H E L M U T   G E O R G

 

 

 

„Erdabwehr“

Öl auf Leinen, Spannrahmen, gerahmt
u.l. datiert „[19]43“

Rahmengrösse: 45x54cm
Leinwandgrösse: 39,5x49cm

u.l. signiert „Georg“

€ 1.700,-

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Titel
„Erdabwehr“, so der Titel eines ganz ähnlichen Motivs in: Harald Seiler (1942): Flak an Rhein und Ruhr (hrsg. v. Luftgaukommando VI); Essen: Girardet; S. 62 (mit ganzseitiger Farbabb.)

Zustand
im Bildbereich mittig, sowie in den Eckbereichen mit deutlicher Craquelé-Bildung; in den Randbereichen etwas berieben; etwas fleckig; verso etwas fleckig

 

 

Herzlichen Dank an Frau Dr. Helga Kaiser-Minn für freundliche Hinweise zur Einordnung des Werks!

 

 

Ab 1936 studierte Helmut Georg an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine damaligen Lehrer waren Paul Bindel und Franz Kiederich. Noch im September 1939 führte ihn eine Reise nach Belgien, während welcher die Ausweitung des Zweiten Weltkrieges auf Frankreich und England ihn überraschte. „Kurz nach seiner Rückkehr aus Belgien wurde der vierundzwanzigjährige Künstler zum Kriegsdienst einberufen. Helmut Georg kam als ‚Künstler im Kriegseinsatz‘ in ein Bataillon der Luftwaffe. Vom Waffendienst weitgehend befreit, hatte er die Kriegsereignisse künstlerisch festzuhalten“ (Kunst aus NRW / Helga Kaiser-Minn (Hrsg.) (1998): Helmut Georg. Gemälde 1935-1985 [Text: Christmut Präger]; Aachen; S. 16).
Das vorliegende Gemälde entstand in dieser für den Künstler so einschneidenden Schaffensphase. Und ausführlicher schreibt hierzu Christmut Präger:
„Helmut Georg war während des Krieges an Einsätzen in der Sowjetunion am Ladogasee, bei Leningrad, im Kaukasus und in Nordafrika beteiligt, wobei anscheinend der Einsatzort mehrfach gewechselt wurde. Von den zwischen 1941 und 1943 entstandenen Arbeiten unbekannter Anzahl […] sind 52 erhalten. In der Malweise lassen sie den Einfluß des postimpressionistischen Lehrers Kiederich erkennen. Sie wurden mit vielen anderen Kriegsdarstellungen und neben reinen Propagandabildern nach dem Kriegsende von den amerikanischen Behörden beschlagnahmt und nach Amerika gebracht. Als 1987 [recte: 1986 (vgl. hierzu Veltzke 2005: 15)] ein großer Teil dieser Werke durch die Regierung der USA an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben wurde, befanden sich auch die 52 Werke Helmut Georgs darunter. Sie werden im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt verwahrt“ (ebd.).
In dem Band „Flak an Rhein und Ruhr“ (hrsg. v. Luftgaukommando VI; Essen: Girardet) findet sich eine ganzseitige Abbildung (S. 62) eines auf 1942 datierten Werkes von Helmut Georg, welches in deutlicher Beziehung zu dem vorliegenden Gemälde steht (eine Abb. der relevanten Katalogseite findet sich am Ender der unten stehenden Bilder). Vergleicht man die beiden Darstellungen, so zeigt sich das hier präsentierte, auf 1943 datierte Gemälde als freier und expressiver in seiner Farb- und Formensprache. Insbesondere die Konturen der Personen und der Landschaft sind schneller, flotter, um nicht zu sagen: studienhafter, umrissen und wirken dadurch weit dynamischer als das mehr ins Detail gehende Bild in der Publikation. Zuletzt zeigen sich bei dem vorliegenden Werk auch zwei markante Unterschiede in der Darstellungsweise. – Zum einen wird das Flugzeug, auf welches die Soldaten am Boden feuern, am oberen Rand nur noch ansatzweise – und eben nicht in toto – gezeigt. Zum anderen bildet die Brücke im rechten Hintergrund mehr eine Horizontale, während sie im Gegenpart als eine Diagonale mehr in die Bildtiefe führt.
Derartige frühe Arbeiten aus dem Kriegserleben Helmut Georgs sind gerade aufgrund des oben Geschilderten überaus selten. Und innerhalb dieser Werke wiederum, darf die hier gezeigte expressiv realistische Ausführung nochmals als eine Besonderheit gelten.

 

 

Zu Helmut August Kunibert Georg (18.04.1915 Lünen/Westf. – 13.12.1989 Bad Honnef):
Maler, Zeichner; 1934-36 Besuch der Kunstgewerbeschule Dortmund; 1936-39 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Paul Bindel und Franz Kiederich); 1939 Einberufung zum Kriegsdienst und fortan eingesetzt als Kriegsberichterstatter (u.a. in der „Staffel der bildenden Künstler“); nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Georg in Bad Honnef nieder; in der Folge ist Georg vertreten bei zahlreichen Ausstellungen; 1950 Mitglied der Recklinghausener Künstlergruppe „Junger Westen“; Ende 1953 zog er sich vermehrt aus der Öffentlichkeit zurück; ab 1960 Auftragsarbeiten für Firmen und öffentliche Gebäude; Anfang der 1960er Jahre wendet sich Georg der Abstraktion zu und zuletzt entstehen apokalyptische Werke in kühler, klarer Bildsprache Werke: Werke Helmut Georgs befinden sich in der Reichsabtei Aachen-Kornelimünster; im Museum Kunstpalast Düsseldorf, im Wilhelm-Lehmbruck-Museum (Duisburg), im Bayerischen Armeemuseum (Ingolstadt), sowie bei der Sparkasse Selhof. Ausstellungen (Auswahl): 1948 Beteiligung an einer Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins; 1948 Engelsburg, Recklinghausen, Beteiligung an einer Ausstellung der Gruppe „Junger Westen“; 1950 Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen, Beteiligung an einer Ausstellung der Gruppe „West-deutscher Künstlerbund“; 1952 Beteiligung an der Ausstellung „Painters from the Rhine“, Edinburgh; 1952 Beteiligung an der Ausstellung „Eisen und Stahl“, Kunstmuseum Düsseldorf; 1953 Beteiligung an der Ausstellung „Die Industrie in der Kunst der Gegenwart“, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm (Westf.); 1990, Kurhaus, Bad Honnef (Einzelausstellung); 15.11.1998 – 3.1.1999, „Helmut Georg. Gemälde 1935-1985“, Reichsabtei Aachen-Kornelimünster; 2004, Zentrum für Kunst und Kultur, Bad Honnef [zusammen mit Carlo Mense]

Literatur
Kunst aus NRW / Helga Kaiser-Minn (Hrsg.) (1998): Helmut Georg. Gemälde 1935-1985 [anläßlich der Ausstellung in der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Kornelimünster, 15.11.1998 – 3.1.1999]; Aachen
ENGELMANN, Ines Janet: Georg, Helmut August Kunibert, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 40380140
VELTZKE, Veit (2005):Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Bielefeld: Kerber; S. 250

 

 

 

aus: Harald
Seiler (1942): Flak an Rhein und Ruhr (hrsg. v. Luftgaukommando VI);
Essen: Girardet; S. 62