H E N R Y   G O W A

 

Weitere Werke von Henry Gowa

 

Henry Gowa

 

Porträt einer jungen, schwarzhaarigen Frau

Öl auf Leinwand, Spannrahmen, gerahmt
u.r. in Schwarz datiert „[19]45“

Rahmengrösse: 51x59cm
Leinwandgrösse: 38x46cm

u.r. in Schwarz monogr. „Go.“
nicht betitelt

€ 1.400,-

 

 

 

 

Zustand
schöner Zustand; Spannrahmen verso o.l. in Weiß nummer. „163“, mittig links und u.m. jeweils in Blau nummer. „330“ und u.l. klein in Blei nummer. „895“

 

 

Der aus Hamburg stammende Henry Gowa übersiedelte bereits 1933 aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach Frankreich. Von 1939 bis Juli 1940 war er u.a. in Les Milles inhaftiert, wo er sich mit Walter Hasenclever anfreundete. Nach seiner Entlassung unterhielt er Kontakte zur Résistance und engagierte sich in Emigrantenverbänden. 1943 flieht er in die Berge der Provence und hält sich mit Wissen des dortigen Bürgermeisters bis April 1944 in Le Broc verborgen. 1945 war er kurzzeitig in Paris ansässig, bevor er 1946 die Stelle als Leiter der neugegründeten Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken antrat.
Vorliegendes Porträt einer fast mädchenhaft wirkenden jungen Frau, entstand in dieser kurzen Zeitspanne zwischen seinem Versteck in Le Broc und dem Neubeginn in Saarbrücken. Hintergrund, Kleidung und auch die Haut der Frau zeigen sich in verschiedenen Abstufungen aus Rot und Violett, nur partiell aufgelockert durch weiße, hellblaue und schwarze Einschübe. Das schwarze, zart blau schimmernde Haar sticht deutlich aus dieser ansonsten beinahe tonig wirkenden Komposition heraus und unterstreicht zugleich die Blässe des Gesichts. Die zweifelsohne junge Frau erhält auf diese Weise einen kühlen, nachdenklich distanzierten Zug, der den Betrachter in seiner Schwere auf einschneidende Lebens- und Leidenserfahrungen zu verweisen vermag.

 

 

Zu Henry Gowa (25.05.1902 Hamburg – 23.05.1990 München):
Maler, Zeichner, Bühnenbildner; eigentlich Hermann Gowa; Sohn des Großhandelskaufmanns Siegmund Gowa und dessen Frau Therese, geb. Pollack; Abitur in Hamburg; 1922-25 Studium der Philosophie, Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte an der Universität München (bei Heinrich Wölfflin, Arthur Kutscher), sowie Studium der Malerei und Zeichnung an der Schule von Hans Hofmann, sowie Studium der Zeichnung an der Schule von Heinrich Knirr; 1925-33 Bühnenbildner an verschiedenen Theatern in München, Frankfurt, Halberstadt, Leipzig, Berlin, Schwerin; 1931 Einzelausstellung in der Galerie Schames (Frankfurt a.M.); 1933 Übersiedlung nach Paris und 1934 nach Nizza; 1935 Mitbegründer der „Union des peintres pour la Défense de l´art moderne“; 1938 zusammen mit Louis und Anna Valray und Marcel Millet Gründung eines Marionettentheaters in Nizza; 1939 Internierung im Fort Carré d´Antibes und später in Les Milles; in Les Milles Bekanntschaft mit Walter Hasenclever; Juli 1940 Entlassung aus Internierung; Heirat mit der Malerin Annie Roussel; Kontakt zur Résistance und Engagement für Emigrantenvereinigungen; im September 1943 flieht Gowa in die Berge der Haute Provence und hält sich bis April 1944 bei Le Broc versteckt; nach dem Zweiten Weltkrieg setzt er sich für eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich ein; nach 1945 erreichen seine Werke einen höheren Grad an Abstraktion und verlassen mitunter das Gegenständliche ganz; 1946-51 Leiter der Staatlichen Schule für Kunst in Saarbrücken; 1951-53 freischaffend in Paris; ab 1954 Leiter der Offenbacher Werkkunstschule, sowie Dozent an der Universität Köln und der Akademie Stuttgart; ab 1964 freischaffend in Berlin; Beitritt zum Deutschen Werkbund und dem BBK; 1966 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz; aufgrund von Diabetes wurden ihm beide Beine amputiert; 1985 gesundheitsbedingt verzog er nach München

Literatur
Familie Kay Rum (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S. 153-154
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.161-163
BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.65-66
Galerie Piorr (1984): H. Henry Gowa. Texte und Kritiken; Hamburg