H A N S   L E H M K U H L

Hans Lehmkuhl (Grossbild)Hans Lehmkuhl (Grossbild1)

 

Weitere Werke von Hans Lehmkuhl

Hans Lehmkuhl 1Hans Lehmkuhl 2

 

Terrasse im Park ‚Palais Leopold‘ in München (recto)
Heiliger Franziskus (verso)

Öl auf dicker Pappe (verso mit leichten Bleistiftvorzeichnungen)

€ 2.000,-

 

 

 

 

 

 

Entstehungsjahr: recto u.r. etwas undeutlich geritzt datiert „1920“/„1921“[?]; verso 1921

Grösse: 53×41,9cm

Signatur: recto u.r. geritzt signiert „J. Lehmkuhl“; verso unsigniert
Titel: verso Heiliger Franziskus; Entwurf für die Weihnachtsaufgabe „Legende“ der Kunstakademie München im Jahr 1921

Zustand
Ecken/Kanten etwas bestoßen; an den Ecken mitunter leichte Verluste der Farbschicht; insgesamt leicht beschmutzt

 

 

 

Herzlichen Dank an Alexa Stümpke, Enkelin des Künstlers, für freundliche Hinweise zur Einordnung des Werks!

 

 

1908 verzog der damals bereits im 25. Lebensjahr stehende Hans Lehmkuhl nach München. Dort besuchte er anfangs die private Malschule von Walther Thor und erhielt im Anschluss Privatunterricht bei Julius Exter. Von 1910 bis 1914 studierte er u.a. bei Becker-Gundahl, von Habermann und Jank an der Kunstakademie München. Durch den Ersten Weltkrieg kam es zu einer Zäsur in seiner künstlerischen Ausbildung, welche er nach Rückkehr und Genesung von einer schweren Verletzung erst wieder 1920 aufnehmen konnte. In den darauf folgenden Jahren machte sich Lehmkuhl insbesondere als gefragter Porträtmaler einen Namen.
Das vorliegende beidseitig ausgeführte Werk entstand in dieser frühen Schaffensphase seiner Münchner Studienzeit. Die verso ausgeführte Franziskus-Darstellung ist dabei explizit eine (Vor-)Arbeit für einen großformatig ausgeführten Entwurf im Rahmen der Weihnachtsaufgabe „Legende“ der Münchner Kunstakademie im Jahr 1921. Und obgleich die Datierung der recto gezeigten Ansicht aus dem Palais Leopold nicht exakt zu bestimmen ist, so lässt sich die Entstehung hiervon doch auf die Zeit um 1920-21 eingrenzen. Beide Arbeiten zeigen eine erstaunlich freie Farb- und Formsprache und vor allem beim ‚Franziskus‘ treten die expressiven Elemente deutlich hervor.
Diese ‚Franziskus‘-Darstellung greift die Stigmatisierung des Heiligen auf. Der Heiligenlegende nach hatte sich Franz von Assisi im Spätsommer 1224 nach La Verna in die Einsiedelei zurückgezogen. Dort soll er eine Vision gehabt haben, bei der ihm der gekreuzigte Christus in Gestalt eines Seraphs mit sechs Flügeln erschien. An den Händen, Füßen und an seiner Seite öffneten sich hierauf Wunden als Zeichen seiner imitatio christi. Lehmkuhl hält dieses Erlebnis der Vision in einer erstaunlich expressiven Farbigkeit fest. Der hell umstrahlte Gekreuzigte in der oberen Ecken und ihm gegenüber der mitunter an El Greco erinnernde Franziskus auf den Knien. Goldene Strahlen führen zu dessen Händen und Brust und verweisen somit auf die Wundmale.
Die Terrassenansicht im Palais Leopold wirkt in ihrer Ausführung weit ruhiger. Lehmkuhl legt das Augenmerk hierbei vor allem auf die Lichtführung und Schattensetzung, um mithilfe des durchbrechenden Sonnenlichts eine schöne Wärme und Lebendigkeit in die von Grün- und Brauntönen bestimmte Komposition zu legen. Die Farbgebung des dunkel gehaltenen, schattigen Vordergrunds ist mitunter leicht pastos ausgeführt, was dem Betrachter zudem eine sehr schöne Bildtiefe vermittelt.
Herausragende, überaus frei ausgeführte Arbeiten aus dem frühen Schaffen Hans Lehmkuhls!

 

 

Zu Johannes (Hans) Lehmkuhl (19.03.1883 Bremen – 24.02.1969 ebd.):
Maler; entstammte einer bremischen Kaufmanns- und Bankiersfamilie; aufgewachsen in Bremen; nach Schulabschluss übte er neun Jahre lang eine kaufmännische Tätigkeit aus; den ersten Malunterricht erhielt er bei dem Bremer Maler Carl Windels (1869-1954); 1908 Umzug nach München und dort zwei Monate Besuch der privaten Malschule von Walther Thor (1870-1929); im Anschluss Privatunterricht bei Julius Exter (1863-1939); parallel dazu erhielt er eine Anstellung als Tenor im Chor der Münchner Hofoper; 1910-14 Besuch der Kunstakademie München (bei Carl Johann Becker-Gundahl, Hermann Groeber, Hugo von Habermann, Ludwig von Herterich, Angelo Jank und Max Doerner); zusammen mit Exter reiste er nach Feldwies zur Landschaftsmalerei; 1914-18 Kriegsdienst als Leutnant des 9. Königl.-Bayr. Feldartillerie-Regiments Landsberg; aufgrund schwerer Kriegsverletzungen musste er eineinhalb Jahre in einem Münchner Lazarett bleiben; 1920 Wiederaufnahme des Studiums an der Münchner Akademie; bis 1922 entstanden zahlreiche Porträtarbeiten von u.a. Offizieren; 1923 Umzug nach Bremen; Beitritt zum Künstlerbund Bremen und dort zweiter Vorsitzender; 1927 Umzug nach Berlin-Wilmersdorf; 1930-40 zweiter Vorsitzender des Verbandes Wilmersdorfer Künstler; weiterhin als Porträtmaler tätig (1930 malte er Ludwig Quidde (1858-1941), 1932 Paul von Hindenburg, 1933 sämtliche Stadträte von Wilmersdorf); 1935 Beitritt zum „Frontkämpferbund bildender Künstler“; 1936 war Lehmkuhl als einziger Maler zum Berliner Olympischen Dorf zugelassen und durfte dort Ansichten malen, welche später an Sportler verkauft werden sollten; ab 1936 auch als Restaurator tätig; es entstanden weitere Porträts, sowie Landschaften und Stillleben; 1936 Beteiligung an der Ausstellung „Bildnisse deutscher Männer“ (Haus der Kunst, Berlin); 1937 Beteiligung an der Ausstellung der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft (Stadthaus Wilmersdorf, Berlin); 1939-40 Beteiligungen an den „Frühjahrs-Ausstellungen des Frontkämpferbundes bildender Künstler“ (Haus der Kunst (1939) bzw. Ausstellungsräume der AWAG, Berlin); 1939-40 mit zwei Gemälden und drei Zeichnungen vertreten auf den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1940-41 war er als Maler im Kriegsgefangenenlager Luckenwalde 50, sowie 1942 in den Gefangenenlagern Dreilinden und Großbeeren tätig; 1942 Sonderausstellung im Zeughaus Berlin mit Porträtgemälden, die in Kriegsgefangenenlagern entstanden sind; 1942 Beteiligung an der „Kunstausstellung der SA in Dresden“ (Brühlsche Terrasse, Dresden); 1943 Umzug mit seiner Frau nach Millstatt am See (Österreich); durch Bombenangriffe wurde sein Berliner Atelier mit Wohnung zerstört; 1946 Rückkehr nach Bremen, wo er ein Atelier erhielt und anfangs vornehmlich als Porträtmaler von alliierten Soldaten und auch Politikern tätig war; bis zu seinem Tod war Lehmkuhl als Maler und hierbei v.a. als Porträtmaler tätig

Literatur
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00051231
Holl, Karl (2007):Ludwig Quidde (1858-1941): eine Biografie; Droste; Düsseldorf; S. 467
Internetseite zum Künstler [hanslehmkuhl.de]