift in den Konkurs, wobei Marxen seine letzten Honorare verliert“ (Museumsberg Flensburg (Hrsg.) (2014): Politisch inkorrekt. Der Flensburger Karikaturist Herbert Marxen (1900-1954) [Ausstellung und Katalog v. Axel Feuß]; Druckhaus Leupelt; S. 20).
Die vorliegende Zeichnung erschien am 04. August 1931 im Heft 32 der „Jugend“ und damit bereits gegen Ende dieser von Feuß beschriebenen Hochphase in München.
Gezeigt wird der Reichsbankpräsident Hans Luther (10.03.1879 Berlin – 11.05.1962 Düsseldorf), dessen damalige Aktualität wohl insbesondere in seiner Rolle während der sogenannten Deutschen Bankenkrise des Jahres 1931 bestand. Durch Tuschfeder und –pinsel zeigt sich Luther in einer für Marxen typischen Manier. Ein flächiger, schwarzer Körper, bei dem allein die Extremitäten, sowie der Kopf durch Weiß bzw. durch feine Federstriche hervorstechen, lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche, nämlich das humorvoll herausgearbeitete Gesicht.
Sehr schöne Karikatur aus einer für Herbert Marxen bedeutsamen Schaffensphase!

 

 

Zu Herbert Marxen (27.01.1900 Flensburg – 28.07.1954 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; ein Jahr nach der Geburt stirbt sein Vater, seine dadurch verwitwete Mutter Dora, geb. Bahnsen, heiratet den Möbeltischler Martin Carstensen; 1906-14 Besuch der Volksschule Engelsby (die Familie wohnt in der Glücksburgerstraße 173); 1915-17 Büro- und Stationslehre bei den Leinbahnen des Landkreises Flensburg (Fridastraße), sowie Besuch der Kaufmännischen Pflichtfortbildungsschule; aus gesundheitlichen Gründen bricht Marxen die Lehre ab; 1917-21 Besuch der Kunstgewerblichen Fachschule in Flensburg (Juni 1918 bis April 1919 unterbrochen durch Kriegsdienst); 1921 Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg (bei Willi Titze); 1922 Mitglied im Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker; Marxen wohnt zu dieser Zeit in der Flensburger Bachstraße 21; 1922 entwirft er für die Flensburger Nordmarktage (17.-19. Juni 1922) ein Plakat, welches durch seinen (dezent) expressionistischen Stil eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit und der Presse hervorruft; der Flensburger Museumsdirektor Walter Heinrich Dammann (1883-1926) setzt sich sehr für Marxen ein und fördert diesen auch bis zu seinem Tod; 1924 Besuch eines Aktzeichenkurses an der Volkshochschule München; Oktober 1924 mehrwöchige Italienreise (Rom, Neapel, Insel Capri, Sorrent, Amalfi); 1925 Tod des Stiefvaters, was Marxen nach Flensburg zurückzwingt, da er sich um seine Mutter kümmern muss; 1925 & 1926 erhält er jeweils ein Stipendium des Stiftungsamtes der Stadt Flensburg in Höhe von jeweils 200,- Mark; 1925-27 als Gebrauchsgrafiker freischaffend tätig; 1926-27 entstehen erste satirische Zeichnungen für die „Flensburger Nachrichten“; daneben ist er als Werbegrafiker u.a. tätig für die Hefefabrik C.C. Christiansen, sowie für das Pianohaus Wendorff; 1928 Marxen liefert satirische Zeichnungen für die „Kölnische Illustrierte Zeitung“; ab Oktober 1928 ist Marxen freier Mitarbeiter der Wochenzeitschrift „Jugend“ (zw. Juni 1930 und September 1931 ist er dort auch künstlerischer Mitarbeiter); ab 1929 freier Mitarbeiter beim „Simplicissimus“; August 1932 aus finanziellen Gründen beendet die „Jugend“ das Arbeitsverhältnis mit Marxen; 1938 werden rund 200 Arbeiten im Flensburger Künstleratelier (Holm 22-26) beschlagnahmt; er wird in der Folge aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und arbeitet trotz Berufsverbots weiter als Gebrauchsgrafiker; zu dieser Zeit wohnt er in der Friesischen Straße 111; 1939-41 Kriegsdienst als Funker; 1941 wird er ausnahmsweise in die Reichskammer der bildenden Künste wiederaufgenommen und ist fortan erneut künstlerisch freischaffend tätig; 1942 Heirat mit der Buchhändlerin Hertha Knippenberg; 1944-45 Kriegsdienst und Gefangenschaft; nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin freischaffend tätig; ab 1948 kämpft Marxen behördlich und gerichtlich für eine Entschädigung für seine 1938 beschlagnahmten und seitdem verschollenen Werke; 1955, 1968 (mit Paul Flora, A. Paul Weber), 1982 Einzelausstellungen im Städtischen Museum Flensburg; 1983 Einzelausstellung im Stadt- und Schifffahrtsmuseum Kiel; Werke befinden sich u.a. im Besitz des Museumsbergs Flensburg (Nachlass), des Deutschen Plakatmuseums Essen, des Altonaer Museums (Hamburg), des Stadt- und Schifffahrtsmuseums (Kiel), des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf

Literatur
FEUß, Axel: Marxen, Herbert, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 40446679
Museumsberg Flensburg (Hrsg.) (2014): Politisch inkorrekt. Der Flensburger Karikaturist Herbert Marxen (1900-1954) [Ausstellung und Katalog v. Axel Feuß]; Druckhaus Leupelt
Städtisches Museum Flensburg (Hrsg.) (1982): Herbert Marxen (1900-1954) [Text und Katalog von Ulrich Schulte-Wülwer]; Ringsberg: Alsen