H E I N R I C H   K L E Y

 

„Bagger im Hafen“

Tempera auf Malkarton, aufgezogen auf Leinwand, gerahmt
nicht datiert, (wohl) um 1940-41

u.r. signiert „Kley“

€ 3.900,-

Kaufanfrage

 

Titel
„Bagger im Hafen“ – so betitelt im Katalog der „Großen Deutschen Kunstausstellung“, 1941 (München: Bruckmann; S. 47), sowie ebenso betitelt auf dem rückseitigen Etikett

Grösse
Rahmengrösse: 45,5x63cm
Kartongrösse: 33x51cm

Zustand
Karton aufgezogen auf Leinwand; Ecken des Kartons leicht bestoßen; im Bereich o.l. sehr leicht fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (partiell leichte, kleine Bestoßungen, leicht berieben); verso auf Rahmen u.l. und u.r. etwas farbschwacher bundesrepublikanischer Zollamtsstempel; verso o.m. aufgeklebtes Etikett mit Angaben zu Künstler, Titel, Technik, (vormaliger) Preis

Ausstellung
26.07.1941-08.03.1942, „Große Deutsche Kunstausstellung“, München [„Haus der Deutschen Kunst“], Nr. 556, Saal 30 (vgl. hierzu ebenso Kunkel (2010): 420)

Provenienz
Dr. Alfred Gunzenhauser (24.05.1926 Heidenheim – 16.11.2015 München) / Galerie Gunzenhauser, München

 

 

Große Deutsche Kunstausstellung
In den Jahren 1937–1941 beteiligte sich Heinrich Kley mit insgesamt acht Werken an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ (München). Ein Werk wurde dabei von Adolf Hitler („Generatoren im Bau (Leuna-Werke)“ (1938)) und eines von der Städtischen Galerie München („Kraftwerk Kachlet im Bau I“ (1940)) angekauft.

1937: „Tierstück“ (heute im Besitz des „Deutschen Historischen Museums“)
1938: „Generatoren im Bau (Leuna-Werke)“, erworben für 4.000 RM von Adolf Hitler
1939: „Der Betonierturm“
1940: „Kraftwerk Kachlet im Bau II“, erworben für 300 RM von Privat
1940: „Kraftwerk Kachlet im Bau I“, erworben für 300 RM von der Städtischen Galerie München
1940: „Fertigmontage M. in Neuruppin“
1940: „Klempnerei M. in Neuruppin“
1941: „Bagger im Hafen“

 

Aus: „Großen Deutschen Kunstausstellung 1941 im Haus der Deutschen Kunst zu München“; München: Bruckmann; S. 47

 

 

Werkbeschreibung
Schon früh kam Heinrich Kley mit der Industrie in Kontakt und erhielt Aufträge aus diesem Bereich. In den 1920er und 1930er Jahren intensivierten sich die Anfragen, so dass diese für den ansonsten sehr zurückgezogen lebenden Künstler neben seiner Illustrationstätigkeit zur Haupteinnahmequelle wurden. So schuf er Arbeiten für u.a. MAN, Minimax, Siemens-Schuckert, Junkers Luftverkehrs AG.
„Zu Beginn des Dritten Reichs verschwand Kley nahezu spurlos aus der Öffentlichkeit“ (Kunkel 2010: 206). Was einerseits auf die wenige Wochen vor der Machtübernahme veröffentlichte Federzeichnung „Die Zeitungsleser“ zurückzuführen ist, in welcher Kley durchaus offen sarkastisch seine Kritik gegenüber der NSDAP zeigte (Abb. in ebd.: 205). Andererseits verschlechterte sich der Gesundheitszustand des bereits 70jährigen Künstlers und zwang ihn zu mitunter langen Krankenhausaufenthalten.
„Erst auf der im Juli 1937 eröffneten Einweihungsausstellung des von den Nationalsozialisten in München errichteten ‚Haus der Deutschen Kunst‘ trat er wieder in Erscheinung. Ob er aus freien Stücken oder auf behördliche Aufforderung hin an dieser hochoffiziellen Schau teilnahm, ist nicht bekannt“ (ebd., 206). Kley nahm bei den jährlich stattfindenden „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ bis einschließlich 1941 mit insgesamt acht Werken teil. Der hier gezeigte „Bagger im Hafen“ war dabei das einzige Exponat im Jahr 1941 und damit das letzte Werk, das Kley dort überhaupt zeigte. Es hing im Obergeschoss des „Hauses der Deutschen Kunst“ im Saal 30 und wurde neben dem Aquarell „Enzian“ von Anna Daiber platziert.
Nota bene: entgegen der eigentlich angesetzten Ausstellungsverordnung stellte Kley erst Ende September 1938 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der „Reichskammer der bildenden Künste“, was an sich schon als ein Novum anzusehen ist. Diese Mitgliedschaft wurde zwar bewilligt, doch liest man in den Beurteilungen über seine Eignung durchaus deutliches Missfallen über Kleys Person (vgl. hierzu ebd.: 207, 389f.). Eine oftmals per se unterstellte NSDAP-Mitgliedschaft für alle bei den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ vertretenen Künstlerinnen und Künstlern lässt sich für Kley nicht belegen, doch ist eine solche oberflächliche Annahme an sich auch irrig, waren doch nach neuesten Erkenntnissen bei der letzten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Jahr 1944 von 450 ausstellenden Künstlern immerhin 192 (das sind 43%) keine Parteimitglieder. 213 Künstler (das sind 47%) hatten ein Parteibuch und bei den übrigen 45 Personen (10%) konnte diese Frage nicht abschließend geklärt werden (vgl. hierzu Brigitte Zuber (2011): Zur Entnazifizierung der Künstler der GDK (verschriftlicher Vortrag gehalten auf der Internationalen Tagung zur Freischaltung der Forschungsplattform GDK Research, 20.-21. Oktober 2011, München); S. 5 [abrufbar auf zikg.eu]). Und weiter schreibt Zuber zu dieser Frage: „Eine geringe Signifikanz ist erkennbar, dass die NS-Parteimitgliedschaft eher günstig war, um bei der GDK unterzukommen – doch sie war keinesfalls Bedingung, Voraussetzung oder gar Garantie“ (ebd.: 7). Der Kern dieser Aussage, das heißt die keinesfalls unbedingte Verknüpfung von Parteimitgliedschaft und künstlerischer Betätigung, zeigt sich auch bei einem Geschehen im Jahr 1943, das Arno Breker 1973 festhielt. Bei einem damaligen Mittagessen in Berlin, bei welchem neben Breker auch Himmler anwesend war, erfuhr Hitler von der Verhaftung Adolf Zieglers, Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, an der spanisch-französischen Grenze. Ziegler war wohl nach Spanien gereist, um nach Wegen zu suchen den Krieg zu beenden, weshalb ihm qua Gesetz ein Prozess wegen Hochverrat drohte. „Die Entscheidung Hitlers, nach der Berichterstattung Himmlers, fiel sofort: ‚Ziegler wird umgehend in Freiheit gesetzt! Sie müssen ein für allemal wissen, daß Künstler von Politik nichts verstehen. Künstler sind wie Parzival!'“ (zitiert nach: Arno Breker [1973]: Entscheidung für Picasso, in: Galerie für gegenständliche Kunst (Hrsg.) (2000): Arno Breker. Über allem Schönheit; Nürtingen: duktus; S. 58-60 [hier: 58]). Der Erwerb des Kley-Gemäldes „Generatoren im Bau (Leuna-Werke)“ 1938 durch Hitler lässt sich, von der rein künstlerischen Qualität abgesehen, auch vor dem Hintergrund dieser Aussage interpretieren.
Diese sich zeigende spannungsreiche Ambivalenz im Leben und Schaffen des Künstlers wird nicht zuletzt dadurch nochmals unterstrichen, dass 1939 die Reichsschriftumskammer Kleys 16 Jahre zuvor erschienenes „Sammelalbum“ (1923, München: Albert Langen) auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ setzte und in der Folge davon auch die im Langen-Verlag befindlichen Matrizen zerstören ließ. Nichstdestotrotz mag man in dem damals fast 80jährigen Künstler keinen dezidierten Gegner des Dritten Reichs, sondern vielleicht vielmehr einen apolitischen, auf seine Kunst bezogenen und für seine Kunst lebenden Menschen sehen. Insbesondere mit seinen Industrie- und Arbeitsdarstellungen genoss er Ansehen und beschickte mit seinen Werken, neben den erwähnten „Großen Deutschen Kunstausstellungen“, noch die Ausstellungen „Die Arbeit in der Kunst“ (1937, Ausstellungspark München), „Kunst und Technik“ (1939, Ausstellungsgelände der Stadt Dresden), „Kunst und Technik“ (1942, Haus der bildenden Künste, Dortmund), sowie im Jahr seines Todes die Schau „Westdeutsche Künstler – Münchner Zeichner“ (1943, Städtische Galerie München).
Die Szenerie des vorliegenden ‚Baggers im Hafen‘ zeigt sich mit ihren Temperafarben in einer matten, trüben Farbigkeit, die an einen Dunstschleier oder einen Morgennebel denken lässt. Die (noch) menschenleeren Boote liegen vor Anker, das mehr grüne als blaue Wasser fließt in ruhigen Wellen dahin und die im Hintergrund angedeutete Silhouette einer anonymen Großstadt erscheint durch die monochrome blaugraue Farbgebung eher wie eine kalte Mauer als ein lebendiges urbanes Treiben. Einzig der Schlot im mittleren Bildbereich sticht in seiner hellroten Ausführung, welche sich zudem signifikant im Wasser spiegelt, heraus. Eine gewisse Vitalität und Emotionalität wird auf diese Weise in das ansonsten sehr ruhige, beinahe schon trübe Arrangement gelegt.

 

 

 

 

Zu Heinrich Kley (15.04.1863 Karlsruhe – 08.02.1945 München):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; einziges Kind des Silberschmieds Theodor Kley (1831-1870) und dessen Frau Emma, geb. Roos (1841-1908); 1880 verlässt er 17-jährig noch vor dem Ablegen des Abiturs das Gymnasium, um Kunst zu studieren; 1880-85 Studium an der Kunstschule Karlsruhe (bei Ferdinand Keller); 1884 kurzer Studienaufenthalt in München; 24.05.1886 Heirat mit Theophanie Kräuter (1861-1922); 1885-86 Mitarbeit an der Ausgestaltung des Jubiläumsfestes zum 500-jährigen Bestehen der Heidelberger Universität, hierzu entwarf er 25 Zeichnungen für die „Ruperto-Carola. Illustrierte Fest-Chronik der V. Säcularfeier der Universität Heidelberg“, zudem entwarf er die Vorlage für das als Monumentalzeichnung geplante Leporello-Album „Festzug. Jubiläum der Universität Heidelberg 1386-1886“; als freischaffender Künstler verdiente Kley schlecht, verkaufte wenig und wandte sich deswegen vermehrt der Illustration zu; 1888-90, 1897, 1913, 1917, 1921-22 Beteiligungen an Ausstellungen im Münchner Glaspalast; 1888 veröffentlicht die Zeitschrift „Land und Meer“ zwei Zeichnungen Kleys, denen bis 1895 weitere folgten; im Weiteren schuf er noch Illustrationen für die „Meggendorfer Blätter“ und die „Jugend“; 1891 illustrierte er den Ritterroman „Löwenburg. Eine Geschichte aus Schwabens Vergangenheit“ (Bremen: Heinsius), dem weitere Buchillustrationen folgten; in den 1890er Jahren Studienaufenthalte in den Niederlanden und Belgien; 1891-92 schuf Kley zwei Wandgemälde für das Reichspostgebäude in Baden-Baden; 1897-98 schuf er für die Karlsruher Hofkunsthandlung Velten mehr als 100 Aquarelle mit Motiven aus deutschen Städten, die als Vorlagen für farbige Ansichtskarten dienten; 1901 wurde die Krupp Gussstahlfabrik (Essen) durch diese Postkarten auf Kley aufmerksam und beauftragte ihn Aquarelle der Fabrikanlagen zu malen; 1902 Wandgemälde für die Heidelberger Stadthalle; im Karlsruher Kunstleben konnte sich Kley nicht wirklich etablieren; ab 1908 als Illustrator für den „Simplicissimus“ tätig, was ihm Ansehen und Erfolg einbrachte; 1909 Umzug nach München; Bekanntschaft mit dem Galeristen Franz Josef Brankl, mit dem er in Geschäftsbeziehungen trat; 1913 erste Einzelausstellung in „Brakls Moderne Kunsthandlung“ (München); 1914-18 war Kley altersbedingt vom Militärdienst befreit, seine wirtschaftliche Situation verschlechterte sich zusehends und seine Frau und er hatten gesundheitliche Probleme; seine künstlerische Produktivität nahm ab; ab 1918 erneut vornehmlich als Illustrator tätig („Simplicissimus“, „Jugend“, „Der Orchideengarten“, „Exlex“, „Welt-Echo“, sowie für verschiedene Bücher); da sich der Gesundheitszustand der Ehefrau weiter verschlechterte zog sich das Paar mehr und mehr zurück; 1922 Tod der Ehefrau; durch die Hyperinflation verliert Kley nahezu alle Ersparnisse; er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück; ab Mitte der 1920er Jahre wurde Kleys Schaffen in den USA bekannt und seine Popularität nahm in den folgenden Jahren zu (zu seinen bekanntesten Bewunderern zählt Walt Disney (1901-1966)); 10.04.1928 zweite Heirat mit Emily Segisser, geb. Schmidt (1878-1970); in den 1920er und 1930er Jahren erhält er verschiedene Aufträge aus der Industrie (bspw. MAN, Grün & Bilfinger, Voith, Minimax), die zu seiner Haupteinnahmequelle werden; ab 1934 gesundheitliche Probleme und Umzug von Polling nach München (Maximilianstr. 16); 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Die Arbeit in der Kunst“ (Ausstellungspark München); 1937-41 Beteiligungen mit insgesamt acht Werken an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der Deutschen Kunst, München); um 1938 (späte) Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste; 1939 Beteiligung an der Ausstellung „Kunst und Technik“ (Ausstellungsgelände der Stadt Dresden); 1939 setzte die Reichsschrifttumskammer Kleys 1923 publiziertes „Sammelalbum“ (München: Albert Langen Verlag) auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“; 1942 Beteiligung an der Ausstellung „Kunst und Technik“ (Haus der bildenden Künste, Dortmund); 1943 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutsche Künstler – Münchner Zeichner“ (Städtische Galerie München); ab 1943 verschlechterte sich der Gesundheitszustand und es waren lange Krankenhausaufenthalte nötig; 08. Februar 1945 verstarb Kley im Nymphenburger Krankenhaus in München und wurde vier Tage später eingeäschert; 2011 Ausstellung „Heinrich Kley – Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit“ (Villa Stuck, München & Wilhelm-Busch-Museum, Hannover); Werke befinden sich u.a. im LWL-Industriemuseum (Dortmund), Wilhelm-Busch-Museum (Hannover), Staatliche Graphische Sammlungen (München), Walt Disney Family Museum (San Fransisco), Library of Congress (Washington), Public Library (Boston)

Literatur
GDK-RESEARCH – Bildbasierte Forschungsplattform zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937-1944 in München: http://www.gdk-research.de/de/obj19364120.html [Stand: 15. Oktober 2016];
EBNET, Werner (2016):Sie haben in München gelebt. Biografien aus acht Jahrhunderten; München: Allitera; S. 324
KUNKEL, Alexander (2010): Heinrich Kley. Leben und Werk; Weimar: VDG
JAHN, Bruno (Bearb.) (2005): Die deutschsprachige Presse: Ein biographisch-bibliographisches Handbuch (Band 1); München: K.G. Saur; S. 553
KUNKEL, Alexander: Heinrich Kley, in: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00174791