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Weitere Werke von Hans Lehmkuhl

Hans Lehmkuhl: „Neger rot ‚Uado‘“

 

„Neger rot ‚Uado‘“

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
u.l. datiert „[19]41“, sowie verso auf der Leinwand o.m. in Schwarz datiert „1942“
Das Gemälde entstand im Jan.-Febr. 1941 als Lehmkuhl die Erlaubnis erhielt im Lager Luckenwalde (Stammlager III A) Kriegsgefangene der französischen Kolonialarmee zu malen.

Rahmengrösse: 118,5×73,5cm
Leinwandgrösse: 116x71cm

u.l. in Schwarz signiert „J. Lehmkuhl“, sowie verso auf der Leinwand o.m. in Schwarz signiert
verso auf der Leinwand o.m. in Schwarz betitelt „Neger rot ‚Uado‘“

€ 7.100,-

 

 

Zustand
partiell etwas beschmutzt; im Bereich u.m. (im oberen Bereich des rechten Oberschenkels) kleiner hinterlegter Leinwandschaden mit sichtbarer (ockerfarbener) älterer Retusche; im Bereich u.m. (zwischen den Beinen) vier kleine retuschierte Einstichlöcher; mitunter leichte dezente Retuschen; im Bereich o.l. (in Höhe des Halses) vereinzelt mehr Retuschen; in den Randbereichen mitunter leicht berieben; Leinwand verso etwas fleckig; Keilrahmen verso o.l. in Gelb numeriert „27“[?]; verso auf Keilrahmen u.l. in Blei bez. „zum Rahmen […]“

Ausstellung
1942, Sonderausstellung (zusammen mit anderen Porträtgemälden von Kriegsgefangenen), Zeughaus Berlin

 

 

                            

        

 

 

Hans Lehmkuhl machte sich zeitlebens insbesondere als Porträtmaler einen Namen. So saßen ihm u.a. Modell Elisabeth Noltenius (1924), Ludwig Quidde (1930), Paul von Hindenburg (1932), sämtliche Stadträte von Wilmersdorf (1933), Eva Braun (1941), Theodor Heuss (1950), Werner Krauß (1954). Die künstlerische Bedeutung, welche Lehmkuhl zuerkannt wurde, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er 1936 als einziger Maler zum Berliner Olympischen Dorf zugelassen wurde, um dort Ansichten zu malen, welche später an Sportler verkauft werden sollten. Ebenso erhielt er 1941 die Erlaubnis im Lager Luckenwalde (Stammlager III A) Kriegsgefangene der französischen Kolonialarmee zu malen.
Das vorliegende großformatige Gemälde entstand eben in Luckenwalde und zeigt einen solchen französischen Kriegsgefangenen namens Uado, den Lehmkuhl freilich markant in Szene setzt.
Vor einem schweren roten Vorhang steht der männliche Akt. Fast im Profil zeigt sich der Körper, wogegen der Kopf sich mit einem Lächeln dem Betrachter zuwendet. Der rechte Arm umgreift den Bauch und die linke Hand fasst etwas verlegen anmutend an den roten Stoff, der hierdurch eine leichte Bewegung erhält. Das von rechts einfallende Licht spiegelt sich auf der Haut, wodurch es dem Künstler gelingt eine erstaunliche Räumlichkeit in dieses Bildnis zu legen.
Neben dem dargestellten „Uado“ entstanden noch zwei weitere Aktgemälde in einem solchen Großformat. Lehmkuhl selbst hatte die Absicht diese an das „Haus der Deutschen Kunst“ als mögliche Exponate für die „Große Deutsche Kunstausstellung“ zu senden. Doch noch vor einer möglichen Einlieferung teilte ihm der Direktor des Hauses, Karl Kolb, mit, dass diese Werke nicht würden ausgestellt werden. So kam es dann wohl dazu, dass u.a. dieses hier vorliegende, beeindruckende Bildnis 1942 in einer Sonderausstellung im Berliner Zeughaus zu sehen war (vgl. zu dieser Ausstellung die Besprechungen „37 Jahre alt und – vier Frauen. Hans Lehmkuhl malte französische Kolonialsoldaten“ (in: B.Z.-Mittag, v. 22.07.1942), sowie „Im Gefangenenlager gemalt“ (in: Berliner Lokal-Anzeiger, v. 23.07.1942)).

 

 

Zu Johannes (Hans) Lehmkuhl (19.03.1883 Bremen – 24.02.1969 ebd.):
Maler; entstammte einer bremischen Kaufmanns- und Bankiersfamilie; aufgewachsen in Bremen; nach Schulabschluss übte er neun Jahre lang eine kaufmännische Tätigkeit aus; den ersten Malunterricht erhielt er bei dem Bremer Maler Carl Windels (1869-1954); 1908 Umzug nach München und dort zwei Monate Besuch der privaten Malschule von Walther Thor (1870-1929); im Anschluss Privatunterricht bei Julius Exter (1863-1939); parallel dazu erhielt er eine Anstellung als Tenor im Chor der Münchner Hofoper; 1910-14 Besuch der Kunstakademie München (bei Carl Johann Becker-Gundahl, Hermann Groeber, Hugo von Habermann, Ludwig von Herterich, Angelo Jank und Max Doerner); zusammen mit Exter reiste er nach Feldwies zur Landschaftsmalerei; 1914-18 Kriegsdienst als Leutnant des 9. Königl.-Bayr. Feldartillerie-Regiments Landsberg; aufgrund schwerer Kriegsverletzungen musste er eineinhalb Jahre in einem Münchner Lazarett bleiben; 1920 Wiederaufnahme des Studiums an der Münchner Akademie; bis 1922 entstanden zahlreiche Porträtarbeiten von u.a. Offizieren; 1923 Umzug nach Bremen; Beitritt zum Künstlerbund Bremen und dort zweiter Vorsitzender; 1927 Umzug nach Berlin-Wilmersdorf; 1930-40 zweiter Vorsitzender des Verbandes Wilmersdorfer Künstler; weiterhin als Porträtmaler tätig (1930 malte er Ludwig Quidde (1858-1941), 1932 Paul von Hindenburg, 1933 sämtliche Stadträte von Wilmersdorf); 1935 Beitritt zum „Frontkämpferbund bildender Künstler“; 1936 war Lehmkuhl als einziger Maler zum Berliner Olympischen Dorf zugelassen und durfte dort Ansichten malen, welche später an Sportler verkauft werden sollten; ab 1936 auch als Restaurator tätig; es entstanden weitere Porträts, sowie Landschaften und Stillleben; 1936 Beteiligung an der Ausstellung „Bildnisse deutscher Männer“ (Haus der Kunst, Berlin); 1937 Beteiligung an der Ausstellung der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft (Stadthaus Wilmersdorf, Berlin); 1939-40 Beteiligungen an den „Frühjahrs-Ausstellungen des Frontkämpferbundes bildender Künstler“ (Haus der Kunst (1939) bzw. Ausstellungsräume der AWAG, Berlin); 1939-40 mit zwei Gemälden und drei Zeichnungen vertreten auf den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1940-41 war er als Maler im Kriegsgefangenenlager Luckenwalde 50, sowie 1942 in den Gefangenenlagern Dreilinden und Großbeeren tätig; 1942 Sonderausstellung im Zeughaus Berlin mit Porträtgemälden, die in Kriegsgefangenenlagern entstanden sind; 1942 Beteiligung an der „Kunstausstellung der SA in Dresden“ (Brühlsche Terrasse, Dresden); 1943 Umzug mit seiner Frau nach Millstatt am See (Österreich); durch Bombenangriffe wurde sein Berliner Atelier mit Wohnung zerstört; 1946 Rückkehr nach Bremen, wo er ein Atelier erhielt und anfangs vornehmlich als Porträtmaler von alliierten Soldaten und auch Politikern tätig war; bis zu seinem Tod war Lehmkuhl als Maler und hierbei v.a. als Porträtmaler tätig

Literatur
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00051231
Holl, Karl (2007):Ludwig Quidde (1858-1941): eine Biografie; Droste; Düsseldorf; S. 467
Internetseite zum Künstler [hanslehmkuhl.de]