H E N R Y   G O W A

 

Weitere Werke von Henry Gowa

 

Henry Gowa: Porträt der Ehefrau Anny mit Sohn Patrick

 

Porträt der Ehefrau Anny mit Sohn Patrick

Öl auf Leinwand, Spannrahmen, gerahmt
u.l. in Schwarz datiert „[19]43“

Rahmengrösse: 42,4×50,2cm
Leinwandgrösse: 32,5×40,5cm

u.l. in Schwarz signiert „Gowa“
nicht betitelt, verso auf Spannrahmen oben und unten in Schwarz mit der Werknummer bez. „C.R. 191“

€ 1.500,-

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Zustand
im Bereich o.m. (bei den Haaren der Ehefrau) Verlust der Farbschicht; im Bereich u.m. (etwa zwischen den Brüsten) Craquelé-Bildung und kleiner Verlust der Farbschicht; im Eckbereich u.l. kleiner Verlust der Farbschicht; Leinwand mitunter leicht an Spannkraft nachlassend

 

 

Die Identifizierung der Dargestellten als Gowas Ehefrau Anny mit dem gemeinsamen Sohn Patrick wurde freundlicherweise von Frau Chantal Gowa, Tochter des Künstlers, bestätigt.

 

 

Der aus Hamburg stammende Henry Gowa übersiedelte bereits 1933 aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach Frankreich. Von 1939 bis Juli 1940 war er in Fort Carré d´Antibes und später in Les Milles inhaftiert, wo er sich mit Walter Hasenclever anfreundete. Nach seiner Entlassung im Juli 1940 heiratete er die Malerin Anny Roussel. Er unterhielt Kontakte zur Résistance und engagierte sich in Emigrantenverbänden. 1943 floh er in die Berge der Provence und hielt sich mit Wissen des dortigen Bürgermeisters bis April 1944 in Le Broc verborgen. 1945 war er kurzzeitig in Paris ansässig, bevor er 1946 die Stelle als Leiter der neugegründeten Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken antrat.
Der Ehe mit Anny Roussel entstammten drei Kinder: Patrick (1942-1989), Chantal (geb. 1944) und Anne-Sabine (geb. 1947). Die hier dargestellte Szenerie aus dem Jahr 1943 zeigt den Erstgeborenen noch im Säuglingsalter wie er von seiner Mutter gestillt wird. Mit entblößtem Oberkörper sitzt sie auf einem Stuhl, hält ihren Sohn im Arm und blickt auf das kleine Menschlein nieder. Von den einschneidenden zeitlichen Umständen in denen Henry Gowa das Werk malte, ist in der ruhigen, beinahe zeitentrückten Darstellung nichts zu spüren.

 

 

Zu Henry Gowa (25.05.1902 Hamburg – 23.05.1990 München):
Maler, Zeichner, Bühnenbildner; eigentlich Hermann Gowa; Sohn des Großhandelskaufmanns Siegmund Gowa und dessen Frau Therese, geb. Pollack; Abitur in Hamburg; 1922-25 Studium der Philosophie, Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte an der Universität München (bei Heinrich Wölfflin, Arthur Kutscher), sowie Studium der Malerei und Zeichnung an der Schule von Hans Hofmann, sowie Studium der Zeichnung an der Schule von Heinrich Knirr; 1925-33 Bühnenbildner an verschiedenen Theatern in München, Frankfurt, Halberstadt, Leipzig, Berlin, Schwerin; 1931 Einzelausstellung in der Galerie Schames (Frankfurt a.M.); 1933 Übersiedlung nach Paris und 1934 nach Nizza; 1935 Mitbegründer der „Union des peintres pour la Défense de l´art moderne“; 1938 zusammen mit Louis und Anna Valray und Marcel Millet Gründung eines Marionettentheaters in Nizza; 1939 Internierung im Fort Carré d´Antibes und später in Les Milles; in Les Milles Bekanntschaft mit Walter Hasenclever; Juli 1940 Entlassung aus Internierung; Heirat mit der Malerin Annie Roussel; Kontakt zur Résistance und Engagement für Emigrantenvereinigungen; im September 1943 flieht Gowa in die Berge der Haute Provence und hält sich bis April 1944 bei Le Broc versteckt; nach dem Zweiten Weltkrieg setzt er sich für eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich ein; nach 1945 erreichen seine Werke einen höheren Grad an Abstraktion und verlassen mitunter das Gegenständliche ganz; 1946-51 Leiter der Staatlichen Schule für Kunst in Saarbrücken; 1951-53 freischaffend in Paris; ab 1954 Leiter der Offenbacher Werkkunstschule, sowie Dozent an der Universität Köln und der Akademie Stuttgart; ab 1964 freischaffend in Berlin; Beitritt zum Deutschen Werkbund und dem BBK; 1966 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz; aufgrund von Diabetes wurden ihm beide Beine amputiert; 1985 gesundheitsbedingt verzog er nach München

Literatur
Familie Kay Rum (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S. 153-154
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.161-163
BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.65-66
Galerie Piorr (1984): H. Henry Gowa. Texte und Kritiken; Hamburg