H A R R Y   B E H R

Weitere Werke von Harry Behr

Harry Behr: Hamburger Hafen

 

Hamburger Hafen

Öl auf Leinwand, neu auf Keilrahmen gezogen, gerahmt
u.l. geritzt datiert „1938“, sowie verso auf der Leinwand vom Künstler voll datiert „3.5.1938“

verkauft

 

 

 

u.l. geritzt signiert „Behr“, sowie verso auf der Leinwand nochmals voll signiert
nicht betitelt

Rahmengrösse: 63x86cm
Bildgrösse: 49,2×73,1cm

Zustand
partiell leicht beschmutzt; mitunter sehr leichte Craquelé-Bildung; an den Leinwandrändern umlaufend kleine Einstichlöcher (aufgrund früherer Befestigung auf Karton); Leinwand verso etwas fleckig

 

 

                                         

 

 

Die Familie Harry Behrs stammte aus dem Vogtland und siedelte 1911 nach Hamburg über. Dort studierte Behr von 1928 bis 1932 an der Kunstgewerbeschule Hamburg bei Hugo Meier-Thur, dessen Meisterschüler er zuletzt auch war. Finanzielle Nöte plagten den Künstler zeitlebens. Durch die Kunst- und Kulturpolitik des Dritten Reichs wurde diese missliche Lage noch verschlechtert. „Behr war absoluter NS-Gegner, er verkehrte im ‚Bronzekeller‘, wo er mit Fred Endrikat und Werner Finck diskutierte. Da er avantgardeorientiert malte, stellte sich der erhoffte Durchbruch in der NS-Zeit nicht ein. Er vermied darum eigenes Ausstellen. 1938/39 wurde er denunziert, eine Gestapo-Truppe durchsuchte sein Atelier und konfiszierte etliche Portät-Zeichnungen sowie Bilder jüdischer Künstler, darunter Bassermann, Lorre, Chagall. Man steckte ihn 24 Stunden in Untersuchungshaft“ (Maike Bruhns (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.67).
Das vorliegende Gemälde ist vom Künstler exakt auf den 3. Mai 1938 datiert und entstand damit in dieser angespannten, um nicht zu sagen heiklen Lebens- und Schaffensphase Behrs.
Behr zeigt dem Betrachter eine trübe, vom grauen Rauch durchzogene Ansicht auf den Hamburger Hafen. Sogar das Wasser scheint mehr blaue Elemente aufzuweisen, als der vornehmlich düster verhangene Himmel. Die einzigen, den Blick auflockernden Farbakzente finden sich in Form der Schiffe, ohne deren Bemalung in Grün, Rot und Gelb die Komposition monochrom erscheinen und wohl umso bedrückender wirken würde. Menschen lassen sich nicht dezidiert erkennen, doch verweisen die rauchenden Schlote und Schornsteine zweifelsohne auf ein reges Treiben und Arbeiten hinter bzw. in den ganzen Maschinen.
Farblich und kompositorisch ein herausragendes und in ein seiner Wirkung fesselndes Werk des damals 30jährigen Künstlers!

 

 

Zu Harry Behr (11.10.1907 Reichenbach (Vogtl.) – 2.6.1966 Hamburg):
Sohn des Stillleben-, Landschaftsmalers Felix Behr; 1911 Umzug der Familie nach Hamburg; 1928-32 Studium an der Kunstgewerbeschule Hamburg (bei Hugo Meier-Thur); 1930 Veröffentlichung des handgefertigten autobiographischen „Roman eines Sonderlings“; 1932 Meisterschüler; Atelier in der Wexstrasse 23 (später in der ABC-Straße 12c); 1938/39 wurde Behr denunziert und sein Atelier wurde durchsucht, dabei wurden etliche eigene Bilder, sowie Werke jüdischer Künstler konfisziert; Behr kam 24 Stunden in Untersuchungshaft; im Zweiten Weltkrieg in Dänemark und Norwegen stationiert; nach 1945 Suizid der Ehefrau und der Tochter; kunsthändlerische Tätigkeit

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.66-67
Familie Kay Rum (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S. 36